Hermann Hänle
1. März 2019 0
Automotive

Up, up in the Air

Der Verkehrsinfarkt ist ein reales Phänomen – davon können viele von uns ein Lied singen. Big Data Analytics und mehr Vernetzung hatte ich ja in einem vorigen Post als Lösungsansatz präsentiert. Aber es geht natürlich anders. Indem der innerstädtische Verkehr die dritte Dimension erschließt.

Verkehr in der dritten Dimension

Vermutlich denken Sie jetzt: Wuppertal. Magnetschwebebahn. Elefant. Was zweifelsohne richtig ist. Aber im 21. Jahrhundert, dem Zeitalter der Digitalisierung, passen Beschränkungen wie Schienen mit „Luftfahrt“ nicht zusammen. Was läge näher, als den freien Luftraum in den Städten als Verkehrsraum zu erschließen? Das habe ich zuletzt in Star Wars gesehen (aber ich muss zugeben, das war nicht der einzige Film). Die Idee städtischer Flugtaxis (oder gar fliegenden Individualverkehrs) war vielleicht vor 10 Jahren bloße Science Fiction. Im Internet finden wir heute nicht mehr nur fliegende Hoverboards, sondern auch eine substanzielle Menge von Unternehmen, die „fliegende Autos“ anbieten (wollen).

Das Rennen um die Lufthoheit hat begonnen

Mit dem Sujet „Mobilität plus Luft“ aka „fliegendes Auto“ können Sie sicher vorhersagen, dass der Kampf um die städtische Lufthoheit von ganz verschiedenen Protagonisten geführt wird. Ich muss Sie aber enttäuschen: Das Magieministerium ist dabei nicht involviert. Aber es sind die Kinder der Digitalisierung, das Google-finanzierte Unternehmen Kitty Hawk oder originäre Start-ups mit disruptivem Gen-Material wie Volocopter. Letztere haben ihre autonomen 2-Personen-Elektroflieger (ohne Personen) bereits in Dubai getestet und schicken sich nun an, mit Singapur einen zweiten Teststandort zu erobern. Aber auch Automobilunternehmen wie Audi werfen ihren Hut in der Ring. Sogar Uber will 2023 eine Flotte von Flugtaxis starten. Der Wettbewerb ist in vollem Gange. Und ich kann gut nachvollziehen, dass „Time to Market“ für all diese potenziellen Anbieter eine erfolgskritische Größe ist.

Dabei sollte man meinen, dass vor allem Flugzeugbauer das Know-how mitbringen, Kleinflieger für den Stadtverkehr zu designen. Und tatsächlich: Airbus will sich von den Quereinsteigern nicht den Rotor vom Heck nehmen lassen und arbeitet mit verschiedenen Partnern an verschiedenen Projekten. Airbus ist nicht nur in Singapur mir Drohen aktiv, sondern engagiert sich auch im Projekt Urbain Air Mobility (übrigens gemeinsam mit der Bahn). Ein neues potenzielles Geschäftsfeld (gerade in den Megacities der Zukunft) verspricht sich da aufzutun. Und Airbus wandelt sich vielleicht vom Flugzeugbauer zum Urban Transport Provider. Vom Produktionsunternehmen zum Servicedienstleister. Dazu gehört dann aber mehr als nur die Bereitstellung von flugfähigen Einheiten. Auch das Komplettmanagement des Service, Versorgungs-/Ladestationen etc. sind Bestandteile, damit das Geschäft mit den Flugtaxis ein Erfolg wird – und nicht nur Science Fiction bleibt oder ein Phänomen, das sich nur Besserverdiener leisten können.

Flugtaxis – realistisches Szenario
Je länger ich darüber nachdenke, desto realistischer erscheint mir der Gedanke, dass ich in den nächsten zehn Jahren noch ein Flugtaxi erleben – und vielleicht sogar benutzen werde. Auch wenn der Luftraum fast so reglementiert ist wie das Gesundheitswesen. Das zeigt die aktuelle Diskussion um die Drohnen. Mit Sicherheit ist das Thema Flugtaxi mit zuverlässiger Technik allein nicht abgeschlossen; vielmehr gilt es auch den Betriebs- und Gesetzesrahmen abzustecken. Und die Akzeptanz der Nutzer sicherzustellen. Denn von einem autonomen Flug zu träumen und dann tatsächlich in einem unbemannten Fluggerät zu sitzen – das sind durchaus zweierlei Paar Schuhe. Auf der anderen Seite: 2029 klingt noch recht weit weg. Vermutlich ist es sogar einfacher, ein Flugtaxi als ein autonomes Auto zu starten – einfach weil in der Luft weniger Konfliktpartner wie Fußgänger und Baustellen den Weg kreuzen (mal schauen, wie schnell sich die Lieferdrohnen durchsetzen und dem Personenverkehr den kostbaren Platz in der dritten Dimension streitig machen). Bis wir eine Verkehrsdichte wie auf Corusant haben, kann es vermutlich noch ein wenig dauern. Aber vielleicht tut es ja für den Anfang auch Tattooine. Ich bin gespannt, wer das Rennen macht.

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