Anette Bronder
16. September 2015 0
Automotive

IAA: Wird echt Zeit für Echtzeitlösungen im Auto

Bei der 66. Ausgabe der Internationalen Automobilausstellung (IAA) ist diese Woche erstmals auch die Telekom als Aussteller dabei. Wer hätte das gedacht? Und wer hätte vor zehn Jahren gedacht, dass ausgerechnet Google das erste selbstfahrende Auto auf die Straße bringt? In der Automobilbranche gibt es gerade viele Überraschungen.

Inzwischen sieht jedes zweite Unternehmen aus der Automobilbranche große Digitalunternehmen als Konkurrenz an. Daran erkennen Sie, wie schnell die Digitalisierung Branchen umkrempelt – und auch zusammenwachsen lässt. Ich sage es mal ganz deutlich: Ohne Echtzeitlösungen aus der Telekommunikations- und IT-Branche geht in Zukunft gar nichts mehr.

Das Auto der Zukunft ist immer online; spricht sich mit anderen Verkehrsteilnehmern und der Umgebung ab, schaltet im Winter noch vor unserer Ankunft die Heizung daheim an, öffnet uns das Garagentor und unterhält uns auf der Fahrt mit neuesten Filmen aus der eingebauten Online-Videothek. Genau solche Echtzeit-Services zeigen wir mit Partnern wie BMW, VW oder Daimler auf der IAA. Die Basis für neue digitale Geschäftsmodelle ist aber nicht nur ein schnelles Netz, sondern auch leistungsfähige Cloud-Plattformen und sichere Datenanalyse-Tools. Die Telekom bietet das alles aus einer Hand und ist genau deshalb ein wichtiger, strategischer Partner für die Autoindustrie geworden.

Beim Netz höre ich oft die Frage: „Habt ihr wirklich schon die Kapazitäten, um diese Datenmengen in Echtzeit zu bearbeiten?“ Die Antwort darauf ist ja und nein. Für die jetzigen Bedarfe sind wir gut gerüstet. Die deutschen Autobahnen sind weitgehend mit 3G versorgt und die LTE-Abdeckung liegt bei 85 Prozent der Bevölkerung.

Wenn aber – laut Gartner – bis 2020 jedes fünfte Auto weltweit vernetzt ist, müssen hunderttausende Terabyte von Daten sicher über das Mobilfunknetz laufen. Dann muss auch grenzüberschreitend ein entsprechend leistungsfähiges, hochsicheres Netz da sein. Wir bauen das LTE-Netz deshalb kontinuierlich aus – nicht nur in Deutschland. In fünf Jahren werden wir unsere Netze in zehn europäischen Ländern zu einem leistungsfähigen, gemeinsamen Europa-Netz verbunden haben. Zusätzlich arbeiten wir an neuen Mobilfunkstandards wie 5G.

Neben schnellen Netzen braucht autonomes Fahren aber auch zuverlässige Echtzeit-Analysen von relevanten Verkehrsinformationen. Dazu sind herstellerunabhängige Plattformen nötig; ein System, das die Sprache aller Autos versteht und mit allen kommunizieren kann. Je größer dabei die Datenbasis, desto genauer und fehlerfreier sind die Aussagen. Ein soeben entstandenes Stauende kann beispielsweise in Echtzeit an alle herannahenden Fahrzeuge gefunkt und unfallvermeidende Bremsvorgänge ausgelöst werden.

Noch aber haben wir diese einheitliche Sprache nicht. Noch experimentieren Hersteller zu viel alleine, anstatt sich zusammenzutun und der neu entstandenen Konkurrenz wie Google und Apple mit gebündelter Kraft Paroli zu bieten.

Ein erster Schritt in die richtige Richtung war der Zusammenschluss von Audi, BMW und Mercedes beim Kauf des Nokia-Kartendienstes Here. Jetzt geht es darum, dass sich die großen Automobilkonzerne auf einen herstellerunabhängigen Plattformstandard einigen.

Die Karten für die Automobilbranche werden in Deutschland gerade neu gemischt. In den USA hat das Spiel schon begonnen.

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