Wolken-Waschanlage

Cloud Blog / 13. November 2009

Ich gebe es offen zu: Gestern habe ich wieder ein neues Wort gelernt. Wenn das so weitergeht, gebe ich bald einen eigenen Cloudduden heraus. Bei der gestrigen Neuerscheinung handelte es sich um das Wort Cloud Washing. Es fiel auf dem Entscheiderforum Outsourcing des Bitkom.

Zunächst gingen mir die Töne von Car wash durch den Kopf. Im zweiten Schritt dachte ich an eine Autowaschanlage und dann an die Jungs, die jetzt verklagt werden, weil sie splitterfasernackt in einer solchen “duschten” – dabei fotografiert oder gar geyoutubet von ihren Freundinnen.

In Wirklichkeit, so klärte mich der Referent Ralf Zenses auf, handelt es sich um eine Art Vortäuschungstatbestand. Im Gegensatz zum ersten Bild, das in den Kopf kommt, handelt es sich nämlich nicht um ein reinigendes Waschen, sondern eher ein Verwaschen, oder besser Verwischen.

IT-Anbieter waschen ihre angestammten Produkte jetzt im Cloud-Waschgang. Will meinen: Cloud ist so chic, dass es zu einer Modedroge avanciert. Natürlich möchte sich jeder Anbieter mit Cloud brüsten. Aber es ist eben nicht überall Cloud drin, wo Cloud drauf steht. Und dann werden bisweilen neue Etikette drangehängt.

Und ebenso natürlich bietet Cloud Computing ja massenweise Ansätze, damit sich jeder selbst zu der Party einladen kann: Die einen sehen die verbrauchsabhängige Abrechnung als Topkriterium, die anderen die automatisierte Produktion, andere die Echtzeit-Bereitstellung etc. Neulich war sogar als Killerkriterium aus Analystenkreisen zu vernehmen, dass die Abrechnung per Kreditkarte erfolgen solle.

Mein Vorschlag: Let´s all do the Cloud Wash. In zwei Jahren haben wir dann nur noch Cloud-Angebote, egal wie individuell der Service oder wie antiquiert die Produktion. Das ist zwar einem einheitlichen Verständnis nicht zuträglich. Aber der potenzielle Nutzer kommt ohnehin nicht umhin, sich mit dem Angeboten konkret auseinanderzusetzen.

Und dann zeigt sich, was das (vermeintliche) Cloud-Angebot wert ist. Cloud ist aus meiner Sicht ohnehin kein Qualitätskriterium per se.

Wenn im Geschäft Vorteile mit dem jeweiligen Angebot generiert werden können – Cloud hin, Cloud her –  ist es egal, welches Label drangeklebt wird. Dann wird der Kunde auch zugreifen. Oder nicht?

 

Kommentare


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  • [BLOCKED BY STBV] Server in den Wolken

    Cloud Washing…

    Der Buzz um Cloud Computing reißt nicht ab, Martin Reti berichet von einem neue Stern am Himmel.Cloud Washing, Ralf Zenses sprach beim “Entscheiderforum Outsourcing” von diesem neuen Buzzword. Allerdings will er damit ehr denn Buzz um Cloun…

  • Fabian Hefner

    Das von Ihnen beschriebene Cloud-Phänomen und der Hype darum bestätigt, meiner Ansicht nach, einmal mehr die Richtigkeit des Gartner Hypecycles (http://www.gartner.com/it/page.jsp?id=1124212), welcher derzeit Cloud Computing auf seinem Zenit sieht.
    Ich bin gespannt, ob schon bald das prognostizierte “Disillusionment” eintritt und sich der Hype um Cloud Computing in ein produktives, von Marketing Slogans befreites, Angebot wandelt und somit das in Ihrem Artikel beschriebene “Cloud Washing” ein Ende hat. Ich bin der Meinung, dass Cloud Computing, erhebliche Vorteile, vorallem unter Flexibilitätsgesichtspunkten bietet, jedoch sollte man, wie von Ihnen beschrieben, auf dem Boden der Tatsachen bleiben und nicht durch “Marketing-Geplänkel” versuchen, Produkte in den Markt zu drücken, welche keinen Neuigkeitscharakter aufweisen. Eine einheitliche Definition von Cloud Computing wäre zur besseren Identifizierbarkeit von “Cloud Washing” sicherlich auch hilfreich, diese scheint aber noch nicht gefunden zu sein…

  • Dr. Martin Reti

    Hallo Herr Hefner,

    der Gartner Hype Cycle beruht ja u.a. auf der Analyse der Presse zu einem Thema. Insofern stecken wir tatsächlich mitten drin in den überzogenen Erwartungen. Wir werden wohl nächstes Jahr das Ausreifen sehen und die tatsächlichen Möglichkeiten, insbesondere im Business klarer sehen können. Aber selbst wenn nur wenig übrigbleiben sollte, hat Cloud Computing der IT-Branche einen gewaltigen Impuls verschafft.

    Mit Gruß
    Martin Reti

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