Korbinian Lehner
1. September 2015 0
Cloud

Die Datenaggregation am Handgelenk

Glaubt man den kürzlich veröffentlichen Marktberichten, so hat Apple im vergangenen Quartal alleine 3,6 Millionen seiner intelligenten Armbanduhren an die Frau/den Mann gebracht. 3,6 Millionen Handgelenke mehr, an denen es nun klopft, vibriert, klingelt und zu denen allerlei Informationen gefunkt werden. Doch damit nicht genug: Insgesamt ist der Markt der Wearables (Apple belegt hier nach FitBit „nur“ Platz 2) im Vergleich zum Vorjahr um sagenhafte 223% gestiegen. Und ein Ende des Booms? Nicht in Sicht..

Wearables – smart, aber meist gebunden

Ich selbst bin begeisterter Anhänger dieser smarten Schmuckstücke und in der ein oder anderen Form erleichtern sie den täglichen Arbeitsalltag doch immens. Während einfache Modelle mehr auf die Anzeige und das Erfassen von Bewegungsdaten spezialisiert sind, haben größere Modelle auch Mitteilungs- und Interaktionsfunktionen und genau hier wird es interessant. Die Wearables interagieren ja meist nicht unabhängig mittels SIM-Karte und eigenem Netzzugang sondern als verlängertes Display eines anderen Netzgerätes wie dem Handy oder dem Tablet. Sie zeigen damit einen Hinweis auf eine Aktion eines anderen Gerätes an und reichern diese, je nach Bauart, mit Informationen wie dem Inhalt einer Nachricht an.

Smarte Datenaggregation statt immer neuer Geräte

Diese „Aggregation“ eines auf einem anderen Gerät stattfindenden Ereignisses (z.B. dem Eintreffen einer Nachricht oder dem Eingehen eines Anrufes) ist der eigentliche Kern des Gerätes und die Basis jeglichen Nutzens. So stellen Kartenanwendungen (wie z.B. Google Maps) auf einer Smartwatch mitnichten alle Funktionen des Handys dar, sondern beschränken sich auf die in der Situation wesentlichen Informationen. Maßstäbe, Gebäude und Verkehrsfluß sind auf dem Handy oft sinnvoll, würden aber die Bildschirm einer Smartwatch hoffnungslos überlasten. Andererseits können diese Informationen losgelöst (z.B. bei einer Navigation) durchaus Sinn machen. So entscheidet die Aggregationsschnittstelle zwischen Handy und Uhr stets aufs neue, welche Informationen Sinn machen und welche ausgeblendet werden. Ausgeklügelte Algorithmen und selbstlernende Systeme bilden die Grundlage hierfür. In der intelligenten Anwendung genau dieser Schnittstelle liegt der eigentliche Nutzen – die Uhr selbst ist nur ein „fancy“ Interface. Die bisweilen täglichen Ankündigungen neuer Smartwatches verblassen so oftmals zur „technical fashion show“, den eigentlichen Mehrwert liefert die Informationsaggregation.

Auch Betriebssysteme aggregieren smart

Einen ähnlichen Weg geht hier Microsofts neues Betriebssystems Windows 10. Abseits neuer Sprach-Assistenzsysteme analysiert das System ständig den Arbeitsfluss des Anwenders und aggregiert so Funktionen in den Vordergrund oder blendet sie dezent aus. Manche mögen das als digitale Vormundschaft empfinden, bequem und einfach zu bedienen ist es auf jeden Fall. Doch darf die Aggregation der Funktionen an der Kante des Betriebssystems enden?

Der Kontext macht den Unterschied!

Ich persönlich denke, dass der Arbeitsplatz des Nutzers immer im kompletten Kontext gesehen werden muss. Sinnvolle Funktionen und Vorgehensweisen dürften nicht an unnatürlichen Kanten zwischen Betriebssystem und Anwendung scheitern. Die Aggregation von Funktionen und damit die Anpassung der Oberfläche muss stets im Gesamten gesehen werden. Nur so können smarte Uhr, Smartphone, Tablet und Laptop sinnvoll eingesetzt werden und ergeben eine einheitliche Oberfläche. Der Dynamic Workplace der T-Systems unterstützt diese Aggregation im Gesamten und bildet so eine Einheit aus allen Oberflächen und Geräten. Denn eigentlich, und das ist das Wesentliche, muss es stets dem Geschmack des Nutzers überlassen sein auf die Uhr, den Bildschirm oder vielleicht auch einfach mal aus dem Fenster zu sehen.

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