Jutta Rahenbrock
14. Januar 2019 0
Collaboration

Gestatten, mein Avatar oder digitaler Zwilling – ein Traum?

Ein Breadbot, eine Bierbraumaschine für Zuhause – damit decken die Neuheiten der Consumer Electronics Show in Las Vegas für manchen die grundlegenden Bedürfnisse des Lebens komplett ab. Einen zusammenrollbaren Fernseher gibt es obenauf. Was braucht man mehr? Also ich, ich vermisse einen Avatar. Meinen Avatar. Wir reden viel über Sprachsteuerung und Bots, die uns in der täglichen Arbeit entlasten und die Zusammenarbeit („Collaboration“) mit Kunden und Kollegen optimieren. Oliver und Michael werden demnächst über Denkbares und Visionäres dazu bloggen. Aber solche digitalen Assistenten springen zu kurz. Warum nicht gleich den ganzen Weg gehen? Ich wünsche mir einen Business-Avatar. Einen digitalen Rahenbrock-Zwilling, der meine Arbeit macht.

In Japan ist man in der Akzeptanz virtuell-digital-robotisierter Prozesse ja tendenziell immer ein kleines Stück weiter und offener. Dort gehören virtuelle Personen auch heute schon zum guten Ton. Und sie sind mitunter höchst erfolgreich. Wie Miku Hatsune. Die ewig junge Dame füllt in Japan riesige Stadien, hat „Werbeverträge“ mit Toyota und Google. Aber sie existiert nicht. Nunja, sie stoffwechselt nicht, aber eine Art von Existenz kann man ihr nicht absprechen. Ursprünglich war sie lediglich eine Stimme für einen Software-Synthesizer, dann kam die Optik dazu.

Mein Avatar arbeitet für mich

Wieso sollte das nicht auch andersherum funktionieren? Eine Avatarisierung des Mitarbeiters könnte einige grundlegende Probleme des Berufslebens lösen, man denke an den Fachkräftemangel weltweit. Ich wäre – auch das Lieblingswort vieler Manager – „skalierbar“. Das Thema Überstunden und Überschneidung von Ferienzeiten inklusive der Übergabe an Kollegen löste sich mit einem Befreiungsschlag auf. Krankheitszeiten? Vergangenheit. Ich würde nie wieder etwas vergessen. Das Unternehmen hätte zu jederzeit vollen Zugriff auf meine kompletten Erfahrungen. Die lägen natürlich in digitaler Form vor und können 24/7 meinen Avatar-Kollegen zugänglich gemacht werden – keine Schnittstelle (nicht mal eine Sprachschnittstelle, Oliver!); keine Wartezeiten mehr durch „Der angerufene Gesprächsteilnehmer ist momentan nicht verfügbar. Probieren Sie es zu einem späteren Zeitpunkt wieder“. Welch eine Effizienzsteigerung für die Prozesse innerhalb des Unternehmens! Ich könnte alle Termine wahrnehmen (ohne dabei Reisekosten zu produzieren). Ich wäre der Traum jeder Führungskraft und HR-Verantwortlichen. So entstehe das wahre virtuelle Unternehmen. Ich sitze währenddessen auf Mauritius, schlürfe eine Pina Colada nach der anderen, hänge meine Füße in das 25 Grad warme kristallklare Wasser und schaue den Fischen zu. Mein Avatar rackert sich für mich ab. Das nenne ich Work-Life-Balance. Ein echtes Win-Win. Ich glaube, ich könnte mich mit der Situation anfreunden 😉.

Kostenpflichtige Avatar-Nutzung

Natürlich ist das Traumtänzerei. Aber unsere digitalen Zwillinge könnten eine Zwischenstufe auf dem Weg zu einer Arbeitswelt sein, in der Algorithmen bzw. künstliche Intelligenzen unsere Erfahrung und unsere Problemlösungsfähigkeiten, möglicherweise sogar unsere Kreativität und Entscheidungskompetenz kopiert haben. Die Herausforderung liegt natürlich momentan noch in einer umfassenden Abbildung unserer Fähigkeiten als Menschen. In unserer Komplexität, aber auch der Komplexität unserer Aufgaben. Meine Kollegen zumindest haben bestätigt, dass ich mehr Substanz habe als ein blauhaariges Anime-Girl. Gleichzeitig muss ein solcher Avatar vielleicht aber auch gar nicht alle Kompetenzen und den kompletten Wissensschatz einer Jutta Rahenbrock vorhalten. Welche Musikinstrumente ich beherrsche oder ob ich einen Klorollenüberzieher häkeln kann, ist für die meisten Wissensarbeitsszenarien irrelevant. Geringere Komplexität könnte auch einfachere Prozesse bedeuten. Und eine Abbildung meiner kompletten DNS (wie für Medizintests) ist auch nicht nötig. Im Prinzip würde ich nach Anstellung neuronale Netze anlernen, meine Jobs zu machen. Die könnten dann hoffentlich mehr als nur meine Abwesenheitsnotizen zu verwalten 😉.

Das Unternehmen, das meine Fähigkeiten nutzt, muss mich dafür entlohnen: Solange mein Avatar im virtuellen Raum des Unternehmens mitarbeitet, bekomme ich einen Basislohn. Komplexere Fragestellungen, die mein Avatar nicht lösen kann, werden „as you use“ abgerechnet. Gewerkschaften kontrollieren, ob Unternehmen nicht die Fähigkeiten meines Avatars missbräuchlich kopieren und gegen mein persönliches „Copyright“ verstoßen. Oder die Blockchain macht das. Die kann ja bekanntlich alles 😉.

Ausverkauf der menschlichen Arbeitskraft?

Ich höre Sie gerade aufschreien: Das Ganze macht den Menschen ja als „Arbeitskraft“ überflüssig. Richtig. Ob wir jemals da hinkommen werden? Nur Menschen, die Visionen in Pillenform einnehmen, werden es wagen, das Anfang 2019 für, sagen wir, 2100 zu prognostizieren. Ich könnte das natürlich tun, allzumal mich 2100 niemand dafür zur Rechenschaft ziehen wird. Vermutlich.
Die technischen Hürden sind immens, die notwendigen technischen Fähigkeiten dafür auf Jahrzehnte nicht absehbar, die Regelungen gegen Missbrauch („Raubkopien“) … ich mag mir gar nicht vorstellen, wie das geregelt und nachgewiesen werden kann. Das müssen wir wahrscheinlich auch Maschinen überlassen. Also erstmal die Bots mit ihren mehr oder weniger bescheidenen Fähigkeiten und dann … mal schauen, wie sich die Quantencomputer entwickeln … Mit Sicherheit aber kommen wir nicht umhin, unsere Wertbeiträge für das Arbeitsleben genau zu kennen. Die Bots lernen jeden Tag ein bisschen mehr.

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