Uwe Pacharzina
6. April 2017 0
Collaboration

Lösen Sie die Frage, Wem die App gehört

„Dienst ist Dienst und Schnaps ist Schnaps“ – diese Regel galt jahrhundertelang. In den letzten Jahren bröckeln aber in atemberaubendem Tempo die Grenzen zwischen Dienst und vielleicht nicht gerade „Schnaps“, aber doch Privatleben.  Und diese grundlegenden Veränderungen auf der Nutzerseite haben natürlich auch Konsequenzen für diejenigen, die die Arbeitsplatzsysteme bereitstellen.

Die Trennung zwischen Beruf und Privatleben verwischt sich vor allem am Arbeitsplatzsystem. BYOD (Bring your own Device), CYOD (Choose your own Device) oder als neuester Trend COPE (Company owned personally enabled). Das allein sind schon mal drei Ausprägungen der Veränderungen. Es geht aber eben nicht nur um die Frage: Welches Endgerät nutzt der Mitarbeiter? Wem gehört es? Sondern vor allem um die Frage: Wem gehören die Daten und Applikationen auf dem Endgerät? Und was darf der Mitarbeiter mit seinem Gerät tun? Ist ein Mail an den Partner oder die Kfz-Werkstatt erlaubt? Früher galt bei uns die Regel: Anruf bei der Ehefrau „Schatz, ich komme heute später“ ist erlaubt. Alles darüber hinaus nicht. Wahrscheinlich auch nicht: „Ich komme heute früher“ 😉

Wem gehört das Profil?

Diese Fragestellung ist dem Umgang mit Profilen in sozialen Netzwerken nicht unähnlich: Wenn Recruiter in Unternehmen dienstlich bezahlte Premium-Accounts bei Xing oder LinkedIn unterhalten – wem gehören die Accounts dann? Dem Unternehmen oder dem Mitarbeiter, dessen Name und Konterfei das Profil ziert? Oder der private Account eines Mitarbeiters, auf dem er sein Unternehmen angibt: Was geschieht mit tätigkeitsrelevanten Kontakten, die beispielsweise Recruiter aufgebaut haben, wenn sie das Unternehmen verlassen? Ein Minenfeld.

Der Windows Store birgt dasselbe Konfliktpotenzial: Dürfen die Features nur dienstlich oder auch für private Zwecke genutzt werden? Wie wird mit Apps verfahren, die ein Nutzer aus dem Windows Store herunterlädt? Windows steht hier übrigens nicht allein. Die Frage kann genauso für die App Stores von Google und Apple gestellt werden. Die Apps werden nämlich jeweils dem privaten Profil des Nutzers zugeordnet und nicht dem Unternehmen, für das er arbeitet.

Cortana und die Vertraulichkeit

Bei Cortana liegen die Dinge etwas anders. Aber auch sie bieten reichlich Potenzial für intensive Diskussionen: Wie will das Unternehmen mit den an Microsoft übermittelten Daten umgehen? Wenn der Mitarbeiter mit dem Sprach-Assistenten eine App startet, ist das vermutlich unkritisch und gibt Microsoft lediglich ein (durchaus wertvolles) Feedback, welche App wie oft und wie lange genutzt wird. Wenn der Anwender aber eine vertrauliche Mail diktiert oder vertrauliche Inhalte an unbekannten Orten speichert, wird das sicher nicht von jedermann uneingeschränkt als harmlos betrachtet. Auch Datenschützer sind bereits auf Windows 10 aufmerksam geworden https://netzpolitik.org/2017/privatsphaere-unter-windows-10-weiterhin-mangelhaft-geschuetzt/.

Aufgeklärte Nutzer und klare Regeln

Nicht nur COPE-Konzepte benötigen also aufgeklärte Nutzer, auch der ganz normale Umgang mit Win10 ruft zumindest nach Sensibilisierung und einer organisatorischen Richtlinie. Und der Möglichkeit Basisdaten, wie Interessen, Positionsdaten, E-Mail und andere Kommunikationsdaten, sowie bevorzugte Einstellungen komplett wieder zu löschen. Das automatisierte Löschen von Basisdaten kann über ein Dynamic-Workplace-Konzept genauso abgebildet werden wie eine strikte Trennung von privaten und dienstlichen Apps und Daten auf einem Gerät. Und das für all die Unternehmen, die gerne die Kontrolle behalten.  Im nächsten Post dieser Serie werden wir auf einige Aspekte eingehen, die Unternehmen bedenken sollten, wenn sie sich für Windows 10 aufstellen.

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