Zweiklassengesellschaft

Cloud Blog / 21. September 2010

Das Internet: unendliche Weiten, wir schreiben das Jahr 2011. Dies sind die Abenteuer des Raumschiffs Cloudyprise, das unterwegs ist, um neue Welten zu erforschen, neues Leben und neue Zivilisationen. Die Cloudyprise dringt dabei in Galaxien vor, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat.

Ach, die unendlichen Weiten, in die die Enterprise aufbrach! Ein Traum. Der gemeine Nutzer träumt diesen Traum im Internet. Das Internet ist grenzenlos frei, und dabei absolut basisdemokratisch: Jeder ist gleich. Alle haben die gleichen Rechte und Möglichkeiten – außer in China vielleicht.

Die Neutralität und Gleichheit aller Nutzer hat das Internet groß gemacht. Auf der anderen Seite erweist sich genau dieser Vorteil und Cloud-Promotor jetzt als Pferdefuß für Unternehmen, die sich in der Cloud engagieren wollen.

Denn nur die wenigsten Cloudprovider haben beim Aufbau des Netzes mitangepackt. Als Regel darf gelten: Sie setzen sich ins gemachte Nest und nutzen eine Basis, die die Netzbetreiber geschaffen haben. Aber Cloud Computing funktioniert halt nur als Gesamtangebot, als Kombination von IT-Service und TK-Infrastruktur. Wer hat nun das Sagen? Der Autohersteller (Cloud Service) oder der Straßenbauer (Netzbetreiber)? Sehen wir womöglich das Ende der stillschweigenden Kooperation?

Oder könnte ein Netzbetreiber, der auch Cloudanbieter ist, auf die Idee kommen, seinem Service ein Blaulicht anzuheften und ihm so Vorfahrt im Netz zu verschaffen? Uh, ich höre die Entsetzensschreie der auf den Standstreifen gedrängten Sportwägelchen und Luxuslimousinen schon. Vielleicht dürfen dann im nächsten Schritt die Luxuslimousinen gegen ein Zusatzentgelt („Netzprioritätsabgabe“) auch fahren, wo andere stehen? Willkommen in der Zweiklassengesellschaft.

Konsequenterweise ist in den USA (wo sonst?) bereits der Streit darüber entstanden, wer sich welchem Happen vom schnappen darf: der Streit um die Netzneutralität. Auch in Deutschland entstehen Initiativen dazu.

Aber absehbar ist, dass der eherne Grundsatz des „Jeder mache, was er will und soviel er kann“ an seine Grenzen stoßen wird. (Soviel übrigens zum grünen Moment des Cloud Computing). Entweder stellen sich Anbieter und Nutzer von public Cloud Services darauf ein, dass die Qualität sinkt oder aber sie überreden die Netzbetreiber die Kapazitäten zu erhöhen. Oder die Nutzer flüchten in die relative Geborgenheit einer privaten Cloud mit festgeschriebenen SLAs. Das wäre natürlich auch ein fesches Feature für eine Community Cloud.

Die Idee für den Blog habe ich meinem Kollegen Pauly dreist gestohlen. Aber der ist gerade in London auf dem Gartner Outsourcing & IT Services Summit und ist dort so beschäftigt, dass er meinen Vorstoß nicht unterbinden kann. Ah, ich liebe die Möglichkeiten des User Self Service ;-)

Ich entfleuche jetzt auf den Jahreskongress der DSAG. Irgendjemand meinte, ich sollte dort Erheiterndes zu Cloud Computing von mir geben. Wenn Sie sich beeilen, können wir heute nachmittag in Nürnberg diskutieren ;-)

 Mit besten Grüßen
Ihr
Martin Reti

 

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