Cloud wer?

Cloud Blog / 24. November 2010

“Mein Name ist Computing, Cloud Computing”. “Cloud wer?”

Wenn sich Cloud Computing als Träger der Lizenz zum Aufmischen der IT-Szene vorstellt, dann haben die einschlägigen Geheimdienste, Verzeihung, IT-Treibenden, (zumindest) eine (grobe) Vorstellung, was sich hinter dem Modebegriff verbirgt. Und Sie haben sich auch schon für eine Zuordnung in die Schublade „Hype – auch diese Krankheit wird vorübergehen“ oder „neues Paradigma – nichts wird mehr sein wie vorher“ entscheiden.

Aber wenn wir diese ökologische Nische verlassen, dann wird es dünn mit der Kenntnis. Hach, ist es nicht amüsant zu sehen, wie wir IT-Ökologen annehmen, die ganze Welt drehe sich nur um unsere Hypes? Ist doch angenehm, gelegentlich wieder auf dem Boden der Tatsachen zu landen. Insbesondere, wenn wir behaupten, die ganze Welt wäre einem fundamentalen Wandel unterworfen – durch Cloud Computing. Manchmal ist es ja vielleicht ganz gut, wenn das Volk nicht weiß, was passiert. Siehe Castor und Stuttgart 21.

Laut einer Kurzumfrage von HP können von etwa 1000 Privat-IT-Nutzern nur circa 60 etwas mit dem Begriff anfangen. 6 Prozent – weniger als Ökostrom im Strommix, aber immerhin etwa soviel Bio wie im Tankstellen-Diesel. Aber auf der anderen Seite hindert das die Befragten nicht daran, Cloud Computing zu nutzen: Beispielsweise nutzt insgesamt die Hälfte Nichtkenner einen E-Mailservice. Fazit: Man muss nicht kennen, was man verwendet.

Ein ähnliches Bild zeichnet die LIFE02-Studie, die die Telekom vor einigen Monaten publiziert hat: Unter den White collar-Workern, also Schreibtischtätern im Büro, erklärt immerhin knapp die Hälfte (47,6 Prozent), dass sie nicht weiß, ob in ihrem Unternehmen Cloud Computing eingesetzt wird. In den USA liegt der Prozentsatz übrigens höher als in Europa. Dort erklären 57 Prozent der Befragten, sie wüssten nicht, ob Cloud Computing im Unternehmen Einzug gehalten hat. In Deutschland sind das nur 40,8 Prozent.

Aber die Folgefrage muss doch auch lauten: Muss ich das wirklich? Für den einfachen Anwender, der nicht beantworten kann, ob seine IT-Services aus gepoolten Ressourcen mit rapider Elastizität erbracht werden, zählt doch nur eines: Dass das Gefühl bei ihm am Arbeitsplatz so ist, wie es immer war. Oder vielleicht sogar ein bisschen besser. Seine Wahrnehmung zählt.

 Fazit: Während wir uns über Definitionen den Kopf zerbrechen, können die meisten Menschen auch glücklich werden, ohne Cloud Computing zu kennen ;-)
Und das bedeutet einmal mehr: Nicht großspurige Erklärungen und Definitorik zählen, sondern der erfahrbare Nutzen – fürs Business und auch für den Endnutzer.

Mit besten Grüßen
Martin Reti

 

Kommentare


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  • Johannes Schmidt

    Ich denke, wir müssen zwischen “Privat-IT-Nutzern” und “IT-Treibenden” unterscheiden. Natürlich möchte der Anwender einfach nur Dienste nutzen ohne gleich die dahinter stehenden technischen Lösungen verstehen zu müssen. Er will, dass sein “E-Mail” funktioniert und will sich nicht mit den Unterschieden zwischen einem Exchange Server oder Lotus Notes auseinandersetzen. Ihm ist egal, ob die dazugehörigen Server von HP oder Sun kommen und unterm Tisch, im Keller oder am anderen Ende der Stadt stehen – oder eben in der Wolke. Und wenn sie nicht ständig Probleme mit SAP hätten, wüssten die meisten Nutzer vermutlich gar nicht, welche ERP-Software im Herzen ihrer Firma tickt.

    Aber wir IT-Experten müssen uns natürlich mit diesen Feinheiten auseinandersetzen; das ist unser Job. Und insofern ist es für uns sehr wohl wichtig, das wir bestimmte Verfahren, Architekturen, Paradigmen klar definieren, um in der täglichen Zusammenarbeit nicht immer wieder über unklare Begrifflichkeiten zu stolpern. Aber der Enduser (unser Kunde) sollte von alledem nichts mitbekommen. Und letztlich ist ja auch genau das eine grundlegende Eigenschaft von Cloud-Computing: das verbergen komplexer IT-Strukturen vor dem Nutzer. (Auch wenn dieser Nutzer, z.B. im Falle von IaaS, selbst ein IT-Treibender ist.)

    Letztlich sind wir da auch wieder bei der Diskussion, die wir anlässlich Ihres Artikels “It’s the Internet” geführt hatten: vor welchem Publikum benutze ich welchen Definitionslevel? Den “most basic level” für die Endanwender, Ausführungen über Elastizität und Virtualisierung für die IT-Fachleute.

  • Dr. Martin Reti

    Hallo Herr Schmidt,

    ich stimme völlig mit Ihnen überein. Auch die Angebote innerhalb des Clouduniversums richten sich ja an ganz unterschiedliche Kundengruppen mit unterschiedlichem technischem Hintergrund.
    Ich fand an der Tatsache nur interessant, dass wir in der IT-Branche auch gerne mal dazu neigen abzuheben (oder unseren Horizont für den allein Seligmachenden zu erklären). Für uns ist die Cloud die Welt, für Otto Normalverbraucher ist das uninteressant.
    Ist auch ein bisschen wie beim Nutzen des Autos: Ich muss den Motor nicht reparieren können, um es zu fahren (Gottseidank!) ;-)
    Also in diesem Sinne: Ich stimme völlig mit Ihnen überein und danke für dene Kommentar. So rundet sich das Bild ab ;-)

    Beste Grüße
    Martin Reti

  • Business-Cloud» Nachrichten » Löffeln Sie doch Ihre Cloud selbst aus!

    [...] eines E-Mail-Services. Fazit: „Denn sie wissen nicht, was sie tun“ – beziehungsweise nutzen. Lesen Sie dazu den heiteren Blogbeitrag von Martin Reti „Cloud wer?“ Und wenn Sie mehr über die wolkige Ahnungslosigkeit der Endanwender wissen möchten, dann [...]

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