Korbinian Lehner
5. Mai 2014 0
Cloud

Eine Portion IT, bitte!

Portionsverpackungen wohin das Auge blickt, das Zeitalter der Portionen und Portionsgrößen ist angebrochen! Während vor einigen Jahren z.B. Spülmaschinenreiniger noch mittels einer kleinen Schaufel eingefüllt werden musste, gibt es heute praktische Tabs. Nicht nur an Tankstellen sondern auch in Supermärkten werden Milch, Käse, Butter, Salami oder auch Haargel in handlichen Einportionsgrößen angeboten. Ein weiteres Beispiel für den Siegeszug der „Einmalgröße“ ist Kaffee – hier haben in mehr als der Hälfte aller deutschen Haushalte Einwegkapseln, Pads oder Catridges Einzug gehalten. Und auch im Getränkesektor steigt der Anteil der „Portionsverpackungen“ stetig – im Jahr 2013 wurden mehr Dosengetränke verkauft denn je, trotz Einwegpfand und schlechter Ökobilanz.

Die Geschichte der Portionsgrößen ist lang, von Erfolg gekrönt und beginnt um 1854 in Bielefeld. Damals füllte Dr. August Oetker mit geradezu bahnbrechendem Erfolg Backpulver zum ersten Mal in genau für einen Kuchen passenden Tüten ab. Knapp 30 Jahre später folgten in England Suppenwürfel und den USA Kaugummis. Den ersten Durchbruch über alle gesellschaftlichen Schichten hinweg erlangte die Portionsgröße um 1905, als zum ersten Mal in großem Stile Tee in Beuteln für den einmaligen Gebrauch abgefüllt und erfolgreich verkauft wurden. Es folgten Würfelzucker, Medikamente (die als Portionsgrößen vor allem außerhalb Europas sehr großen Absatz finden) und Ende der 1980ger Jahre eben Spülmaschinenpulver und Kaffee. Spricht man von Portionsgrößen (im Fachjargon auch „einzelkonsumverpackte Einheiten“ genannt) so ist aber auch die Kehrseite des steigenden Verpackungs- und Müllanteils nicht außer Betracht zu lassen. So verursachen einzeln verpackte Produkte im Schnitt mehr als 30% mehr Müll als Produkte in Großpackungen.

Portionen 2.0

Sieht man das Thema „Portionen“ auch als Wegbereiter des schnellen, einmaligen Konsums, so sind im weitesten Sinne auch Car-Sharing Modelle ein gutes Beispiel für eine fortgeschrittene Art der Portionierung. Musste früher ein Auto gekauft oder über einen längeren Zeitraum geliehen werden, so lösten erst Car-Pooling Modelle in geschlossenen Nutzergruppen und nun äußerst erfolgreiche, wirkliche Car-Sharing Modelle diesen Bedarf nach Mobilität auf. Hier zeigt sich deutlich, dass zum „Portionskonsum“ noch ein weiterer Faktor erfolgsentscheidend hinzugezählt werden kann kommt: die ständige Verfügbarkeit, ohne Zwang zur Mindestabnahme.

Dieser Trend kann auch in allen Bereichen der IT-Services in den letzten Jahren zunehmend bemerkt werden. Starre Vertragsmodelle mit mehreren Jahren Laufzeit und Fixpreisen wurden erst mehr und mehr durch flexible Verträge und schlussendlich durch Konsum-basierte „on demand“ Modelle abgelöst. Kaum einer kauft heute noch Rechenleistung aus der Cloud zu fixen Preisen. Vielmehr werden Ressourcen je nach Bedarf und Tagespreis individuell und flexibel zusammengestellt und bezogen, egal ob es sich hier um Speicherkapazität oder hochdynamische Arbeitsplätze handelt.

Endlos Kaffee und Croissants

Überträgt man diese, sehr bequeme und bedarfsgerechte Portionierung 2.0 (also die Kombination aus Einportionsverpackung und bedarfsorientierter Leistung) auf die Produktwelt, ergeben sich interessante, unrealistische aber sehr wünschenswerte Szenarien. Wie praktisch wäre etwa eine nicht enden wollende Packung Spülmaschinentabs oder eine bodenlose Dose mit Kaffeepads? Die Milch zum morgendlichen Wachmacher wäre nie aus und selbst die Croissants zum Frühstück (und zwar ohne Weg zum Bäcker) immer frisch und warm– ein herrliches Szenario!

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