Stop, Get out – the Strong Arm of the Law

Cloud Blog / 1. Juli 2011

Von wegen die Angst vor leeren Papier – es gibt Blogeinträge, die schreiben sich einfach von selbst. Da kommt es dann nur noch drauf an, das Ding „reinzumachen“ – wie wir gestern abend wieder auf dem grünen Rasen feststellen mussten. Da war es das richtige Tor.

 

Wir erinnern uns vielleicht, dass Harry Potter ja auch mal reichlich Post bekam. Gestern war ich auch ein bisschen Harry – in meinem Posteingang tanzten die roten Ausrufezeichen und Flaggen Polka und wiesen mich auf einen brandaktuellen Artikel bei Heise hin, den ich Ihnen nicht vorenthalten möchte. Das Cloud-Highlight der Woche – für alle Cloudinteressierten im Allgemeinen und im Speziellen für T-Systems.

 

Eigentlich steht da nichts Neues, aber dass ein US-Anbieter in dieser Klarheit über die Gesetzeslage spricht, ist schon ungewöhnlich und höchst respektabel! “Wir müssen die amerikanischen Gesetze befolgen”, sagte Gordon Frazer, Microsofts britischer Direktor, anlässlich der Einführung von Office 365. Daten würden also Europa im Zweifelsfall auch ungefragt verlassen. Und das Sahnehäubchen dazu: “Wir dürfen Ihnen das dann eventuell nicht mal sagen”. Da schellen natürlich die Alarmglocken bei den europäischen Datenschützern, die so gar kein Interesse haben, den internationalen Terrorismus zu bekämpfen. ;-)

 

Das ist dann wohl die Kehrseite der Globalisierung. Als US-amerikanischer IT-Konzern, der Dienste in Europa serviert (die Cloud macht´s möglich) ist man offenbar – das hatte schon Carlo Goldoni erkannt – Diener zweier Herren. Im Spagat der Gesetze stellt sich die Frage: Welchem Herren willst Du dienen? Denn das europäische Datenschutzrecht und das US-Recht (und hier nicht mal nur der US Patriot Act) zerren an ihnen. Da muss man dann wohl bisweilen unangenehme Entscheidungen treffen. Die Moral von der Geschicht´: (ich verzichte jetzt hier auf den naheliegenden Reim) Das Mutterland der IT behandelt die Seinen nicht gut, indem es Ihnen sehr wirkungsvoll in Europa einen klaren Wettbewerbsnachteil auf die Schultern legt – das ist in etwa so, wie wenn unsere deutschen Fußballerinnen demnächst alle mit Wanderrucksack und Arbeitssicherheitsschuhen in die Partie gehen müssten.

 

Ich denke, Gordon Frazer hat das einzig Richtige in dieser Situation getan: Er hat die Situation, oder besser Zwangslage, in der er sich befindet, offen und ehrlich dargestellt, um hinterher wenigstens sagen zu können: “Ich hab´s doch gesagt”. Das nennt man offene Kommunikation. Ob dieser Carte-blanche-Ansatz verfängt, vermag ich nicht zu beurteilen. Respekt nötigt mir dieses Eingeständnis dennoch ab.

 

Das wirklich Interessante an dieser Diskussion ist, dass wir bislang ja dachten, das seien alles nur “Gedankenexperimente” (eines unserer deutschen Wörter, die den Eingang in die englische Sprache gefunden haben – also bitte Englisch aussprechen) mit diesem “Rechtsgedöns” und der Beschlagnahme von Servern und Daten.  Aber die Realität überholt uns doch immer mal wieder rechts. Wenn auch nur durch Unfähigkeit oder aber im sicheren Wissen der Machtfülle: Kürzlich nämlich hat das FBI “die Cloud von Instapaper verhaftet” – das nennt man wohl Kollateralschaden.  Nunja, die haben ganz nach dem Motto “Darf´s ein bisschen mehr sein?” den zentralen Bladeserver aus dem (Schweizer!) Rechenzentrum mitgenommen, auf dem der Dienst gehostet wird. “Der Server sieht verdächtig aus, den benutzen die Staatsfeinde bestimmt auch …”

 

Resultat: Dienst nicht verfügbar. Für ein Unternehmen, das nur aus einer Person und einem Dienst besteht, ist das nicht gerade lustig. Soviel zu den neuen Geschäftsoptionen, die die Cloud bietet  – man sollte sich vorher genau in den Nachbarschafts-Servern umschauen, ob sich da nicht irgendwelche Staatsfeinde breit gemacht haben oder noch einziehen werden. Natürlich hätte man den Dienst auch redundant aufbauen können – bei einem zweiten Anbieter … Eine Doppelrazzia wäre wirklich Pech … oder aber ein Beweis dafür, dass wirklich ein großangelegter Spionageplan dahinter steckt – wie Verschwörungstheoretiker gerne behaupten.

 

Gönne mir jetzt eine Runde Saxon und wünsche Ihnen ein konspirationsfreies Wochenende
Ihr
Martin Reti

 

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