Sven Löffler
27. März 2017 0
Digitalisierung

Safer Internet Day 2017 BERLIN

Pünktlich zum Valentinstag fand im Umweltforum der Auferstehungskirche in Berlin die Konferenz zum Internet Safer Day 2017 statt. Das diesjährige, eher unromantische Thema lautete „Smart Home – Wie digital wollen wir wohnen?“. Veranstalter war die Bitkom in Kooperation mit dem Bundesministeriums der Justiz und für Verbraucherschutz (BMJV).

Nach der Begrüßung von Heiko Maas, dem Bundesminister der Justiz und für Verbraucherschutz und Dr. Bernhard Rohleder, dem Hauptgeschäftsführer Bitkom e.V., wurden viele interessante Vorträge und Podiumsdiskussionen rund um das Thema Smart Home gehalten. Es stellte sich schnell heraus, dass sich das Vernetzen der Dinge, auch im eigenen Heim, in den letzten Jahren stark weiterentwickelt hat, noch viel Großes folgen wird, und dies viele Kontroversen und Überlegungen mit sich bringt. Die wichtigsten Themen umfassen hierbei die Datensicherheit, die Datennutzung und den Datenschutz, denn die Privatsphäre ist ein wichtiges Gut.

Smart Home ist ein Thema, dass sich ebenfalls viel mit der Psychologie des Menschen beschäftigt. Wie weit bin ich dazu bereit, dass elektrische Geräte und Systeme Einzug in mein alltägliches Leben erhalten? Wie viele Daten sollen über mein Leben erfasst werden? Welchen Anbietern kann ich vertrauen? Wieso muss alles so kompliziert sein? Fragen, mit denen sich die Sprecher, sei es ein Businessexperte, Autor oder Journalist, auf der Bühne beschäftigt haben. Wie auch ein Vertreter der Telekom Smart Home Lösung – Qivicon.

Die Digitalisierung erhält immer mehr Einzug in unser Leben wird immer normaler, doch ist es erstrebenswert jede Möglichkeit zu nutzen, um alles zu verbinden? Heiko Maas brachte hierbei ein schönes Beispiel an. Möchte man tatsächlich immer (!), wenn man das Bad betritt den Lautsprecher einschalten? Möchte man immer gleich mit Musik beschallt werden, wenn man nur mal kurz das stille Örtchen aufsuchen will?

Daten werden gesammelt, Häufungen treten auf, Bewegungsprofile können erstellt werden. Die Möglichkeiten gewonnene Daten zu nutzen sind schier unendlich. Aber schwindet durch das digitale Erfassen unseres Alltag unsere Privatsphäre? Wie sicher sind meine Daten wirklich?

Daten werden häufig in Systemen über Dritte kommuniziert, dies bedeutet ein Kontrollverlust. Menschen werden immer gläserner und die Frage, ob wir selbst entscheiden oder nur ein Algorithmus, rückt immer näher ins Gewissen. Aber kann ich mich all dem entziehen? Gibt es eine Alternativlösung?

Noch gibt es sie teilweise. Aber Alternativlösungen entschwinden immer mehr. Wer nicht am digitalen Leben teil hat, hat auch keinen Platz mehr in der Gesellschaft. Entsteht ein Zwang smarte Dinge nutzen zu müssen? Gute Daten bedeuten Teilhaben, schlechte Daten bedeutet Nicht-Teilhaben, wie Heiko Maas in seiner Einführung erläuterte. Doch was sind Gute und was sind Schlechte Daten? Existiere ich nicht mehr, wenn ich keine Daten mehr produziere? Stimmt die Gleichung „keine Daten = keine Existenz“?

Eine schwierige Frage, auf die es schwierig ist zu antworten. Fakt ist, dass es immer schwerer wird sich der Digitalisierung zu entziehen. Die Gesellschaft geht mit der Innovation, so war es schon immer. Doch, ob jeder einzelne dies „muss“, sollte er selbst entscheiden dürfen. Dafür sollten es weiterhin Alternativlösungen, analoge Lösungen im Gegensatz zu digitalen Lösungen, angeboten werden, wenn man auf die digitalisierte und optimierte Lebensweise verzichten möchte.

Die Sicherheit von Daten stellt ein großes Hindernis dar, wobei das hier speziell ein deutsches Phänomen zu sein scheint. Denn andere Länder, wie zum Beispiel Kanada, scheinen sich über ihre Datensicherheit weniger Gedanken zu machen, wie ein Mitarbeiter von Frauenhofer in die Podiumsdiskussion einwarf.

Der Datenschutz, welcher das Gut der Privatsphäre entscheidend betrifft, sollte hier aus drei Grundsätzen bestehen:
1. „Weniger ist mehr.“
2. „Anonymisierte Daten sind genauso ergiebig.“
3. „Daten müssen sofort gelöscht werden, wenn sie nicht mehr gebraucht werden.“
Wie werden diese Grundsätze von Unternehmen umgesetzt? Was steht wirklich in den AGB drin? Was muss ich als Verbraucher leisten?

Momentan muss man als Verbraucher stark allein auf sich selbst achten, wenn man seine Daten und folglich seine Privatsphäre schützen will und bewusst mit dem Internet und mit smarten und vernetzten Dingen umgehen. IoT (Internet of Things/Internet der Dinge) entwickelt immer mehr Sicherheitsstandards und das AGB Wirrwarr, was einem Studium der Rechtswissenschaft gleich kommt, wird durch den Bundesverbraucherschutz immer weiter vereinfacht.

Dennoch sollte man, wenn man innovativ sein möchte, sein Augenmerk auf die Möglichkeiten legen. Die Vernetzung von Dingen und das Schaffen von smarten Geräten ermöglicht in schier allen Bereichen und für alle Altersgruppen neue Möglichkeiten.

Smart Home bietet auf vielen Bereichen neue Chancen. So können pflegebedürftige Menschen bessere Versorgungen erhalten, kranke Menschen trotz Behinderung einen Teil ihrer Eigenständigkeit bewahren, Kinder können besser und schneller lernen, Sicherheitssysteme warnen frühzeitig vor Gefahren, und durch Erfahrungen und neue Technologien kann Zeit eingespart werden, um das Leben einfacher und bequemer zu machen. Kurz und knapp: Unterstützung im ganzen Haus auf allen Etagen.

Alles in allem, entscheidet am Ende jeder für sich selbst, ob und wie viel er an Daten produzieren möchte. Dennoch sollte man sich auch Gedanken zu Alternativlösungen machen für Menschen, die weniger oder gar nicht Teil an der Digitalisierung haben wollen, um diese nicht unter einen gesellschaftlichen Zwang zu stellen. Die Digitalisierung schreitet weiter munter voran.

Es sollte trotz cooler und kabelloser Innovationen noch möglich sein analoge Liebesbriefe zum Valentinstag über die Post versenden zu können.

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