Wenn Distanzen an Relevanz verlieren und Emotionen “sichtbar” werden

UC & Collaboration Blog / 12. Oktober 2011

Liebe Leser,
sie tauchen immer häufiger auf, finden ihren Weg in unsere Büros. Häufig haben wir mehrere, über die Zeit gesammelt. Verschiedene Farben, Größen, Qualitäten. Wir wissen wie sie funktionieren und wofür sie gut sind – aber nutzen wollen wir sie oft gar nicht. Weil wir gerade “Unpässlich” sind – z.B. bei der Teamtelko morgens um 8 Uhr aus dem Homeoffice heraus. Und so fristen viele ein Dasein in der Dunkelheit unserer Schreibtischschubladen. Richtig, ich  spreche von der Webcam.

Die Geschichte der Bildtelefonie in aller Kürze

Videotelefonie ist seit Jahren ein Thema. “Das Bildtelefon kommt” war ein Werbeslogan der Telekom im Jahre 1997. Leider wollte es kaum einer haben, der Absatz lag hinter den Erwartungen zurück. Erst in den letzten Jahren wurde diese Möglichkeit der Kommunikation wieder verstärkt entdeckt. Nicht die technische Machbarkeiten alleine reichte aus um einen Markt zu erobern, es waren am Ende wie so oft die geeigneten Anwendungen und ein Kulturwandel der Nutzer. Die Verbreitung von PC Systemen in den Haushalten und Anwendungen wie Skype & Co. verhalf zum Durchbruch.

Die Idee allerdings fasziniert schon seit weit über 100 Jahren. So beschrieb der franz. Schriftsteller Albert Robida 1893 in „Le Vingtiême Siêcle“ das „Telephonoscopique” , in Fritz Lang “Metropolis” (1926) wird das Thema aufgegriffen und in einer Zukunftsversion verarbeitet. So Revolutionär war es aber da bereits nicht mehr, denn schon zwei Jahre später – bei der 5. Deutsche Rundfunkausstellung Berlin – wurde das neue Telekommunikations-System TV demonstriert. 1934 meldete die Augsburger Postzeitung dann in einer Schlagzeile “Erste Prototypen des Bildtelefons erfolgreich” und am 1.3.1936 war die erste „Weitverkehrs-Fernsprechverbindung“ Berlin/Ecke Hardenbergstr <-> Postamt C1 Leipzig geschaltet und in der Lage auch Bilder zu übertragen (via Fernkabel 501 welches 1935 verlegt wurde).

Das Schlüsselerlebnis

Nach 1935 aber verlor sich das Interesse. Wenige fanden es hilfreich oder erstrebenswert den Gesprächspartner nicht nur zu hören, sondern auch zu sehen. Und wenn ich ehrlich bin, mir ging es genauso. Bis ein Schlüsselerlebnis mich vor wenigen Wochen prägte. Und es passt gut in den Kontext das es eine private Erfahrung war die meine Einstellung nachhaltig veränderte.

Seit gut einem Jahr war ein Urlaub mit meiner Frau nach New York geplant. Bei der Buchung hatten wir einkalkuliert dass wir unsere Tochter für einige Tage zu den Schwiegereltern geben würden. Nicht geplant war damals der zweite Nachwuchs. Nun galt es also doppelten “Trennungsschmerz” zu verkraften. Das war für mich Anlass für eine Überraschung zu sorgen. Vor kurzem ist die Skype App für das iPad erschienen und Leser meines ersten Beitrages wissen, dass ich das Teil einfach mag. Also alles eingerichtet und für eine passende Gegenstelle gesorgt. Dank einer Sammlung an Webcams der letzten Jahre kein Problem. Ich war gespannt auf das erste Videogespräch und nach drei Tagen (die ersten beiden hatten wir “nur” miteinander gesprochen) war es soweit. Wir saßen mobil in WLAN Reichweite des Hotels draußen an der Straße, das IPad auf dem Schoß und schalteten Live zu unseren Kindern.

Sichtbare Emotionen

Das folgende Gespräch hatte uns emotional unerwartet stark getroffen. Plötzlich war mir bewusst welche Wirkung bewegte Bilder haben. Nicht nur die Stimme zu hören sondern ein Bild zu sehen, in die Augen zu blicken – das war eine komplett neue Erfahrung. Nach dem Gespräch waren wir deutlich berührt, haben dann kurz sogar überlegt ob es wirklich eine gute Idee war, am Ende aber haben wir erfahren wie begeistert unsere Tochter war und das sie sich ab da jeden Tag auf das Gespräch ungeheuer gefreut hat.

Was bleibt für´s Business?

Meine Kolleginnen und Kollegen werden jetzt vielleicht enttäuscht sein – aber ähnliche Gefühlsausbrüche habe ich seit New York in unseren Videokonferenzen noch nicht erlebt ;) Aber ich habe gelernt wie nachhaltiger, oft auch verbindlicher ein Gespräch sein kann wenn es ein Bild dazu gibt. Die Distanz verschwindet. Dafür muss man dann aber auch bewusst mit der Technik umgehen, Blickkontakt suchen, mit Gesten arbeiten, das Sichtfeld der Webcam aktiv nutzen. Lassen Sie den anderen “spüren” dass er Ihre Aufmerksamkeit genießt. Schauen Sie nicht zu gelangweilt in die Kamera oder betrachten Sie es als unnötiges Übel. Dann lassen Sie das Bild besser weg. Ich für meinen Teil habe die Werthaltigkeit für mich erkannt. Sollte es bei Ihnen noch nicht so weit seit rate ich dringend zu einem Schlüsselerlebnis ;)

Ich freue mich auf Ihre Erfahrungen

Ihr Torsten Günzel

 

Kommentare


Ausschlussklausel für Haftung: Diese Kommentare zu unseren Beiträgen spiegeln allein die Meinung einzelner Leser wider. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt T-Systems keinerlei Gewähr.
Kommentar verfassen

Verpflichtende Angaben *

Mit dem Absenden des Kommentars akzeptieren Sie unsere Kommentar-Policy.

a) Leser sind herzlich zum Kommentieren eingeladen.

b) Kommentare sollten den Wert des Weblogs erhöhen.

c) Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir Kommentare erst nach Prüfung frei schalten.

d) Kommentare, die nichts mit dem Thema des Beitrags zu tun haben, offensichtlich Urheberrechte verletzen, beleidigenden Inhalt oder persönliche Angriffe enthalten, werden gelöscht.

e) Links können gerne eingebunden werden, sollten aber zum Thema des jeweiligen Blog-Postings gehören. Links zu anderen Webseiten oder Blogs, die nichts mit dem jeweiligen Blog-Posting zu tun haben, werden als Spam angesehen und gelöscht.