Rechenzentrum auf Parkplatzsuche

Der Verkehrsinfarkt ist real, las ich neulich beim Blogger-Kollegen Hermann Hänle. Einen bezahlbaren Parkplatz zu finden, grenzt in manchen deutschen Großstädten an eine Herkulesaufgabe – und jetzt stellen Sie sich mal vor, Sie wären nicht mit einem Auto, sondern mit einem Rechenzentrum unterwegs.

Rechenzentren kommen in die Jahre

Auch wenn so ein Rechenzentrum nicht ganz so mobil und vor allem nicht so kompakt ist wie ein Smart, der einem noch Parkplatzchancen ermöglicht – Sie können durchaus in vergleichbare Situationen kommen. Wenn Sie ein Rechenzentrum unterhalten. Das Rechenzentrum (vielleicht ein Ex-Bunker aus dem zweiten Weltkrieg oder ein Funktionsbau der 60er) ist in die Jahre gekommen. Die Klimaanlage geht des Öfteren in die Knie mit fatalen Folgen für die betriebenen Services. Die Waagschale des jahrelangen Disputs zwischen IT und Facility Management neigt sich dramatisch zu Gunsten der Investitionen in neue Gebäude und Gebäudeinfrastrukturen. Also entweder größere Renovierungsarbeiten oder gleich ein Neubau.

Im Colocation-Rechenzentrum parken

Doch wohin mit dem beachtlichen Server-Bestand für den Zeitraum, bis die neuen oder erneuerten Liegenschaften zur Verfügung stehen?  Housing bzw. Colocation ist eine funktionale Lösung als Parkplatz für das Rechenzentrum. Auch auf unbestimmte Zeit. Denn schließlich kann man ja nie wissen, wie schnell die Mittel tatsächlich freigegeben werden. Und wie unterbrechungsfrei die Arbeiten verlaufen.

Im Gegensatz zu einem Auto kommt so ein Rechenzentrum selten von der Stange – oder aus einem standardisierten Produktionsprozess. Jedes Rechenzentrum hat seinen eigenen Charakter, das Server-/Storage-Ensemble gleicht keinem in irgendeinem anderen Rechenzentrum. Das Housing/Colocation-Rechenzentraum sollte im Idealfall spezifischen Anforderungen Rechnung tragen. Nicht nur bezüglich der puren Größe und Energieversorgung von vielleicht zwei zusätzlichen Megawatt.

Colocation – individuell oder von der Stange?

Eine typische Sonderlocke: Sicherheit. Manchmal reicht ein einfaches Caging nicht. Ein Käfig mit einem Vorhängeschloss oder einer elektronischen Verriegelung erfüllt die Sicherheitsbedürfnisse mancher Daten bei Weitem nicht. Da muss es schon ein eigener Raum sein, abgeschottet mit speziellen Türen. Das bedeutet dann als Konsequenz Umbaumaßnahmen im Colocation-Rechenzentrum. Ein traditionell kaltmietenoptimiertes Colocation-Rechenzentrum kann damit schnell an seine Grenzen kommen.

Wo spezielle physische Anforderungen an die Sicherheit existieren, sind außergewöhnliche virtuelle Schutzmaßnahmen nicht ganz aus der Welt: Zusätzliche Netzabschlusstechnik mit spezifischer Verschlüsselungstechnik beispielsweise.

Und wenn wir schon bei Spezialtechnik sind: Ein Rechenzentrum, das in die Jahre gekommen ist, könnte durchaus auch ein Tape Library mitbringen – das natürlich ebenfalls unterbrechungsfrei weiterbetrieben werden muss. „Housing plus“ ist mehr als nur Stecker rein und Schalter an. Damit so ein komplettes Rechenzentrum mit seiner eigenen Persönlichkeit auch am „Parkplatz“ glatt läuft, muss der Umziehende von seinem Housing/Colocation-Anbieter auch IT-Infrastrukturkompetenz einfordern, so dass nachher nur noch aktive Komponenten – Server und Storage – passgenau eingestöpselt werden müssen. Das bedeutet zum Beispiel den Aufbau der kompletten Netzwerkinfrastruktur. Das ganze „Housing plus“ selbstverständlich in Verbindung mit einem engen Zeitplan und mit Millionen-Investitionen in Vorleistung.

Individuelles Housing: Machbarkeit überprüfen, Kosten checken

Freilich werden solche Sonderleistungen nicht für zwei, drei Server anfallen – oder zumindest keinen Sinn ergeben. Aber für ein komplettes, umfangreiches Rechenzentrum, das business-kritische Prozesse unterstützt, können solche „Einparkmanöver“ nötig sein. Und die kosten natürlich.

Aber auf der anderen Seite bekommt der Parkplatzsuchende damit genau den Parkplatz, den er braucht – und die Sicherheit, dass er seine Hardware auf unbestimmte Zeit und ohne Zeitdruck nach seinen Maßstäben Sicherheits- und Verfügbarkeitsmaßstäben betreiben kann. Und dann ist es auch nicht so schlimm, wenn sein eigenes Investitionsprojekt sich verschiebt, weil die Budgets doch umpriorisiert werden.

Also: Wählen Sie Ihren Colocation/Housing-Provider passend zu Ihrem Projekt und bedenken Sie alle notwendigen Sonderanforderungen über Quadratmeterzahl und Leistungsaufnahme hinaus. Sie sind es, die letzten Endes über „Make or Break“ entscheiden.

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