Hermann Hänle
18. Dezember 2018 0
Automotive

Talk to me – das Amazon-Auto

„Alexa, bring mich nach Hause“ – so oder so ähnlich könnte ein neuer Standard der autonomen Zukunft des Automobils aussehen. Sprachschnittstellen sind nicht das nächste, sondern das aktuelle „heiße Ding“. Kein Wunder – Kommunikation könnte weder einfacher, noch natürlicher sein.
In allen Bereichen des Lebens begleiten uns nun die anfangs belächelten Siri, Alexa & Co. – sie werden zu neuen Plattformdiensten (Standards), die sich universal einsetzen lassen – sei es bei der Bedienung von Apps unterwegs auf dem Smartphones, im stationären Heim mit vernetzten Küchengeräten (Amazon hat erst kürzlich eine Alexa-Wanduhr und eine Alexa-Mikrowelle vorgestellt) oder eben im mobilen Wohnzimmer, aka Auto.

Alexa serienmäßig

Mit Ford, Seat, BMW, Mini und Hyundai ist die Liste der Automobilhersteller, die auf bereits heute auf Amazons Alexa setzen, schon ziemlich ansprechend. Volvo beispielsweise setzt auf Google. Andere Anbieter gehen eigene Wege mit ihren Sprachassistenten, aber engagieren sich zusätzlich mit eigenen Skills für Alexa (um sich alle Möglichkeiten offenzuhalten). Dahinter steckt die Frage nach dem geschlossenen, selbstkontrollierten Ökosystem oder der Nutzung eines offenen (fremdkontrollierten).
Das ist ein Geben und Nehmen – zum einen bietet Amazon seine komplette Entwicklungsarbeit für einen ausgereiften Dienst, zum anderen aber gewinnt der Versandhändler an Präsenz in neuen Lebensbereichen (wobei die Automobilbranche sicher nicht der letzte Bereich sein wird). Durch die Integration von Alexa wird Amazon nun zum Lieferanten für die Automobilbauer und weitet dabei sein eigenes Ökosystem aus. Zugleich wird die „Freundschaft“ mit Amazon dadurch noch enger: Der Versandhändler erobert einen unserer Lebensbereiche mehr – in dem man möglicherweise Geschäft generieren kann. Zugleich bietet diese erweiterte Integration im unser Leben, die Option uns als Verbraucher besser kennenzulernen.
Das ist aus der digitalen Businesssicht ein cleverer Zug. Denn Amazon punktet mit Alexa (die sich doch sehr vorteilhaft an den Webshop angebunden präsentiert) im Auto gleich dreimal: mehr Kundenkenntnis, mehr Reichweite und zugleich als (gesetzter) Plattform-Anbieter für die Automobilhersteller – d.h. Amazon setzt Standards, an denen sich die Autobauer nunmehr orientieren müssen, wenn sie sich für den Sprachassistenten entschieden haben. Und wenn Amazon die Standards ändert, dann müssen die OEMs mitgehen.

Wie tief soll die Integration gehen?

Wie tief die Integration von Alexa in die Autos gehen wird, lässt sich momentan nicht abschätzen. Türen öffnen, Sitzheizung einschalten, hupen – das sind die originären Services für das Auto. Dazu kommen die Services, die wir aus dem Wohnzimmer kennen: „Spiel Musik, ruf jemanden an, wie ist das Wetter“. Die werden ohne Knopfdruck und intensive Beschäftigung mit Geräten verfügbar. Was sich vorteilhaft auf die Konzentration des Fahrers auswirkt. Ob die lokale Suche tatsächlich so gut funktioniert wie versprochen (oder wie von Google bekannt) muss sich noch erweisen. Suchen wir beispielsweise daheim nach der nächsten Pizzeria, bietet uns Alexa Pizzabackformen aus dem Webshop an. Da greife ich lieber zum etablierten Flyer an unserer Küchenpinnwand.
Fraglich, ob wir von einem der etablierten Automobilbauer jemals ein „Alexa, erklär mir warum das rote Lämpchen blinkt“ oder „Wann muss ich tanken/Spritzwasser nachfüllen/Reifen wechseln?“ bekommen werden. Wie weit soll der externe Sprachassistent in techniknähere Funktionen des Autos integriert werden? Die OEMs werden sich irgendwann für eine „red line“ entscheiden müssen. Vorstellen kann ich mir eine tiefe Integration von Alexa allenfalls bei einem der jungen Wilden aus China oder den USA, die digitale Autos bauen wollen, aber den eigenen Entwicklungsaufwand nicht auf sich nehmen werden. „Alexa – flick den Reifen“ wird aber auch für Fahrer eines solchen digitalen Autos für immer ein Wunschtraum bleiben 😉.
Nichtsdestotrotz: Sprachsteuerung wird in den nächsten fünf Jahren ein wesentlicher Teil des Autos werden – wie elektrische Fensterheber, Touchscreens und ABS. Die Automobilhersteller kommen nicht darum herum. Make or Buy – das ist die Frage.

Mit diesen Gedanken gehe ich in die Weihnachtspause und wünsche allen Lesern FROHE FESTTAGE…. let’s keep in touch in 2019.

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