Angriff der Künstlichen Intelligenz

„Hallo, ich bin Nobbie. Wie kann ich Ihnen helfen?“ „Also, wo geht es zum Restaurant? Ich will frühstücken.“ „Die Aufzüge zu den Zimmern befinden sich in 100 Metern auf der rechten Seite. Aktuell bieten wir Ihnen zwei Tage zum Preis von drei an. Nur 139 €, wenn Sie sich gleich entscheiden …“

Künstliche Intelligenzen auf dem Vormarsch

Künstliche Intelligenz! Vor sagen wir, zehn Jahren, hatte das noch ein bisschen was von Frankenstein. Heute träumen wir landauf, landab von den unendlichen Weiten, die uns KI eröffnen wird. Ich schmecke diesen Cocktail aus einem Schuss Grenzenlosigkeit und einem satten Schluck Alles-ist-möglich. Was die ersten kritischen Stimmen auf den Plan ruft, die Vorgaben für den KI-Einsatz und eine saubere Kontrolle wollen.

Mehr Schein als Sein – noch

Die Realität sieht noch ein wenig anders aus. Und zwar in zweierlei Hinsicht: Zum einen ist nicht alles KI, was unter dem Emblem KI vermarktet wird. Häufig ist das, was als KI erscheint, eher ein strukturiertes Interview, die klassisch programmiert wird. Das geben viele Betreiber von beispielsweise sprechenden Robotern zu. Ein Update bedeutet dann zusätzliche Programmzeilen. Ein echtes Selbstlernen, Analysieren und Reagieren – eher selten.

Zum anderen ist das, was KI heute leistet, noch lange nicht das, was wir von ihr erwarten. Nobbie ist nicht das einzige Beispiel. Haben Sie schon mal auf Amazon eingekauft? Ich habe mir dort einmal ein rotes Kleid bestellt. Kaum war das Kleid ausgepackt, anprobiert und bezahlt, wurde ich – den Web-Werbenetzwerken sei Dank – mit Empfehlungen für rote Kleider überschwemmt. Ich bin kein Einzelfall. Laufschuhe, Schnürsenkel, Spülmaschinen – die „künstlichen Intelligenzen“ erwarten von uns, dass wir Wiederholungstäter der schlimmsten Sorte sind. Das betriebswirtschaftliche Bild des Homo oeconomicus ist dagegen harmlos, wir sind der homo repetitens; Hamster mit dem Horizont des Hamsterrads. Wir sind Rotkleidfetischisten, Spülmaschinensammler, Laufschuhhorter; Menschen, die sich auf die Zombieapokalypse vorbereiten, in der nur noch Schnürsenkel als ultimatives Zahlungsmittel überleben werden – wohl dem, der vorsorgt.

Wie schwer kann es sein zu begreifen, dass jemand, der eine bestimmte Sorte Artikel gekauft, erstmal bedient ist? Wenn, dann biete mir doch bitte ein paar rote Schuhe dazu an. Oder Unterwäsche. Oder einen Hut. Oder wenigstens ein grünes Kleid … Dafür scheint mir das Etikett „intelligent“ angemessener.

Auf dem Weg zur KI-Collaboration?

Im Retail-Umfeld zumindest entwickeln sich KIs zu Repräsentanten ihres Unternehmens. In der Vergangenheit hatten wir manchen „magic moment“, wenn der Hotline-Mitarbeiter uns auf die Schnelle ein Ersatzteil zugeschickt oder per Fernwartung ein Problem im Handumdrehen behoben hat. Genauso haben wir uns in der Vergangenheit aber auch über wenig hilfsbereite oder inkompetente Servicekräfte echauffiert. Heute lachen wir noch unbeholfene KIs – von denen uns gesagt wird, dass sie einst Arbeitsplätze wegrationalisieren und den Service auf ein nie dagewesenes Level heben. Irgendwann wird es uns Menschen aber auf die Nerven gehen, als manische Melkkühe, die gerne auch noch eine zweite, dritte und vierte Kinderschaukel für den Garten brauchen. Dann gewinnen echte Läden in echten Einkaufszonen wieder an Wert. Und wir kaufen bei echten Menschen, die uns verstehen. Ich kann mir kaum vorstellen, dass das der Zweck der KIs ist.

Natürlich ist es nicht fair, die Horde von KIs jetzt lächerlich zu machen. Viele Hürden haben sie zugegebenermaßen schon genommen: Bilderkennnung, Spracherkennung, Sprachausgabe beispielweise – all das funktioniert schon ganz prima. Und ich bin sicher, dass wir in den nächsten Jahren auch im Collaboration-Umfeld einige Impulse aus der KI aufnehmen werden. Ich hoffe nur, dass wir es dann aber mit ausgereifteren künstlichen Wesensarten zu tun bekommen. Sonst wird der Traum von der Entlastung schnell zu einem Albtraum. Und die Krankenkassen werden ein neues Krankheitsbild finanzieren müssen: Depressives KI-Mobbing.

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