Wolfgang Ischinger
1. November 2016 0
Security

Sicherheitspolitik in Zeiten digitaler Kriegsführung

Die nukleare Revolution veränderte vor rund 70 Jahren die internationale Sicherheitspolitik fundamental. Heute haben die Informationsrevolution und die Möglichkeiten der digitalen Kriegsführung den Charakter des modernen Konflikts und damit die strategische Lage grundlegend verändert. Viele sicherheitspolitische Auseinandersetzungen finden aktuell im Cyberspace statt – einem Raum, der vor 25 Jahren noch nicht einmal existierte.

Dabei setzt sich vor allem ein Trend fort, der sich über die vergangenen Jahre zunehmend beobachten ließ: Auseinandersetzungen finden verstärkt asymmetrisch, also nicht mehr nur zwischen staatlichen Akteuren, statt. So sind die Einstiegshürden für einen „Cyberkrieger“ sehr viel geringer. Mit wenig Aufwand kann viel Schaden angerichtet werden. Deshalb haben auch Terrorgruppen wie der  „Islamische Staat“ (IS) die Möglichkeiten des digitalen Raums für sich entdeckt. Ein Großteil der Ausbreitung des IS beruht heute auf seiner digitalen Strategie – von der Mitgliederrekrutierung, über die Verbreitung von Propaganda, bis hin zur internen Kommunikation.

Gemeinsame Regeln, Ressourcen und Expertise

Die Politik ist deshalb mehr denn je gefragt, sich schnell und effektiv auf die Bedrohungen aus dem Cyberraum einzustellen. Dafür braucht es vor allem Regeln, Ressourcen und Expertise.

Eine der größten Herausforderungen liegt darin, die Entwicklungen im Bereich der Cyberkriegsführung mit einem internationalen Regelwerk zu unterfüttern. Noch gibt es keine international anerkannten Regeln speziell für diesen Bereich. Hier müssen wir dringend gemeinsame Antworten finden – im europäischen Rahmen und weltweit.

Neben internationalen Regeln brauchen wir auch konkrete Schutzmaßnahmen auf nationaler Ebene. Diese sind dauerhaft nur mit ausreichenden finanziellen und personellen Ressourcen zu stemmen. Absolute Priorität sollte deshalb die Ausbildung und Rekrutierung von Fachkräften genießen. Denn der Politik selbst fehlt im Bereich der Cybersicherheit an vielen Punkten schlicht die notwendige Expertise.

Neben mehr Cyberexperten in unseren politischen Institutionen, braucht es auch einen umfangreichen sektorübergreifenden Dialog. Denn nur, wenn Politik und Militär eng mit Wissenschaft und Wirtschaft zusammenarbeiten, können wir den digitalen Herausforderungen auf Dauer erfolgreich begegnen. Nur gemeinsam können wir die Voraussetzungen für ein freies, offenes und sicheres Internet schaffen.

Buchtipp

Weiter in die Tiefe geht das Kapitel „Sicherheitpolitik: Regeln für den Cyberraum“ von Botschafter Wolfgang Ischinger aus dem Buch „Security Einfach Machen. IT-Sicherheit als Sprungbrett für die Digitalisierung“, herausgegeben von Ferri Abolhassan. Darin werfen Autoren aus Politik, Wirtschaft sowie Forschung und Entwicklung einen umfassenden Blick auf die Sicherheit in Zeiten der Digitalisierung, dem Internet der Dinge und Machine Learning. Das Buch ist als Hardcover erhältlich unter der ISBN 978-3-658-14944-4 oder als E-Book unter der ISBN 978-3-658-14945-1. Für Kurzentschlossene: http://www.springer.com/de/book/9783658149444

Security Einfach Machen

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