Hermann Hänle
7. August 2015 0
Automotive

Industrie 4.0 und die Smart Factory – automobiler Wunschtraum?

16,4 Millionen Treffer bei Google und doch: „Industrie 4.0? Nie gehört!“ – das Urteil der produzierenden Industrie über das von Politik und IT-Branche heiß geliebte Schlagwort fällt ernüchternd aus. Nimmt man allein die Ergebnisse des kürzlich erschienenen Telekom-Sicherheitsreports als Maßstab geht die nächste Stufe der industriellen Evolution an Deutschland vorbei. 82 Prozent der knapp 1.400 Befragten hörten den Begriff „Industrie 4.0“ während des Studien-Interviews zum ersten Mal. Allerdings – das muss ich der Fairness halber erwähnen – befragte Allensbach repräsentativ quer durch die deutsche Bevölkerung ab 16 Jahren.

Industrie ausreichend sensibilisiert für Industrie 4.0?

Nimmt man als Befragungsgruppe hingegen – wie der Bitkom zur Hannovermesse – Führungskräfte in den industriellen Kernbranchen, ergibt sich ein anderes Bild: Hier wissen zwei Drittel über das „heiße“ Thema Bescheid, lediglich 32 Prozent haben bislang noch nichts gesehen oder gelesen. Zu den industriellen Kernbranchen zählt der Bitkom die Automobilbranche, den Maschinenbau, die chemische und die Elektroindustrie. Nichtsdestoweniger sind auch 32 Prozent immer noch ein gerüttelt Maß an Nichtkennern.
Demgegenüber muten die 40 Milliarden Euro, die deutsche Unternehmen in Fabriken der Zukunft investieren wollen, doch recht imposant an. Wir halten fest: Die Digitalisierung macht auch vor den Stätten, in denen ganz handfeste, nicht-virtuelle Dinge produziert entstehen, nicht Halt.

Die Smart Factory entsteht

Wo Europa von Industrie 4.0 redet (nach den Schritten Dampfmaschine (1.0), Serienfertigung (2.0), Automatisierung (3.0)), spricht Amerika von Smart Manufacturing. Und das erläutert sehr viel besser, worum es geht: um Intelligenz. Und das ist angesichts einer Welt, in der sogar Wäsche, Heizungen, Grills, Brillen usw. vernetzt sind, als ein logischer Schritt für die produzierende Industrie.
Die Smart Factory treibt den Ansatz der Vernetzung weiter. Maschinen, Betriebsmittel, sogar Werkstücke bekommen ihre eigene Intelligenz, treffen autonom Entscheidungen und werden damit Partner des Menschen. Das geht nicht ohne zusätzliche Sensoren und Kommunikation. Das Werkstück verkündet per QR- oder Barcode, wie es verarbeitet werden soll, Maschinen stellen sich auf Aufgabe und Werkstück ein oder melden, dass sie gewartet werden wollen. Betriebsmittel melden über Lokations-Tags, wo sie sich gerade befinden und steuern dorthin, wo sie als nächstes gebraucht werden. Erinnerungen an einen Ameisenbau werden wach ;).

Die Mischung macht’s: autonom, zentral und vernetzt

Autonome Entscheidungen sind aber nur eine Seite der Smart-Factory-Medaille. Die andere: das Herz der Produktion, ein (schon lange bekanntes und bewährtes) zentrales Steuerungssystem beginnt über seine Grenzen zu blicken: zum einen redet es mit den betriebswirtschaftlichen Systemen, insbesondere dem ERP-System, zum erhält es einen Analytik-Appendix. Damit entsteht nicht nur eine enge Verbindung zwischen den Kollegen mit weißem und blauen Kragen, sondern auch ein Echtzeit-Einblick in den Status der Produktion – mit den entsprechen Möglichkeiten, schnell auf nicht vorhersehbare Einflüsse zu reagieren oder die Herausforderungen einer individualisierten Produkt-Nachfrage (bis hin zur Losgröße 1) aufzunehmen.
Die gekonnte Mischung aus zentraler und dezentraler Intelligenz macht Fabriken „smart“. Und auf diesem Nährboden reifen bekömmliche Business-Früchte: Eine Studie aus den USA zeigt, dass 82Prozent aller „smarten“ Produzenten ihre Effizienz verbessern und 49 Prozent ihre Produktionsqualität verbessern. Eigentlich Grund genug, über eine „Smartisierung“ von Fabriken nachzudenken – auch in der Automobilbranche.
p.s.: Die Telekomstudie finden Sie hier zum Download

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