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Der Kampf um die wahre Cloud

Cloud Blog / 11. April 2011

Die Glaubenskrieger der unverfälschten Cloudidee haben ihe Rüstung  angelegt und sind bereit in die Schlacht zu ziehen. Den ritterlichen Tugenden von Mut, Hilfsbereitschaft und Wahrheit sehen sie sich verpflichtet und natürlich der Sache der Cloud. Der einzig wahren Cloud. Denn „es kann nur eine geben“ skandieren sie.

Nur echt mit 52 Zähnen“ – sagt Ihnen das noch was? Ja, das lasse ich durchgehen, wenn Leibniz für den echten Butterkeks wirbt. Immerhin habe ich ihn oft genug selber verspeist. Nun diskutieren wir glücklicherweise auch wieder über die „echte“ Cloud – zumindest legte das ein Gastbeitrag in der Computerwoche plus nahe (leider momentan nur in Print).

Also zunächst mal: nichts gegen die Public Cloud! Das Phänomen Cloud Computing hat seinen Ursprung im Internet. Und Public Cloud ist (auch) eine gute Sache – auf jeden Fall überall dort, wo es mehr Nutzen bringt, als es Schaden anrichtet. Das aber muss jedes Unternehmen für sich im Einzelfall entscheiden. Aber Public Cloud zum einzig Wahren zu verklären und gleichzeitig die .. naja, sagen wir  .. „These“ von der höheren Sicherheit zu pflegen, das klingt mir doch ein bisschen … zu hoch gegriffen.

Unbestritten: Public Cloud ist Cloud Computing in seiner Extremform, vielleicht in seiner reinsten Form. Kein Widerspruch. Und auch die Tatsache, dass niemand darüber diskutiert, was eine Public Cloud ist, während die wachsende Anzahl verschiedener Sonst-Clouds exponentiell steigt (man denke allein an die „dedizierte Cloud“, eine Bezeichnung, bei der mir die Gänsehaut den Rücken bis zur Kopfhaut hochsteigt), spricht für die These.

Auf der anderen Seite finde ich eine Argumentation eigenartig, die postuliert, die Public Cloud sei eine echte Cloud, weil sie demokratischer ist. Um mal auf der anderen Seite vom Pferd zu fallen (kein Wunder, wenn man so gerüstet ist): Public entspricht eher einer Diktatur.  Der Cloud Provider entscheidet nämlich für seine Kunden, wie das einzig verbindliche Produkt aussieht. Was dem Kunden bleibt, ist die Wahlfreiheit: Nimm´s oder lass es bleiben. Basta!

Die Kosten- und Effizienzvorteile einer Public Cloud ergeben sich nämlich, wie wir alle wissen, aus einem rigorosen Standardisierungsansatz. Da bleibt wenig Freiraum für individuelle Lösungen. Das hat seine Richtigkeit. Doch die Geschwindigkeit neuer Releases, ein durchgängig hohes und gleiches Managementniveau, das gelingt halt nur dann, wenn eben nicht alle mitreden, sondern wenn der Cloudprovider bestimmt – und keiner widersprechen darf.

Die Basis des wirtschaftlichen Erfolgs einiger weniger Cloud-Anbieter als Maßstab für eine „echte“ Cloud einzuführen und die schiere Größe, bedeutet nichts anderes, als jeden kleineren Cloudanbieter zum Nicht-Cloudler abzustempeln – und zwar unabhängig davon, wie technisch ausgereift sein Angebot und sein betriebswirtschaftliches Modell ist.

Die private Cloud bleibt ein umkämpftes Feld: Den einen kann sie nicht öffentlich genug sein , den anderenkann die Cloud gar nicht privat genug sein. Selbst wenn ein Provider für jeden seiner Kunden eine eigene Cloud aufbaute, selbst dann könnte er noch Effizienzvorteile aus der kopierten Bauanleitung generieren, mal ganz abgesehen davon, dass auch das automatisierte einheitliche Management aus Sicht des Providers und des Kunden den Cloud-Industrialisierungs- und damit Kostensenkungsansatz erzielt. Und wenn womöglich mehrere Kunden die Plattform des Providers teilten – owei, das kann doch keine Cloud sein ;-)

Oder für Mathematiker formuliert: Es muss nicht immer das absolute Optimum sein, manchmal reichen auch schon lokale Optima aus.

Die „echte“ Cloud zum Wert in der Businesswelt zu erheben, das hat was Don-Quichotteskes. Die Kunden wissen, worauf sie sich einlassen, wenn sie in die Cloud gehen und sie treffen eine Entscheidung, die ihren Notwendigkeiten inklusive eines spezifischen Risikobewusstseins entspricht. Das Ergebnis kann dann mal zur Public mal zur Private Cloud führen oder zu einer Mischung.

Wir lernen heute, dass eine „echte“ Cloud (Vorsicht Definition! ;-)

1. für alle über Internet erreichbar sein muss,

2. sie mindestens 250 Millionen Transaktionen pro Tag managen muss

3. dass alle Nutzer – gleich welcher Herkunft – dieselbe Leistung aus ihr bekommen.

Warum ich mich in die „echte“ Cloud begeben sollte, wo doch eine „unechte“ Cloud mir ein adäquates Pack an Vorteilen bringt, erschließt sich mir nicht. Und ebensowenig, warum eine „echte“ Cloud 52 Zähne haben sollte ;-)

Ich denke, ich starte jetzt eine Initiative für die „wahre“ Cloud und empfehle allen Puristen heute zum Ordnen der Gedankengänge auf youtube True as Steel aus der „echten“ Wolke.

Mit den besten Wünschen auf der Suche nach der wahren Wolke

Ihr
Martin Reti

 

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