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Chinese Kulinaria Cloud

Cloud Blog / 21. Juli 2011

Reisen bildet! Ja, ganz definitiv! Sie werden kaum glauben, wohin ich gestern gereist bin: Ich war in der chinesischen Cloud. Und dazu brauchte ich gar keinen Flug, musste nicht einmal meine Uhr umstellen, keine Zollkontrolle ertragen. Der Münchner Hauptbahnhof war genug.

 

Und ich hatte Hunger – wie das halt so ist, wenn man um die Mittagszeit ankommt, sucht man – falls man noch ein wenig Zeit hat – einen „Sättigungshafen“. Da ich nicht unter dem Chinese Restaurant Syndrome leide und umami* für mich kein Fremdwort ist, war das in meinem Fall ein chinesischer Imbiss, der versicherte, er würde zurzeit keine Sojasprossen verarbeiten ;-)

Ich ließ mich von Chicken Lima inspirieren und hatte danach noch die Muße, ein bisschen über Produktion, Portfolio und Kundenkommunikation zu reflektieren.

 

Als erstes fiel mir das Portfolio ins Auge:  etwa 12 Gerichte – überschaubar, standardisiert, modularisiert. Und stark auf die Zielgruppe zugeschnitten: Kamelhöcker, frittierte Schlange oder panierter Hund wird in Deutschland nicht angeboten. Ich bekomme “gebacken Huhn” nicht nur mit Orangensauce, sondern auch mit Erdnusssauce. Allerdings kann ich zu meinem Reis auch Ente oder Schwein oder vegetarischen “Content”  auf dem identischen Gemüsebett bekommen – oder den Reis wahlweise durch “gebacken Nudel” ersetzen. Das war´s.

 

Sonderwünsche? In der Vergangenheit versuchte ich beim Chinesen mal zwei neue Dinge zu kombinieren. “Kölly Hun mit gebacken Nudel” – das ging, weil gerade Stressfreiheit herrschte, aber nur gegen Aufpreis. Denn ich habe keine Standardleistung verlangt. Und ” … aber bitte ohne Ingwer, Kohl, Bambussprossen” geht überhaupt nicht. Take it or leave it!

 

Apropo Stressfreiheit. Die Skalierbarkeit der chinesischen Gastronomie ist begrenzt, also nicht cloud-konform, der Produktionsprozess aber nichtsdestoweniger hoch industrialisiert oder wie wir gerne sagen: „gestreamlined“. Eine steht an der Kasse, eine serviert, einer frittiert, einer … wokt (heißt das so?). Wenn nicht zufällig gerade ein zusätzliches Familienmitglied mit Springerfähigkeiten greifbar ist, bilden sich lange Schlangen. Ich glaube, das hängt auch irgendwie mit dem chinesischen Kalender zusammen ;-)

 

Sogar das Moment des User Self Service spiegelt sich im Asia-Imbiss wieder: „Nehmen Gabel selber“. Bevor ich mir Besteck und Serviette gegriffen hatte und einen Platz in dem überfüllten  (Economies of Scale!) Restaurant suchen konnte, stand mein Gericht für Selbstabholer schon auf dem Tresen (Real Time Delivery). Hierfür vergebe ich drei Cloudsterne. Abzüge gibt es in der B-Note, denn der Rückgabeschlitz für den leeren Teller war ohne Anleitung nur schwer auffindbar. Auch das gehört zum Self Service – wobei ich den Serviceausstieg hier gar nicht weiter vertiefen möchte ;-)

 

Zum Schluss noch ein Schwenk zur Kundenkommunikation. Die ist auf das Nötigste reduziert: „Hallo“, „Der Nächste, bitte!“ „4, 5, 6 Euro 90“ (die haben tatsächlich nur drei Preise – bitte prüfen Sie´s mal nach und geben Sie mir Bescheid) und „nehmen Gabel selber“ – aber das hatten wir schon. Echt public Cloud – hierfür ebenfalls drei Cloudsterne ;-)

 

Unter dem Strich bleibt: Der Erfolg entscheidet. Der Chinese Cloud Service wurde eifrig frequentiert, die Angebote sind kostengünstiger als ein klassischer Restaurant-Aufenthalt. Trotz Defiziten in der Skalierbarkeit – so lasse ich mir die Cloud gefallen. Auch wenn ich mich darüber freuen würde, selber Einfluss nehmen zu können. Aber dafür kann ich mir ja einen Döner holen. Dort werde ich noch nach “Mit oder ohne scharf?” gefragt und mein Gegenüber lässt sich auf ein “ein bisschen” ein ;-)

