Dr. Ferri Abolhassan
14. September 2015 0
Cloud

Cloud-Aufholjagd im Handel

„Flexibilität, Skalierbarkeit, Wachstumstreiber“, in einem Interview mit unserem Kundenmagazin Best Practice nennt Michael Gerling, des Europäischen Handelsinstituts EHI, gleich reihenweise Vorteile, von denen Unternehmen beim Cloud Computing profitieren. Doch gerade mal 45 Prozent der deutschen Handelsunternehmen setzen Cloud-Technologien erst ein. In Branchen wie Automotive, Logistik oder den Banken sind es laut „Cloud Monitor 2015“ der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG weit über 60, teilweise sogar 70 Prozent der Unternehmen. Ausgerechnet der Lebensmittel-Einzelhandel (LEH) – mit 180 Mrd. EUR Umsatz im vergangenen Jahr – ein Schwergewicht des Handels, liegt besonders weit zurück: Während sich 48,1 Prozent aller Handelsunternehmen zum Thema Cloud Computing „eher aufgeschlossen und interessiert“ zeigen, sind es im LEH gerade mal 1,7 Prozent.

Doch jetzt – egal, ob es um elektronische Regal-Etiketten oder SelfCheck-Out-Kassen geht, das mobile Bezahlen oder virales Couponing – ist die Branche fest entschlossen, aufzuholen, sagt Michael Gerling. Mit hoher Investitionsbereitschaft zum Beispiel in Lösungen wie SAP-HANA und In-Memory-Technologien. Immer mehr Unternehmen haben erkannt, dass Geschwindigkeit und Flexibilität heute glasklare Digitalisierungsthemen sind, die sie mit „althergebrachten Systemen“ nicht mehr lösen können. Soll heißen: Services in dem Tempo bereitstellen, wie es der Kunde erwartet und nur die Cloud sie leisten kann. Denn personalisierte Kundenansprachen mit Geo-Marketinglösungen („Proximity“), der Einsatz von Beacons oder das Management individueller Logistikprozesse für die Hauslieferung beim Kunden erfordert, dass riesige Datenmengen zentral gesammelt, gespeichert und in Echtzeit ausgewertet werden können.

Der EHI-Chef meint, das Handicap sei hausgemacht. – Mit der einfachen Begründung „Alles zu riskant!“ hätten die LEH-Player jahrelang um Cloud einen großen Bogen gemacht. Denn mit Blick auf Kundendaten, Sortiments-, Personal-, Lieferantendaten brauche der LEH nun mal – wenn es um externe IT-Provider geht – „nahezu absolute Zuverlässigkeit und eine extrem hohe Service-Qualität.“ Und da fehlt es offenbar an Vertrauen. Ich muss sagen, ich verstehe durchaus auch den Lebensmittelhandel, denn Qualität und Sicherheit ist ein zentraler Punkt in Sachen Cloud. Und das bekommen Sie nicht mal ebenso ins Haus geliefert. Natürlich steckt dahinter die Suche nach Cloud-Erfahrung, Security und ausfallsicheren Netzen, möglichst redundanten Rechenzentren und, und, und. Und den richtigen Partner auf der IT-Dienstleister Seite. So hat z.B. Crisp Reserarch festgestellt, „dass professionelle Cloud-Serviceprovider immer ein höheres Schutzniveau für Daten und Anwendungen bieten können, als jedes Unternehmen für sich allein“.

Woran es besonders hakt, so Michael Gehrling, ist „Aufklärungsarbeit“. Darüber, wie IT-Provider dem Handel bei seiner Aufholjagd wirklich helfen können. Der Punkt geht ganz klar an uns ICT-Dienstleister, das ist unsere Aufgabe. Denn der Anspruch‚ nahezu absoluter Zuverlässigkeit – ist überaus valide. Nicht umsonst stufen Analysten mittlerweile Qualität als Nr.1-Kriterium für die Auswahl eines IT-Dienstleisters ein. Und nicht umsonst haben wir 2011 unser umfassendes Qualitätsprogramm „Zero Outage“ aufgesetzt. Und zwar auf allen Ebenen: Prozesse, Plattform und vor allem Menschen. Mittlerweile haben wir über 20.000 quality-zertifzierte Mitarbeiter und ein Top Management, das sich nicht aus der Affäre zieht, wenn es irgendwo hakt. Egal ob nachts oder am Wochenende. Nach 10 Jahren Cloud-Erfahrung und zahlreichen Transformationen in die Cloud in jeder Größenordnung inklusive DAX und Fortune 500 bin ich mehr denn je davon überzeugt, dass mit Qualität und Sicherheit alles steht und fällt. Egal ob es dabei um Fort-Knox-Schutzvorkehrungen im Rechenzentrum geht, ein präventives und durchgängiges Quality-Management oder die Verankerung des Qualitätsgedankens in der DNA des Dienstleisters bis hin zum eigenen Vorstandsressort für Security. Der strenge deutsche Datenschutz kommt noch on top dazu.

Sicher ist aber auch, das stampft niemand mal eben so aus dem Boden, das dauert Jahre, bis eine Organisation Qualität und Security wirklich „inhaliert“ hat und deren tägliches Denken und Handeln bestimmt. Und es wird umso entscheidender, je stärker Geschäftsmodelle und Businessprozesse Technologie- bzw. Cloud-basiert sind. Und wenn dem Handel da Vertrauen fehlt, verstehe ich das gut. Vertrauen entsteht auch nicht von heute auf morgen, sondern sukzessive. Im Zuge einer zuverlässigen und ehrlichen Zusammenarbeit. Und deren Anfang ist immer ein Gespräch. Ich freu mich darauf.

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