Sven Löffler
14. April 2017 0
Digitalisierung

Big Data Zündstoff für den Brexit?

Es wird doch immer nach Gründen und Verantwortlichen gesucht, so auch beim Brexit und den US-Wahlen. Die Suche nach dem Verantwortlichen führt hierbei zu Big Data und insbesondere Big Data Analysen. Dass Analysen für Wahlzwecke eingesetzt werden, um gezielt Wähler anzusprechen, ist kein Geheimnis, aber im Brexit und in Trumps Wahlkampagne wurde nun eine andere Art der Analyse eingesetzt: Profiling Methoden vom Feinsten, ausgeklügelt vom Stanford Professor Michal Kosinski. Aber kann man einen Mann für den Brexit verantwortlich machen?

Michal Kosinski – der Waffenbauer

Michal Kosinski ist „nur“ der Entwickler der Profiling-Methoden, auch hat er vor dem Einsatz gewarnt. Mithilfe des digitalen Umfelds, wie zum Beispiel Facebook, können digitale Footprints eines jeden erstellt werden. Dadurch können Gruppen, so gut wie unabhängig von „normalen Schubfächern“ wie Demo- und Geographie, kategorisiert werden und es kann folglich auch herausgefunden werden, welche Personen eher dazu neigen für den Brexit zu stimmen und welche noch überzeugt werden müssen. Der Ansatz des Profiling durch, erstens Tests und, zweitens Aktionen im Internet wie Facebook Likes, wurde von Michal Kosinski und seinem Team entwickelt. So weiß man, zum Beispiel, dass Personen, die gern Lady Gaga hören, eher extrovertiert sind als andere, und, dass Männer, die die Marke MAC geliked haben, oft homosexuell sind. Damit wird deutlich, welche mächtige Waffe Kosinski geschaffen hat. Aber die Munition hat hierbei die britische Firma namens Cambridge Analytica geliefert.

Cambridge Analytica – die Munition

Michal Kosinski hat vor der Waffe gewarnt und hat sein Wissen auch nicht weitergegeben, aber seine Mitarbeiter haben es. Diese haben ihr Wissen wohl für 15 Millionen Dollar an Cambridge Analytica (CA) verkauft, die nun auf einigen Vorträgen ihre Idee präsentiert haben. CA, ein britisches Unternehmen, zielt nicht allein auf die Segmentierung anhand von Demo- und Geographie ab, sondern erweitert diese um Psychographie und Personalität. Die Kategorie „Personalität“ komme hierbei eigentlich von Michal Kosinski. Entschlüsselt durch das OCEAN-Modell, auch „Big Five“ genannt. Dieses Modell wird in der Persönlichkeitspsychologie angewandt und besteht aus den fünf Hauptdimensionen durch die sich die Persönlichkeit eines jeden Menschen einordnen lässt: Offenheit für Erfahrungen (Aufgeschlossenheit, Openness), Gewissenhaftigkeit (Perfektionismus, Conscientiousness), Extraversion (Geselligkeit, Extraversion), Verträglichkeit (Rücksichtsname, Agreeableness), und Neurotizismus (emotionale Labilität und Verletzlichkeit, Neuroticism). Dies werde, unter anderem, durch Cookies ermöglicht, und befähigt gruppierte oder gar einzeln zugeschnittene Werbung bzw. Nachrichten.

Was ist da wirklich dran?

CA war auch in die Brexit-Kampagne involviert. Ist das Unternehmen jetzt deswegen für den Brexit verantwortlich? Die Technologie ist durchaus in der Lage fein säuberlich durch minutiöses Analysieren herauszukristallisieren, wer für welche Botschaft empfänglich ist und wie dieser darauf reagiert. Somit ist es möglich digitale Zielvorrichtungen, wie Nachrichten oder Werbung, für Personen, die für Botschaften der Wahlkämpfer empfänglich sind, zu schaffen. Für den Brexit wurden von CA 20 Millionen „überzeugende“ Wähler in den wichtigsten Bereichen ausgewählt und gezielt mit psychologisch-definierten Botschaften bombardiert. Doch einen wirklichen Beweis dafür, dass die Brexit-Befürworter von CA überzeugt wurden, gibt es nicht. Einzig bewiesen ist, dass CA damit viel Geld verdienen konnte.

Zusammengefasst lässt sich sagen: Nicht alles was im Zusammenspiel mit Big Data am Erfolg politischer Kampagnen wie dem Brexit oder auch an Trumps Sieg schuld sein soll, muss auch gleich wahr sind. Fakt ist, dass Michal Kosinskis Profiling Methoden funktionieren. Fakt ist aber auch, dass es Seitens CA keinen Beweis gibt, dass ihre Methoden ausschlaggebend für die Wahlentscheidung der Mehrheit der britischen Bevölkerung waren. Big Data ist zu vielem fähig, aber gleich hysterisch zu werden, ist kein Fundament für produktive Diskussionen.

Wie ist Ihre Meinung zu den Profiling Methoden und deren Auswirkungen? Teilen Sie es uns mit via twitter @DeutscheTelekom. Oder informieren Sie sich weiter unter den folgenden Hashtags und Hyperlinks: #MichalKosinski #CambridgeAnalytica #DigitalFootprint

Quellen:
http://www.thetimes.co.uk/edition/world/trump-calls-in-brexit-experts-to-target-voters-pf0hwcts9
http://www.deutschlandfunk.de/brexit-und-trump-grosser-erfolg-mit-big-data.1818.de.html?dram:article_id=373280
https://blog.wdr.de/digitalistan/hat-wirklich-der-grosse-big-data-zauber-trump-zum-praesidenten-gemacht/
http://www.zeit.de/digital/internet/2016-12/us-wahl-donald-trump-facebook-big-data-cambridge-analytica

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