 

Einen cloudigen Appetit wünscht
Ihr Martin Reti

 

*bevor Sie´s googeln: umami ist ein japanisches Wort – von daher eigentlich nicht passend für einen chinesischen Imbiss und kennzeichnet einen „deftigen“ Geschmackseindruck. Umami heißt “wohlschmeckend” und ist sozusagen der fünfte Geschmack neben süß, sauer, bitter und salzig. Er ensteht durch die Glutamate, die gerne als Geschmacksverstärker in der chinesischen Küche eingesetzt werden – und auf die manche Zeitgenossen allergisch reagieren.

 

 

 

 

 

 

Kommentare


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  • Roland Judas

    Ein köstlicher Vergleich, auf diese Weise betrachtet ist das Thema Standardisierung bzw. Individualisierung wirklich verständlich. Über das Bild der Dönerbude müsste man sich wirklich eingehende Gedanken machen, wobei die Individualisierungsoptionen – auch wenn die Option mit/ohne/bisschen “scharf” am gebräuchlichsten ist (das Gewürz heißt übrigens Pul Biber):
    Hier in Frankfurt und Umgebung gibt es deutlich vielfältigere Optionen (Mit/Ohne/wenig/viel Salat/Zwiebeln/Tomaten bzw. verschiedene Sossen mit und ohne Knoblauch, ausserdem gibt’s auch noch Schafskäse oder extra Fleisch).

  • Dr. Martin Reti

    köstlich – ;-) schönes Wortspiel. Danke fürs Kommentieren.
    Ich nehme Pul Biber in meinen Wortschatz auf. Und … Sie haben natürlich völlig Recht: Als ich den Abschussknopf gedrückt hatte, fiel mir ein, dass ich ja auch “mit doppelt Tomate, ohne Zwiebeln mit Soße” hätte haben können ;-)
    Spaß beiseite: Ich denke, der chinesische Imbiss macht schon ein bisschen vor, was Cloud Computing bedeutet. Das arbeitsteilige, stark standardisierte Angebot, preislich und inhaltlich attraktiv für viele – he, that´s cloud (oder zumindest ein teil davon ;-))

    Gruß
    Martin Reti

  • Roland Judas

    Ja, das Beispiel finde ich gut. Zumal es auch eine Sache sehr gut verdeutlicht: Der Kunde muss sich – am besten rechtzeitig – überlegen, was er haben möchte bzw. welche Qualität von Produkt und Service er wünscht. Mit “einmal Essen, bitte” kommt er weder beim Chinesen noch an der Dönerbude weiter; es sei den es wird ein standardisiertes Stammessen angeboten, was aber eher bei deutschen Restaurants angeboten wird. Alleine die standardisierte Mittagskarte beim Chinesen bietet in Regel deutlich mehr Optionen.

    Viele Grüße
    Roland Judas

  • Dr. Martin Reti

    vielleicht können wir eine flächendeckende Konferenz über die Parallelen des Cloud-Universums und der internationalen Gastronomie ins Leben rufen ;-)

  • Roland Judas

    So eine Konferenz wäre sicher mal eine gelungene Abwechslung zum traditionellen Kongress-Betrieb. Man könnte z. B. die Sponsoren verpflichten, die Standbesetzung nicht in grauen Anzügen zu schicken sondern in der jeweiligen Landestracht und anstelle von Kaffee und Kuchen gibt es dann entsprechende lokale Spezialitäten. Hinsichtlich der Themenauswahl finden wir bestimmt viele interessante Gemeinsamkeiten zwischen Gastronomie und Cloud.
    Mit diesem Konzept lassen wir andere ungewöhliche Veranstaltungen wie die Failconference alt aussehen. Wir sind in jedem Fall mit dabei.
    Roland Judas

  • Dr. Martin Reti

    ;-) was sollte ich hier hinzufügen. Vielleicht sollten wir aber doch – aus Gründen der Standardisierung – einheitliche Kleidung für alle Aussteller und Sponsoren vorgeben. Und einheitliches Essen und einheitliche Infomaterialien und …
    Naja, ich denke, wir belassen es besser bei Ihrem Vorschlag ;-)

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