Hermann Hänle
17. Mai 2017 0
Automotive

Automobile Digitalisierung und Kutschen ohne Pferde

 

Eine Kutsche ohne Pferde: Das wird sich nie durchsetzen“ – das war das landläufige Urteil über Carl Benz‘ Motorwagen.  Anno 1885. Das disruptive Potenzial von Benz’ Erfindung hatten damals nur die Wenigsten erkannt. Und heute ist das Auto aus unserem Leben nicht wegzudenken. Dass wir heute, gute 130 Jahre später, wieder in disruptiven Zeiten leben könnten – auch das scheint den meisten fremd. Daten seien das Rohöl unserer Ära, behaupten manche – dass sie auch das Benzin für eine neue Ära der Automobilbranche sein könnten, wollte vor wenigen Jahren noch niemand wahrhaben.

 

Digitalisierung ist Topthema – der CDO kommt

In den letzten Jahren jedoch setzt sich die Erkenntnis durch, dass Digitalisierung ein Topthema ist – in allen seinen Facetten. Und dass sich die digitale Transformation nicht so nebenher macht. Viele Unternehmen – auch in der Automobilbranche – benennen so genannte CDOs, Chief Digital Officers, um die Digitalisierung nicht nur als Nebenschauplatz zu bestreiten, sondern strategisch zu verankern und zu gestalten.

Beispiele sind Gerhard Baum http://www.automotiveit.eu/baum-ist-chief-digital-officer-bei-schaeffler/news/id-0051299 beim Zulieferer Schäffler (seit Oktober 2015),  Johann Jungwirth bei VW http://www.automotiveit.eu/jungwirth-wird-digitalisierungs-chef-von-vw/news/id-0051208 (November 2015) und Brigitte Cantaloube bei PSA http://www.automotiveworld.com/news-releases/appointment-brigitte-cantaloube-chief-digital-officer-psa/ (Februar 2016) – was sie eint: alle haben IT-Vergangenheit (IBM, Apple, Yahoo). Eine wichtige Voraussetzung, denn „Das Business-Umfeld ändert sich laufend und es wird essenziell für uns, agiler zu werden und die Digitalisierung als Wettbewerbsvorteil zu begreifen“, heißt es bei PSA. Renault hat seinen CDO bereits seit 2011 am Start und Patrick Hoffstätter konnte schon die Auszeichnung „Europäischer CDO des Jahres“ http://cdoclub.com/renaults-chief-digital-officer-patrick-hoffstetter-named-first-eu-chief-digital-officer-of-the-year-2015-by-cdo-club/  abräumen. Das Berufsbild des CDO prosperiert momentan. PWC sieht in ihm aber nur einen temporären Begleiter. Nicht ohne Hintersinn untertiteln die Berater ihre 2015 Chief Digital Officer Study http://www.strategyand.pwc.com/reports/chief-digital-officer-study mit „Adapt, disrupt, transform, disappear“

 

Digitalisierung ist ein dauerhafter Prozess, den der CDO gestaltet

Meine Prognose: Sobald wird das mit dem „Disappear“ nicht eintreten. Nicht nur, dass Unternehmen mit vielen sechsstelligen Mitarbeiterzahlen und unzähligen Prozessen zu transformieren sind – schon heute frisst die gegenwärtige Digitalisierung ihre digitalen Ahnen. Sie wird in den nächsten Jahren verfeinerte Spielarten des IT-Einsatzes und der Datenanalyse entwickeln, die weitere Funktionalität und Möglichkeiten bieten. Digitalisierung ist kein Projekt, sondern ein Prozess. Auch in dieser nächsten Phase der Digitalisierung bleibt der CDO Treiber des digitalen Umbruchs – nicht immer ganz einfach in Unternehmen, die teils eine über 100-jährige Historie haben. Und ebenso nicht ganz trivial angesichts des Aufgabenumfangs. Im Team des CDO entsteht das Unternehmen von Morgen: mit intelligenten Lieferprozessen, agiler Fabrik, datengestützter Modelloptimierung, Gestaltung der „Customer Journey“ und, und, und. Abgerundet wird das Aufgabenpaket dadurch, dass er all diese Neuerungen nach Business-Nutzen ordnen und einführen muss.

 

Und wie das immer so ist, wenn „der Neue“ kommt: Auch das Zusammenspiel mit dem CIO ist eine grundlegende Fragestellung, die es zu klären gibt. Denn nur wenn beide, CIO und CDO, Hand in Hand arbeiten, kann Digitalisierung gelingen. Der CIO managt die bestehende IT,  der CDO durchleuchtet das Unternehmen auf Herz und Nieren, hinterfragt existierende Business-Modelle, initiiert neue, digitale Business-Modelle und optimiert Bestehendes – doch woher die Infrastrukturen beziehen? Bei der Frage des Sourcings dürften CIO und CDO wieder an einem Tisch sitzen und IT- und Business-Ansprüche zusammenbringen. Eine neue Rolle für Unternehmen – nicht nur in der Automobilindustrie. Ich denke, die neuen, starken Player im Haus, die digitalen Leader werden die Landschaft in den Unternehmen prägen. Und sie werden zu wichtigen Ansprechpartnern und Gestaltern einer digitalen Zukunft.

Ich erwarte viel von den CDOs. Und – das soll hier nicht unerwähnt bleiben – auch die Hoffenden gab es schon 1885: Der Mannheimer Generalanzeiger vermutete, dass das Auto eine Zukunft haben wird, weil es „ohne viele Umstände in Gebrauch gesetzt werden kann und weil es, bei möglichster Schnelligkeit, das billigste Beförderungsmittel für Geschäftsreisende, eventuell auch für Touristen werden wird“. Geschwindigkeit, Flexibilität, Komfort und Kostenreduktion – das bleiben Themen auch in digitalen Zeiten.

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