Wider die Kleinstaaterei

Cloud Blog / 13. Juli 2011

Grenzen des Anstandes, Grenzen des guten Geschmacks: Immer wieder hört man diese Begriffe und oft gibt es Diskussionen, wo genau diese Grenzen verlaufen. Wie einfach dagegen sind Ländergrenzen. Diese sind klar definiert, teilweise seit Jahrhunderten. Was aber trennen diese Grenzen? In einigen Fällen scheint das eine klare Sache: USA – schlechter Datenschutz versus Europa – guter Datenschutz.

Und so hat die Meldung, dass die USA auf europäische Daten zugreifen können zwar hohe Wellen geschlagen, für Insider dürfte sie aber keine Überraschung mehr gewesen sein. Neben der namentlichen Erwähnung der T-Systems als „sicheren“ Cloud Anbieter fand ich lediglich die Klarheit der Aussage bemerkenswert. Eventuell war es einfach ungeschickt von Microsoft, einen Engländer an die Grenze, sprich Front zu senden. Verläuft diese doch oftmals nicht im Atlantik, sondern im Ärmelkanal. Nicht nur beim Euro fühlen sich viele von der Insel Europa wenig und der ehemaligen Kolonie Amerika enger verbunden. Ein Verantwortlicher aus Deutschland hätte sicherlich differenzierter geantwortet als mit „Microsoft cannot provide those guarantees. Neither can any other company“. Zumal die Rechtslage auch nicht eindeutig ist: Wer Daten nach USA gibt, verstößt damit in vielen Fällen gegen geltendes deutsches und europäisches Recht. Wahrlich eine heikle Situation für die hiesigen Landeschefs amerikanischer Häuser. Zumal sich ja auch direkt Politiker melden, die solche Verstöße anprangern. Das sind aber hoffentlich nicht die Politiker, die europäische Zahlungs- oder Flugreisedaten bereitwillig unseren amerikanischen Freunden überlassen. Für die gute Sache, versteht sich. Ich verstehe die Politiker oft nicht.

Das bringt mich zum Blödsinn der Woche (mit Potential für den Titel des Jahres): „Saarländische Einwohnermeldedaten dürfen das Saarland nicht verlassen.“ Das war die Spitze von vielen Aussagen eines Meetings mit meinem Kollegen aus dem Vertrieb für den öffentlichen Bereich. Cloud findet man gut, aber bitte im eigenen Bundesland oder der eigenen Kommune. Der Schwabe mag kein bayerisches Rechenzentrum, wo er doch auch eines im Ländle hat. IaaS muss komplett im deutschen Betrieb sein. Ein möglicher Administratorzugriff aus einem anderen europäischen Land, gesetzlich oftmals erlaubt, macht den Service quasi unverkäuflich. Hoffnung macht mir nur Brandenburg, das Daten in Hessen verarbeiten lässt. Das geschieht aber noch nicht in der Frankfurt-Cloud, die man in Hessen eventuell auch nur aufgrund eigener Wirtschaftsinteressen gut findet. Die Begeisterung für eine Mainz-Cloud ist sicherlich noch fraglicher als die Behauptung, diese könne zukünftige Totalausfälle des ZDF verhindern. Immerhin tut sich Hessen beim Kampf gegen andere Kleinstaaterei hervor: So rät der hessische Europaminister ob dänischer Grenzkontrollen zum Urlaub in Österreich oder Polen.

 

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