Hermann Hänle
10. August 2018 0
Automotive

Die Blockchain-Revolution

Ich weiß nicht woran das liegt – aber jedes Mal, wenn in meinem Umfeld jemand das Wort “Blockchain” in den Mund nimmt – und das passiert derzeit ziemlich häufig –, fühle ich mich an den Filmklassiker “Flucht in Ketten” erinnert. Oder wahlweise an Tetris.

Die Blockchain – das heiße Eisen der IT

Viele Schmiede versuchen sie derzeit in neue Geschäftsmodelle zu hämmern, die – natürlich – die Disruption als Erbgut in sich tragen. Die Blockchain ist eigentlich nichts anderes als Logfile; ein Protokollant, der wahrheitsgenau Transaktionen verzeichnet – nachvollziehbar, transparent und über verschiedene Speicherorte in mehreren Kopien verteilt. Das verleiht dem Transaktionsverzeichnis ein hohes Maß an Glaubwürdigkeit.

Ihren Bekanntheitsgrad verdankt die Blockchain dem Bitcoin, der zumindest in fortschrittsgläubigen Kreisen seinen Ruf als alternative, universale Währung nicht loswird. Der Bitcoin zeigt eine weitere Stärke der Blockchain: Intermediäre, auf gut Deutsch Zwischenhändler, bleiben außen vor. Prozesse werden schlanker, zusätzliche Margen verschwinden in hochautomatisierten Transaktionen. Dieser „Direkthandel“ kann natürlich auch auf andere Branchen als die Finanzbranche übertragen werden. Mit der Ethereum-Blockchain haben findige Entwickler bereits gezeigt, wie sich erste Geschäftsmodelle fernab von Bitcoin mit Blockchains realisieren lassen.

Allerdings – auch das sollte nicht verschwiegen werden – hat die Blockchain ihren Preis: Sie ist rechenintensiv, energieaufwändig, bisweilen langsam und nicht ganz kostengünstig. Im Massengeschäft mit Micropayments können die Blockchain-Kosten schnell mal die eigentlichen Kosten für das gekaufte Produkt bzw. den Service übersteigen. Kontraproduktiv.

Neue Protokolle wie Stellar können das besser. Sie verarbeiten die Transaktionen nicht nur schneller, sondern auch viel billiger.

 

Blockchain in Automotive

Das bringt uns zur 1-Mio-Euro-Frage: Was kann die Blockchain in der Automobilbranche leisten? Kann sie sie gar aufmischen?

Wenn Autos auf dem Weg von Connected Car und Smart Car zum autonomen Auto werden – sprich eine eigene Identität im Internet der Dinge erhalten, dann werden sie auch „geschäftsfähig“. Denken wir nur an Infotainment-Programme, die bedarfsgerecht ins Auto gestreamt werden. Bezahlung an der E-Tanksäule. Begleichung von Mautbeträgen im Urlaub. Überall, wo bedarfsgerecht und kurzfristig Services genutzt werden, kann die Blockchain Smart Contracts und ein Smart Payment aufsetzen. Die AXA macht das übrigens schon vor: Dort wird für Transatlantik-Flugreisende die erste Versicherung auf Blockchain-Basis angeboten. Vier Klicks auf dem Handy bis zum Abschluss, automatische Versicherungsauszahlung inklusive bei über 2-stündiger Flugverspätung. Ohne Versicherungsmitarbeiter. Sozusagen eine Ultradirektversicherung.

Kein Wunder denken die Bankentöchter der OEMs intensive über Blockchains nach. Letzten Endes lassen sich ja vielleicht KfZ-Versicherungen oder Serviceverträge blockchainisieren.

 

Und vielleicht doch: Disruption?

Denken wir aber noch einen Schritt weiter, dann könnte die Blockchain auch der „Autohändler“ werden – dann schließt der Interessent den Kauf seines Autos im Internet direkt mit dem OEM ab. Beide Seiten erhalten zuverlässig Transparenz über den Kauf. Als Autohändler würden mir solche Szenarien Bauchschmerzen bereiten. Das wäre dann wirklich disruptiv. Autohändler wären dann möglicherweise nur noch Logistikzentren, an denen die Käufer ihre Autos abholen. Und natürlich warten lassen. Womit wir bei den unvermeidlichen Fahrprotokollen wären – die im Notfall auch bei Gerichtsverhandlungen oder dem Wiederverkaufswert des Autos herangezogen werden könnten.

Und da wären wir bei Flucht in Ketten angekommen – man könnte auch sagen: bei totaler Kontrolle der Autonutzung. Und diese Aussicht wird ebenfalls nicht nur bei Jedermann für eitel Sonnenschein sorgen. Disruptiv wäre das aber allemal. Ob sich solche Monitoring Services aber durch die Blockchain einfacher und günstiger als über die existierenden Plattformen realisieren lassen – das müssen die Analysen zeigen. Die Blockchain ist da, das Potenzial ist da. Mal schauen, was daraus wird.

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