Hermann Hänle
28. Juni 2017 0
Automotive

Das Product Lifecycle Management ist tot – es lebe PLM!

Product Lifecycle Management (PLM) – wenn das Verantwortliche in der Automobilbranche hören, schlagen sie die Hände über dem Kopf zusammen. Denn die Einführung und der Betrieb sind nicht eben billig. Dazu kommt, dass jedes zweite PLM-Projekt scheitert – so zumindest urteilen Experten.

Doch sie küssten und sie schlugen sich – die Furcht oder gar die Abneigung gegen PLM ist gegenwärtig, doch jeder weiß, dass Entwicklungsprojekte in tayloristischen oder gar vernetzten Strukturen ohne PLM nicht gelingen werden. Und jetzt auch noch das Internet der Dinge. Hat das Implikationen für PLM? „Oh ja“, sagen die Autoren eines Thesenpapiers zur Zukunft des Product Lifecycle Management.
Die PLM-Experten rechnen darin ein wenig mit der PLM-Realität ab und stellen 22 Thesen auf, wie sich Product Lifecycle Management entwickeln muss, um zukunftsfähig zu werden. Ihre Hauptaussage – so wie ich es verstehe – lautet: In einer Umwelt, die durch Vernetzung immer mehr Interaktionen und Abhängigkeiten erzeugt, muss auch PLM dem Anspruch einer ganzheitlichen und vernetzten, dabei dynamischen Unterstützung des Product-Lifecycle-Prozesses dienen. Die Digitalisierung (allem voran in der Ausprägung Internet of Things) beeinflusst auch PLM und PLM-Werkzeuge.

Neue Ansprüche an Product Lifecycle Management (PLM)-Systeme
Dazu müssen sich PLM-Systeme verändern. Sie müssen Menschen verschiedener Disziplinen zusammenführen, sie müssen aggregieren und (im Unternehmen) verteilte Daten zusammenlinken – zu einem digitalen Master. Diese durchgängige Digitalisierung führt Daten aus Entwicklung, Fertigung und Betrieb zusammen. Was der ursprünglichen Zielsetzung von PLM entspricht. Zudem behandeln PLM-Systeme heute (die immer bedeutsameren Aspekte) Elektrik/Elektronik-Entwicklung, Software-Entwicklung und Dienstleistungsplanung stiefmütterlich. Noch immer liegt der Fokus stark auf der Mechanik. Was spitze Zungen zu der Schlussfolgerung verleiten könnte, dass PLM an einem Autobild von vor 100 Jahren festhält.
Gleichzeitig entdecken die Autoren für PLM-Systeme die Themen Open Source und Usability. Die IT-Tools sollen nicht nur Prozessbefindlichkeiten bedienen, sondern sich an den Bedürfnissen ihrer Nutzer orientierten. Und die Möglichkeiten ausschöpfen, so dass Kreativität gefördert wird – durch Vernetzung von Ideen, aber auch durch künstliche Intelligenz (ein mitdenkendes System).

Datenmüll?
Allesamt nachvollziehbare und aus meiner Sicht zielführende Impulse, denen sich die Anbieter von PLM-Lösungen stellen müssen. Alleine einer These möchte ich widersprechen: „Datenmüll muss entsorgt werden“. In Zeiten von Big Data von Datenmüll zu reden, halte ich für mutig. Allein die Menge anfallender Daten kann heutzutage jedoch kein Argument mehr sein, sich freiwillig von Daten zu trennen. Denn auch in Misserfolgen liegen Erkenntnisse – und womöglich verschaffen Big-Data-Analysen der angesammelten Erkenntnisse tatsächlich noch weitere Einblicke. Die Alternative zum Löschen wäre simpel: Cloud-Speicher ist heute günstig wie nie. Schon teilweise für Centbeträge können etliche Gigabyte langfristig sicher gespeichert werden – sowohl was die Verfügbarkeit als auch den Schutz vor unbefugtem Zugriff angeht. Verglichen mit den Kosten für ein PLM-System ist das ein Klacks.

PLM aus der Cloud
Apropos Kosten. Zu Recht fordern die Autoren des Thesenpapiers, dass PLM kostengünstiger werden muss. Sie fordern neue Geschäftsmodelle wie as-a-Services-Varianten, die die Total Cost of Ownership senken. Eine Abkehr von Lizenzierungs- hin zu Servicemodellen, die nur die tatsächliche Nutzung in Rechnung stellen. Und Systeme, die automatisch die aktuelle Version vorhalten. Das ist ebenfalls der Schritt in die Cloud, wo PLM als SaaS bedarfsgerecht verfügt wird. PLM aus der Cloud? Ich bin mir sicher, dass ich davon schon gelesen habe 😉 Wenn Sie einen Live-Blick auf die Lösung werfen wollen, dann kommen Sie gerne bei uns am Stand auf dem EDM CAE FORUM in Stuttgart vorbei. Und Geheimtipp: Dort werden wir auch Voucher für ein Startguthaben ausgeben, so dass Sie die PLM Cloud unverbindlich ausprobieren können.
Und wenn Sie sich auch an der PLM-Diskussion beteiligen wollen – fühlen Sie sich eingeladen.

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