Auch, wenn ich mich jetzt als “Digital Ignorant” oute. Hin und wieder lese ich auch schon mal eines der klassischen Medien mit jahrhundertealter Tradition. Genauer gesagt, ich greife ab und zu mal zur Zeitung. Was ich da in einer, ich muss zugeben, etwas älteren Ausgabe der Zeit fand, ließ mich aufschrecken.
Alleine die Überschrift schon: “Wichtige Rechner müssen vom Netz!” verursachte bei mir reichlich Unbehagen. Ein Dorn im Fleisch des Cloud Computing Freundes. Der Autor äußerte sich natürlich zu Sicherheit und schützenswerten Daten … also Ansprüchen, die Unternehmen und Privatpersonen gemein haben. Dabei wurde, was auf den ersten Blick absolut sinnvoll erscheint, eine Trennung kritischer Rechnersysteme vom “allgemeinen” Netz und die Errichtung von Insellösungen propagiert.
Computer ohne Zugriff auf’s Internet. Computer, die sich nicht untereinander austauschen. Computer ohne soziales Umfeld oder Netzwerk. Geht das überhaupt noch? Darf so etwas überhaupt noch sein?
Natürlich geht das, werden Sie sagen. Früher in der “guten alten Zeit” ging es ja auch. “back to the roots” sozusagen. Oder besser gesagt, “back to stone age”. Also, machbar ist das schon, sogar sehr einfach. Aber ergibt es einen Sinn? Welche Daten sind so wichtig, dass sie nie in Berührung mit anderen kommen dürfen? Und worum geht es wirklich? Darf niemand die Daten sehen bzw. lesen?
Was macht Daten wertvoll? Gibt es nicht Daten und Informationen, die wir einfach so (und natürlich freiwillig und kostenlos) bei unserem Ritt durch das Internet hinterlassen, die viel wertvoller sind als ein paar “statische” Informationen? Von diesen Daten, die oft zufällig (und natürlich völlig unbeabsichtigt) erhoben werden, leben ganze Unternehmen.
Dabei sind Daten wie Obst. Wenn sie frisch sind, sind sie begehrt. Je älter sie werden, desto weniger Interesse besteht an ihnen. Ihr Haltbarkeitsdatum läuft ab: Sie vergammeln und werden irgendwann sogar nicht nur sinnlos, sondern irreführend und verfälschen damit Aussagen sogar.
Neulich beispielsweise schickte ich einen ehemaligen Studienkollegen ein Mail an eine Adresse, die ich im Internet fand. Antwort habe ich bisher noch keine bekommen. Und ich unterstelle mal, dass seine Nichtantwort nicht mit mir als Person zusammenhing. Nachtelefonieren bestätigte dies: “Max – der ist schon seit drei Jahren nicht mehr hier am Institut”. Sein Postfach ist offensichtlich schon längst aufgegeben, Spam lagert sich in den Ritzen der Ruine, dazwischen meine Einladung zum Umtrunk. Die Internet-Putzkolonne oder Abrisskolonne ignoriert die Ruine gelassen.
Das Netz vergisst nichts – und hält natürlich auch jede sinnfreie Information für immer fest. Wäre mal interessant zu erfahren, wieviel Netzinfos überaltert bzw. mittlerweile falsch sind. Das wäre doch mal ein grüner Beitrag, wenn wir, sagen wir, 10 Prozent aller Daten einsparen könnten.
Mein Fazit: Nicht nur die IT ändert sich im Cloud-Zeitalter. Auch der Wert von Informationen und Daten. Wo früher Adressen und Geburtsdaten als “wertvoll” angesehen wurden, da zahlen heute Firmen für Informationen über das Nutzer- oder Kommunikationsverhalten von potenziellen Kunden.
Aber sollten deshalb Computer generell vom Netz genommen werden? Deshalb vielleicht nicht. Es gibt Daten und Anwendungen, die besser von der Welt und der Cloud abgeschottet werden. Aber die Möglichkeiten des Internets und letzten Endes von Cloud Computing nicht zu nutzen?
My home is my castle ist ganz schön. Aber wenn man bisweilen Besuch hereinlässt, der willkommene Geschenke mitbringt, kann das auch ganz nett sein – auch wenn der nachher weiß, wo bei uns die Toilette ist.
Das krasse “Ich will nichts mit Euch zu tun haben” ist sicher die einfachste Lösung, die beste für den geborenen Paranoiker. Natürlich ist es komplexer, sich auf das Wagnis Cloud Computing einzulassen und sich Gedanken über Sicherheit dafür zu machen. Dazu braucht man Köpfchen und Erfahrung. Aber auch hier lernen wir jeden Tag dazu – auch durch die Wolke.












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