Hase und Igel

Cloud Blog / 15. Dezember 2009

“Bin schon da!”, rief der Igel  frohgelaunt und voller Energie dem Hasen zu, der ihn daraufhin um Revanche bat. Sie wissen, wie´s endete: Der Hase blieb dennoch zweiter Sieger.

Was die IT-Branche angeht, ist es genauso. Nur, dass niemand uns Europäer mit einem Hasen vergleichen würde. Dann eher schon mit dem Igel. Nicht weil der der Gewinner war, sondern weil er sich so gut … einigeln kann.

IDC sagte bereits in seinem letzten Jahresausblick voraus, dass sich der Wettbewerb zwischen den Nationen um IT Service Delivery (und IT Skills) verschärfen würde. Vor wenigen Tagen waren sich die Analysten noch unsicher, ob diese Prognose eingetroffen sei. Aus der Cloudperspektive können wir ein klares Urteil fällen.

Die Musik spielt eindeutig in den USA. Die etablierten Cloud Computing Anbieter machen den Trend, geben die Schlagzahl vor und wir Europäer plappern nach, was über den großen Teich schwappt.

“Nennen Sie mir mal einen typischen Anbieter von Cloud Computing”. Die Antwort auf die Frage könnte schon in Trivial Pursuit verarbeitet werden: “Amazon, Google … Microsoft? … hmmm” … ich wage es noch, Apple zu ergänzen – ein Unternehmen, das ich in den letzten Monaten vom Radar verloren habe. Ein Unternehmen, das sich aber anschickt, sich auch eine ordentliche Schnitte vom Cloud-Kuchen abzuschneiden.

Während IDC beispielsweise ein steigendes Interesse an Outsourcing in Europa prognostiziert, ist man in der englisch-sprachigen Welt wieder einen Schritt weiter – die nächste Generation des Outsourcing kommt aus der Cloud.

Während wir uns also mit dem Gedanken anfreunden, grundsätzlich mal IT an Fremdfirmen auszulagern, wird in den USA das Spielfeld für ein neues Spiel bereitet. Ein Spiel übrigens, in das sogar die US-Regierung massiv investiert.

Man munkelt, es sollen Clouds für Entwicklungsländer entwickelt werden. Mir liegt hier ein politisch sehr inkorrekter Kommentar auf der Zunge, den ich mir ersparen werde, damit die Server, die dieses Blog hosten, nicht wegen begründeten Terrorverdachts konfisziert werden …

Aber das ist ja zum Glück nicht möglich. Wir leben ja in Europa, dem El Dorado der Datensicherheit. Das könnte unser Alleinstellungsmerkmal im Kampf um die Cloud werden. Und was machen wir mit unserer Trumpfkarte? Wir werfen sie weg.

Am Tag, bevor über den Lissabon-Vertrag das Europa-Parlament für derartige Fragestellungen ermächtigt wird, winken die EU-Innenminister das Swift-Abkommen durch und gestatten den USA den Zugriff auf europäische Banktransaktionen. Natürlich nur bei begründetem Terrorverdacht.

Interessant ist die Hintergrund-Geschichte, die das Abkommen erst nötig machte: Der globale Bankdienstleister Swift wird seine(n) Server für die europäischen Banktransfers aus den USA in die Niederlande verlagern. Warum wohl? Ein Schelm, wer Böses dabei denkt …

Ob wir bei einer Serververlagerung (wie auch immer die vonstatten gehen mag) über Cloud Computing sprechen, sei mal dahingestellt. Die Implikationen dieser Entscheidung für Cloud Computing aber liegen auf der Hand.

Einen Kontinental-Kampf um die Cloud? Den wird es wohl nicht geben. Der Sieger ist schon gekürt. Und das wird in diesem Fall nicht der europäische Igel sein, der seine Stacheln aus Goodwill versetzt. Aber wer weiß: Vielleicht liegt da noch ein asiatischer Tiger auf der Lauer?

Wenn Sie von mir nichts mehr hören oder lesen sollten, dann könnte es an Weihnachten liegen oder aber …;-)

Einen schönen Ausklag der Adventszeit und eine ruhiges Jahresende wünscht Ihnen

Martin Reti

 

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