Dr. Michael Pauly
13. Dezember 2018 0
Collaboration

Zauber der hybriden Welt

Unternehmen haben ihre Systeme für Kommunikation und Collaboration (kommen sie nun aus der TK- oder der IT-Ecke) nicht ohne Grund eingeführt. Sie haben die Kosten gegen die Funktionen und gegen die Management-Aufwände abgewägt. Sie haben ein Datenschutz-/-sicherheitskonzept hinterlegt. Heraus kam eine Entscheidung für eine Lösung. Die im besten Fall optimal auf die gegenwärtigen – und zumindest einen Teil der künftigen, der absehbaren – Anforderungen abgestimmt ist. Aber weil trotz künstlicher Intelligenz und Customer Centricity niemand die Zukunft genau kennt, kommt es, wie es kommen muss: Wir brauchen noch diese oder jene Funktion, die uns unsere bestehenden Systeme nicht bieten. Der Weg zur hybriden Welt zeichnet sich bereits ab.

Bitte ein neues Collaboration-Feature

Der Ruf nach Zusatzdiensten wird laut – die die Collaboration besser unterstützen. Also beispielsweise Live-Meetings mit Teamräumen für bestimmte Gruppen etc. Mal ganz ehrlich: Würden Sie wegen einer solch neuen Funktion ihre bestehenden Lösungen für Telefonie, Mail, etc. ausmustern, die zudem zugegebenermaßen alles in allem rund laufen?

In geschätzt 99 Prozent aller Fälle treffen Unternehmen in einer solchen Situation die naheliegendste Entscheidung. Sie kaufen ein Add-on, das auf die bestehenden Lösungen aufgesetzt wird. Vermutlich aus der Cloud – wegen der Vorteile in punkto Kosten und Dynamik. Und damit: Willkommen in der hybriden Welt, in der die On-Premise-Lösungen mit der Cloud zusammenarbeiten sollen.

Also im Beispiel: Ich habe eine Cisco Business Edition 6000 oder 7000 und setze noch WebEx Teams aus der Cloud obenauf. Dass die Integration innerhalb von Produkten aus einem Haus ordentlich realisiert wird, darf man als Kunde erwarten. Und häufig ist genau das einer der Topgründe, wenn es darum geht, eine Entscheidung zu fällen: Einfachheit der Einführung, geringe Aufwände im Management. Alternativ aber – je nach Mitwirkenden – fällt statt „WebEx Teams“ plötzlich die Wortmarke „Skype for Business“ – das sich natürlich ebenso harmonisch in die bestehende Office-Welt integrieren lässt.

Hybride Welt: IT und TK – wer hat das Sagen in der Business-Collaboration?

In großen Unternehmen existieren meist immer noch zwei Welten – historisch gewachsen. Die IT- und die TK-Welt, die beide ihre Stärken in bestimmten Collaboration-Funktionen haben. Und schon in den letzten Jahren haben Unternehmen große Anstrengungen unternommen, vor dem Hintergrund einer guten User Experience („keep it simple for the customer“) diese beiden Welten zu integrieren. Das Resultat sind angepasste (customized) Lösungen, bei denen die ursprünglichen Basis-Lösungen passend zurechtgefeilt wurden. Und auf diese real existierende Collaboration-Landschaft kommt nun die Cloud obenauf.

Das Universum der kontinuierlichen Anpassung

Das bedeutet nun nicht mehr nur, dass die existierenden Funktionen bei jeder Anpassung einer Komponente darauf geprüft werden müssen, ob sie noch einwandfrei laufen, sondern das gilt nun auch an der Schnittstelle zu den Cloud-Diensten. Ergänzend bietet die (Public) Cloud als Ingredienz den Takt der Anbieter, der vorgibt, wann ein neues Release kommt. Es kommt. Auf die Integration und die Interaktion mit vorhandenen Lösungen (außerhalb des eigenen Ökosystems) wird dabei wenig Wert gelegt – Abkündigungen vertrauter Schnittstellen inklusive. Das trifft vor allem auch auf die vielen 3rd-Party-Applikationen zu, die in vielen Unternehmen im Einsatz sind. Bei Microsoft kann sich der Anwender vom nächsten Update „freikaufen“, um so kostbare Zeit für die notwendigen Anpassungen und Funktionstests zu gewinnen – so gesehen hat Nicht-Agilität durchaus ihren Preis 😉.

Die Anwender geraten angesichts des dauernden Checks, ob ihre Collaboration-Landschaft auch das nächste Update verträgt, in einen robinson-ähnlichen Zustand: Sie wollen überleben in einer Welt der hybriden Collaboration. Was sich am Anfang als Traum der Einfachheit präsentiert, wird so durch die Folgeaufwände schnell zum Albtraum. Hybrid ist komplex – und zwar nicht nur einmal, sondern immer wieder. Seien Sie darauf vorbereitet, wenn Sie einsteigen.

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