Jäger, Sammler und das Ende des bekannten Marketing

Cloud Blog / 23. August 2011

Psychologen, Soziologen, Biologen oder welcherlei Logen es noch geben mag – sie alle haben eines gemein: Gerne begründen Sie die Wesensarten von Männern und Frauen mit früheren Zeiten. “In der Evolution … ” beginnen dann solche Erklärungen dann. Für mich eine schöne Aufforderung, den Jägern und Sammlern in der Welt der Cloud nachzustreifen.

 

In Zeiten von Faustkeil und Speer war die Jagd kein einfaches Ding. Wer eine eindrückliche Liveschilderung sehen möchte, dem sei das Filmkunstwerk Caveman ans Herz gelegt. Uga! Entweder waren die potenziellen Mittagessen zu groß, zu wehrhaft oder aber zu flink. Da war man als Urmann oder -frau schon mal dankbar, wenn man ein paar ungiftige Knollen, Beeren oder Blätter ausgraben, abzupfen oder abreißen konnte.

 

Ach, das waren noch Zeiten, als die Jäger und Sammler unterwegs waren. Heute würden wir natürlich nie mehr auf die Idee kommen, unseren Lebensunterhalt, unser täglich Brot so zu verdienen. Wir haben ja unsere elektronischen und mechanischen Knechte.

 

Das “Ich esse nur, was mir schmeckt bzw. bekommt” hat längst (zumindest in Mitteleuropa) das “Nimm, was Du kriegen kannst” abgelöst. Und wir vergeben mittlerweile Sterne, um dem Feinschmeckertum Denkmäler zu setzen.

 

Genauso sind die IT-Diebe auch noch vor Jahren vorgegangen: Sie haben sich ihre Opfer und zu stehlenden Daten gezielt ausgesucht und dann einen Plan entwickelt, wie sie an das Objekt ihrer Begierde kommen. Feinschmecker eben. In der Cloud-Ära ist das anders: Die zur Verfügung stehenden Möglichkeiten sind auch ganz andere.

 

Da wird dann nicht mehr die Angel ausgeworfen, sondern die Dynamitstange angezündet. Nicht kleckern, sondern klotzen, heißt das Motto der Milliarden-“Industrie” des Datenklaus.  Und dann einsammeln, was man in die Hände kriegt. Der Angriff muss breit genug streuen (sozusagen von echten Schrot und Korn) und mit Sicherheit stößt man auch irgendwo auf Lücken, durch die man sich erfolgreich betätigen kann.

 

Und erst dann schaut man, wenn man dazu in der Lage ist, was man erbeutet hat: Ordner mit altem Datenmüll oder hochbrisantes, ultrageheimes Material. Wahrscheinlich ist die Aufarbeitung des ergaunerten Datenwusts eine Wissenschaft für sich. Fest steht, dass wir von der Filigranität des Meisterdiebs zurückkehren zur “Subtilität” eines Raubritters: Jäger und Sammler eben.

 

Die Datensammel-Leidenschaft bei Klein und Groß in Ost und West nimmt, wenn man einen zweiten Blick drauf wirft, durchaus auch groteske Züge an. Es scheint mir angeraten, sich ein paar Bodyguards für den Schutz der wirklich wichtigen Sachen zuzulegen. Auf gut Deutsch: Die Erhöhung der Security-Budgets ist angeraten oder aber das totale Abtauchen des Unternehmens. Wer nicht gesehen wird, wird auch nicht attackiert – so nicht nur meine triviale Logik, sondern auch die mancher Sicherheitsmenschen.

 

Den Wettbewerb im Unsichtbarwerden würde ich gerne miterleben. Und das neu entstehende Berufsbild des Marketing Professionals für reduzierte öffentliche Wahrnehmung. Wahrlich, Cloud Computing schlägt in allen Disziplinen neue Kapitel auf!

 

Ich mach mich jetzt mal unsichtbar, bis irgendwann in einer Zillion Jahren ;-)
Ihr
Martin Reti

 

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