Gegensätze

Cloud Blog / 29. April 2011

Gegensätze ziehen sich ja bekanntlich an. Das gilt in der Naturwissenschaft z.B. bei Magnetismus und laut Volksweisheit auch in der Liebe. Was aber, wenn man auf zwei Meldungen stößt, die so gar nicht zueinander passen wollen?

Cloud Computing: besonders erfolgreich bei jungen Unternehmen“ ist am Osterdienstag bei ZDNet.de zu lesen. Bei CHIP Online findet sich gleichzeitig: „Amazon: Blackout sorgt für neue Cloud-Kritik“ mit der gegenteiligen Aussage: „Wir benutzen keine Public-Cloud und werden es auf absehbare Zeit auch nicht machen – der Ausfall des Amazon-Rechenzentrums hat uns erneut gezeigt, wie richtig unsere Entscheidung ist.” Ja was denn nun? Cloud als Technik, die modernes Business erst ermöglicht oder als Showstopper, weil unzuverlässig und damit geschäftsgefährdend.

Zugegeben, die zweite Aussage stammt zwar nicht von einem altehrwürdigen Unternehmen, aber immerhin von einem der führenden Roboterhersteller, der schon (!) auf eine 20-jährige Unternehmensgeschichte zurückblickt. Die erste Aussage ist dagegen die Quintessenz einer Befragung von 260 Unternehmen, die vor 2006 gegründet wurden. Eventuell ist aber auch der Unternehmenszweck ein Kriterium. Während der Cloud-Skeptiker ein Produktionsunternehmen ist, bietet der ausführlicher betrachtete Cloud-Befürworter als Dienstleister das Management von Onlineshops, Events und Roadshows. Leider gibt es zur aktuellen Störung von weiteren Betroffenen, u.a. Foursquare, Quora, und Reddit, keine Kommentare. Seitens eines ehemaligen Programmierers von Reddit gab es allerdings im März schon drastische Aussagen: „…gewaltiger Lacher, was Leistung und Zuverlässigkeit angeht.“ Die Branche kann es also auch nicht sein.

Eventuell liegt die Lösung auch hier in einer Volksweisheit: „Wat den een sien Uhl, is den annern sien Nachtigal.“ Oder auf Hochdeutsch: „Was dem einen seine Eule, ist dem anderen seine Nachtigall.“ Und so freue ich mich auf die nächsten Wochen, wo für mich Termine mit den ja nicht gerade als Cloud-Evangelisten bekannten Vertretern der öffentlichen Hand auf der einen Seite und Cloud-affinen Kunden aus Nordamerika auf der anderen Seite anstehen. Das werden spannende Diskussionen zu Cloud und insbesondere Datenschutz. Für die einen kann es dabei nie genug Sicherheit sein, die anderen wundern sich über die Ängste im „alten Europa“. Eventuell sollte ich die Termine zu einem zusammenlegen. Gegensätze ziehen sich bekanntlich an.

 

Kommentare


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  • Ralf Knobloch

    Ich glaube, das hier das gesamte Spektrum an Meinungen Gültigkeit hat. Es ist immer im Kontext der Unternehmensstrategie bzw. auch der IT-Strategie zu sehen. Ich glaube, das sich Cloud-Computing in hybrider Weise immer mehr durchsetzen wird. Mit der Zeit werden immer mehr sichere Lösungen und Angebote entstehen und auch provider-übergreifende Authentifizierungs- und Autorissierungs-Mechanismen. Zwar wird es das sichere “Welt-Directory” so schnell nihct geben, aber man sollte als Anwender-Unternehmen nicht immer nur auf einen Cloud-Provider setzen. Derzeit ist es noch schwierig bzw. sehr aufwändig DNS-Namensräume und IP-Adress-Bereiche oder auch Internet-Portale oder große Anwendungen mit großen Datenbanken über verschiedene Cloud-Provider zu sharen. Auch das wird sich entwickeln und ist eine Anforderung, um das Business verfügbar zu halten. Hier stellt sich die Frage, ob es einen Standard oder eine providerübergreifende Best-Practice geben wird. Derzeit muss man sich als Großunternehmen selbst darum kümmern.

  • Dr. Martin Reti

    Hallo Herr Knobloch,

    Völlig d´accord mit Ihrer sehr treffenden Beurteilung der Situation. Nur denke ich zusätzlich: Als Großunternehmen kann man sich selbst drum kümmern, weil man das entsprechende Knowhow und die Kapazitäten hat, aber ein kleineres Unternehmen tut sich schwer. Was tun? Abwarten?
    Ich denke, es ist kein Wunder, dass Unternehmen ganz unterschiedlich auf Cloud Computing reagieren – Entscheidungen sind halt auch – das wird aber niemand zugeben – nicht nur eine rationale Sache, sondern auch Bauchentscheidung. Und wenn man dann so was über einen Amazon-Ausfall gelesen hat und in diesem Moment kommt ein “Cloudverkäufer” um die Ecke – naja. ;-)

    Beste Grüße
    Martin Reti

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