Oliver Nuhn
14. November 2019 0
Collaboration

Hochzeit der Telefonnetze

Wie das so ist, im Berufsleben: Eigentlich will ich eine Sache machen, aber dann kommen zwei andere dazwischen – und der Blick auf den Kalender bzw. die Inhalte desselben gehen schon nach dem ersten Kaffee verloren. Das Resultat: Siedend heiß fällt mir – um ehrlich zu sein, meiner Outlook-Erinnerungsfunktion – während des Telefonats ein, dass ich ja in einer halben Stunde einen Termin habe. Und zwar nicht bei uns im Gebäude, sondern am anderen Ende der Stadt. Schnell zum Auto.

Gefangen am Festnetz-Telefon

Aber ich hänge am guten alten Bürofestnetz-Telefon fest. Dass mein Telefonat eigentlich schon seit 15 Minuten beendet sein sollte, zählt momentan nicht. Was tun? Plötzlich wird jede Minute kostbar und natürlich möchte ich den Gesprächspartner (meinen Chef oder einen potenziellen Kunden zum Beispiel) auch kaum einfach abwürgen. Aus verschiedenen Gründen, die Sie sich vielleicht vorstellen können.

Blöde Sache, dass das Telefonieren im Festnetz und mobil auch 2019 noch in zwei verschiedenen Universen abläuft. Die so gar nichts miteinander zu tun haben wollen. Für den Nutzer ist es dieselbe Funktionalität, doch hinter den Kulissen verschiedene Protokolle, Architekturen etc. Das Festnetz basiert immer noch auf PSTN (Public Switched Telephone Network), das Mobilfunknetz auf UMTS/LTE (Universal Mobile Telecommunication System/ Long Term Evolution. Diese beiden Paralleluniversen scheinen in einer Art Grabenkrieg zu liegen: Sie wollen nichts miteinander zu tun haben, schon gar keine Verbindung zueinander.

Der Traum der Digitalisierung

Und dann reden wir dauernd von Digitalisierung! In der Digitalisierung wäre das aktuelle Telefonat lediglich ein Dienst, der von dem Endgerät völlig unabhängig wäre. Mit dem erfreulichen Resultat, dass ich mein Telefonat unbemerkt von meinem Gesprächspartner einfach vom Festnetz auf beispielsweise mein Mobiltelefon verlege und vice versa.  Ich bliebe unterbrechungsfrei im Gespräch, gewänne aber den Freiraum, mich schnell auf den Weg zum Auto zu machen, um den Anschlusstermin doch noch zu schaffen.

Sie bemerken den Konjunktiv? Das ist so nicht mehr ganz richtig. Ok, klassische TK-Anlagen sind von diesem Traum immer noch meilenweit entfernt. Moderne Unified-Collaboration-Systeme schaffen das aufwendig über Softclient/App auf den jeweiligen Smart Devices – aber eben nur, wenn diese auch installiert sind und verwendet werden. In der heutigen All-IP Welt ist aber so ein fliegender Gerätewechsel kein Ding der Unmöglichkeit mehr. Die Grundlage dafür ist das IP Multimedia Subsystem (kurz als IMS-Layer bezeichnet).  Dieses System setzt auf IP als Kommunikationsstandard, das eingesetzte Protokoll ist SIP (Session Initiation Protocol). Bislang kam IMS vor allem im Mobilfunk zum Einsatz. Dort verbindet es „klassische“ Mobilfunknetze wie GSM oder UMTS mit IP-basierten Netzen.  Es sorgt aber auch dafür, dass die berühmten Zusatzdienste einfach vom Anbieter eingebunden werden können. Beispielsweise können Sie so erfahren, ob Ihr Anruf sich überhaupt lohnt: Präsenzdienste geben (wenn die Teilnehmer mitspielen) Auskunft, ob der gewünschte Gesprächspartner verfügbar ist.

IMS macht die Verknüpfung möglich

IMS besteht aus drei so genannten Layern: 1. dem Connectivity Layer, über den verschiedene Geräte angebunden werden (hier sind auch Router und Switches untergebracht). 2. dem Control Layer, der die verschiedenen „Sessions“ verwaltet (hier geschieht auch die Authentifizierung der Teilnehmer/Geräte) und 3. dem Service Layer, auf dem die verschiedenen Dienste realisiert bzw. angebunden werden (das sind im Prinzip Server für Content und Applikationen).

IMS beantwortet die Frage, wie eine Kommunikationsinfrastruktur aus Sicht des 3GPP-Standardisierungsgremiums beschaffen sein muss und wird mittlerweile auch in fast allen All-IP-Netzen tatsächlich so umgesetzt. Interessanterweise wird dieser Standard  von vielen Anbietern anerkannt. Das wiederum führt dazu, dass nun Lösungen wie eine IP-Centrex über SIP-Trunks mit dem Mobilfunknetz verknüpft werden können. Und ich zwei Herren dienen kann: meinem aktuellen Anrufer und meinem Meeting-Partner, der am anderen Ende Frankfurts auf mich wartet. Schwierig wird es erst dann, wenn das Telefonat am Ziel immer noch beendet ist. Dann brauche ich einen Nuhn-Bot, der das Gespräch für mich übernimmt. Aber das ist ein anderes Thema …

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