Staatsfeind Nummer Eins

Cloud Blog / 15. Juli 2011

“Oops, I will do it again” – das nur, um Sie gleich schon mal in der ersten Zeile zu warnen. Wenn Sie jetzt genug über den Patriot Act und das FBI gehört haben (warum hört man eigentlich nie von anderen US-Behörden, die Server in U-Haft nehmen?), dann klicken Sie schnell zum nächsten Blog. Wenn nicht, dann erfahren Sie hier die wahren Ursachen.

 

Neutralität wird in der Schweiz ja seit Jahrhunderten groß geschrieben. Vielleicht ist das der Grund, weshalb es wieder mal einen Schweizer Webhoster erwischt hat. Das hat mir Peter Arbitter gesteckt, der neben Stefan Ried und Rene Büst auch am Dienstag beim Cloud-Webcast der Computerwoche auftreten wird. Im Rechenzentrum in Maryland des Schweizer Webhosters Digital One nahm das FBI ein paar verdächtige Blade Server mit.

 

Gründe: Fehlanzeige. Der Sinn erschließt sich dem Nicht-Eingeweihten zunächst nicht, aber ich vermute, dass auf dem Restaurant Blog “Eater” und dem Immobilien Blog “Curble” geheime weltumstürzlerische Botschaften ausgetauscht wurden; vielleicht wurde gar eine Alieninvasion geplant ;-)

 

Vor diesem Hintergrund könnten sich Cloudanbieter natürlich ein Alleinstellungsmerkmal zulegen, indem sie nicht auf Server vertrauen, die sich in die Jackentasche stecken lassen, sondern tonnenschwere Rechenungetüme betreiben. Ein klares Plädoyer zurück zum Größtrechner. Werbespruch: “Wir sind der Cloud-Provider mit den schwersten Servern der Welt, garantiert FBI-untransportabel” ;-)

 

Spaß beiseite: Ob die Dienste absichtlich vom Netz genommen wurden oder ob das nur ein Kollateralschaden war, lässt sich aus meiner gemütlichen Leinfeldener Perspektive nicht beurteilen. Aber letzten Endes ist die Hilflosigkeit im Umgang mit der Konfiszierung von physikalischen Servern ja auch ein Ausdruck von Cloud Computing. Daten und Dienste, die “irgendwo” liegen – das bedeutet dann auch, dass durch die Pooling-Prinzipien eben Physik geteilt wird. Und da muss man, gleich einem Chirurgen, eben ein bisschen  mehr rausschneiden (auch gesundes Gewebe), damit man sicher alles vom Krebsgeschwür erwischt. That´s Cloud, wie Kollege Pauly sagen würde.

 

Das Beste zum Schluss: Ich schulde Ihnen noch die Erklärung, warum gerade jetzt nach den öffentlichen Aussagen Microsofts Geheimdienste vermehrt Server beschlagnahmen. Oder das zumindest publik wird. Wahrscheinlich arbeiten die meisten Geheimdienste wirklich geheim, so dass wir nur die Spitze des Eisbergs wahrnehmen ;-).

 

Konspirationstheoretiker aufgepasst! Die USA kämpfen aktuell gegen ihre Staatsverschuldung an. Dazu wurde ein geheimes Konjunkturpaket gestartet – in Zusammenhang mit Geheimdiensten und landesweiten Anwaltsverbänden. Das Misstrauen potenzieller Nutzer in Cloud Services solle geschürt werden. Was bedeutet, dass Unternehmen, die international Geschäft betreiben wollen, intensive Rechtsberatung brauchen.

 

Und nun rennen sowohl Anwender als auch Anbieter den Anwälten die Kanzleien ein und bitten um verbindliche Aussagen zum “Darf ich in Cloud machen?”. Auf die ersten Reaktionen in Zeiten der Verunsicherung wies mich Gerald Münzl hin, geschätzter Mitstreiter am legendären Bitkom-Leitfaden. Den Rest des Liedes können Sie sich denken: Astronomische Anwaltskosten vorausgesetzt füllen sich so bei drastischer Nachfragesteigerung die Staatskassen rapide mit Steuern. Das ist wohl auch eine Form von Resource Pooling in Verbindung mit rapid Elasticity ;-)

 

ÄTSCH, REINGELEGT! DAS GANZE WAR NATÜRLICH NUR EIN SCHERZ! Wenngleich die Betreiber der betroffenen Dienste darüber wahrscheinlich nicht schmunzeln können, aber vielleicht gelingt es Ihnen als Unbetroffenen. Ich glaube, ich schreibe jetzt gleich mal ein Drehbuch für einen Hollywood-Film. Dann werde ich reich mit Cloud Computing – und das praktisch ohne konfiszierbaren Blade-Server. Auch ein Geschäftsmodell aus der Cloud ;-)

 

Schönes Wochenende – konspirieren Sie nicht zuviel
Ihr Martin Reti

 

Kommentare


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