Hermann Hänle
12. Oktober 2018 0
Automotive

Mobile Wilderer in der ökologischen Nische

Vielleicht kennen Sie das: Das sitzt man gemütlich mit einem Bekannten zusammen, der andere erzählt aus seiner Geschäftswelt, sie erzählen aus ihrer. Oder Sie haben eine Erfahrung in einem ungewohnten Umfeld und übertragen das einfach: Die neue Geschäftsidee ist geboren! Die Brüder Reclam beispielsweise übertrugen das Konzept der Schokoladenautomaten auf ihre Bücher und stellten 1912 in Erfurt den ersten Bücherautomaten für Bücherwürmer auf. 24/7-Service vor über 100 Jahren.

Neue Okösysteme für neue Geschäftsideen

Digitalisierungszeiten beschleunigen Geschäftsideen heute – doch das ist nicht alles. Plötzlich besetzen Unternehmen neue geschäftliche Nischen, die man dort vorher nicht gesehen und erwartet hatte. Ökosysteme für spezifische Geschäftszwecke entstehen – mit dem Zweck Kunden eine höhere Customer Experience zu verschaffen.
Gibt es natürlich auch im Umfeld der Mobilität. Hier wirken ja traditionell viele verschiedene Player mit. Aber ein Logistiker, ein Maschinenbauer und ein Baumarkt, die ein Mobilitätsangebot entwickeln – das gab es meines Wissens noch nie. Bosch, die Post und Rewe/Toom haben sich an einen Tisch gesetzt und eine gemeinsame Idee entwickelt.

Toom + Bosch + Post = Mobilität

In einem Test haben Toom-Kunden an fünf Standorten die Möglichkeit, einen elektrischen Streetscooter für den Transport ihrer Waren zu mieten. Wenn er auf dem Parkplatz rumsteht, wird er aufgeladen. Die Post fungiert damit als Automobillieferant (!), Bosch als Carsharing-Anbieter, der den ganzen Leihprozess digital abbildet sowie verwaltet. Toom hat die Kundenschnittstelle und erhöht mit dem Leihangebot die Customer Experience. Die Kunden erhalten einen umfassenden Service über den eigentlichen Kauf hinaus – und das ohne Papierkram: Per App wird der Elektrotransporter im On-Demand-Modus genutzt. Sozusagen nachhaltige Mobilität im Cloud-Betrieb.

Skalierbare Mobilität?

Ob das Businessmodell funktioniert? Ein Kollege erzählte mir, dass er vor einer Weile ein Sofa gekauft hat. Das natürlich nicht in sein Auto passte. Der Händler stellte ihm einen Kleinlaster bereit – fertig beladen mit dem Sofa. Der Kollege fuhr ihn nach Haus, lud aus, warf den Verpackungsmüll ins Auto und fuhr den Laster zurück. Das nennt man wohl Customer Experience. Nächstes Mal geht er wieder zu diesem Händler, wenn er was braucht …
Toom denkt hier noch einen Schritt weiter – digitalisiert und nachhaltig. Das lässt sich aber nur in einem Partner-Ökosystem so schnell realisieren. Der Pilot soll erstmal ein Jahr laufen – dann werden die Partner sich vermutlich wieder zusammensetzen und Kassensturz machen. Ist der Pilot erfolgreich, wird die Lösung dann skalieren müssen (in der realen und der virtuellen Welt). Für Bosch hingegen ist der Pilot mit Bosch ein erstklassiger Use Case, um seine Mobilitätsdienste zu testen – und gegebenenfalls anderen Händlern anzubieten.

Wenn es nicht klappt …

… lassen Sie uns nochmal nach 1912 zurückspringen: Kurt Tucholsky und sein Kompagnon Kurt Szafranski vertrieben das Buch Rheinsberg in Berlin auf dem Kurfürstendamm in einer „Bücherbar“, in der es zum Buch zusätzlich Hochprozentiges gab. Doch sie sahen sich gezwungen, das Geschäftsmodell schnell aufzugeben – trotz Erfolgs: „Der Sankt Petersburger Herold vom achtzehnten Dezember 1912 schrieb, wer einen Wilde erstehe, der bekäme Whisky Soda, und wer Ibsen kaufte, einen nordischen Korn. Das stimmte aber nicht – wir tranken selber. Und verkauften schrecklich viele Rheinsbergs …“
Viel Erfolg mit Ihrer neuen Geschäftsidee – nehmen Sie die richtigen Partner ins Boot, aber bedenken Sie die Konsequenzen 😉

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