Hermann Hänle
2. Oktober 2015 0
Automotive

Auto der Zukunft braucht digitale Infrastrukturen

Wir schreiben das Jahr 2015, exakt den 1. Oktober 2015. Es startet in Berlin der Kongress der Automobilwoche, der zum Ziel hat, einen Bogen zu schlagen zwischen den aktuellen Herausforderungen und den Zukunftsvisionen der Automobilindustrie – so zumindest deute ich das Motto „zwischen Digitalisierung und Deckungsbeitrag“. Hier werden Gedanken zwischen OEMs, Zulieferern und Händlern ausgetauscht über das anbrechende digitale Zeitalter.

Passend dazu: In der Automotive Lounge zeigt die T-Systems ihre Vorstellungen zur Digitalen Infrastruktur anhand von konkreten Use Cases zur Unfallvermeidung und Stauverringerung. Ein Audi warnt einen nachfolgenden Mercedes vor Blitzeis. Die Zutaten dazu sind eine Digitale Infrastruktur – ein starkes Netz und eine performante Plattform, auf der Daten in quasi Echtzeit „gematched“ werden. Gleichzeitig wird der „Match“-Tisch so die Pausendiskussionsplattform der Kongressteilnehmer an dem Ideen „gematched“ werden.

Connected Car

Automobil goes ICT

Einmal mehr illustriert auch der Titel des Kongresses, wo die Reise für die Automobilbranche hingeht – in Richtung ICT. Automobil und ICT wachsen zusammen, werden geradezu verwoben. Die ersten Früchte dieses hybriden Zeitalters nutzen wir schon seit Jahren. Das Auto wird ein stetig intelligenterer Wegbegleiter, der sich nicht nur immer mehr um unsere Sicherheit kümmert, sondern Reisen auch verstärkt zu einem Event machen möchte.

Fiktion und Realität der Automobilität

Doch was ist heute schon tatsächlich möglich? Und was ist – momentan zumindest – reine Fiktion, Wunschtraum der Mobilitätsvisionäre? Sicherlich hören auch Sie bisweilen dieses belehrende „Achtung!“ aus ihrem Navigationsgerät. Die Reaktion ihres „Beifahrers“ basiert aus dem Vergleich der hinterlegten Karten und den offiziellen Geschwindigkeitsvorgaben mit ihrer tatsächlichen Geschwindigkeit. In der Realität stellen sie aber fest, dass dieses bevormundende „Achtung“ nicht immer angemessen ist oder dass es sogar unterbleibt, wo es notwendig gewesen wäre. Die statische Reaktion auf den Verkehr stimmt laut Bauch in 90 Prozent der Fälle. Und damit bekommen wir einen guten Eindruck von dem, was reine Onboard-Systeme leisten können. Was aber, wenn wir einen besseren Überblick über die aktuelle Lage auf unseren Straßen hätten, der punktgenau auf uns zugeschnitten wäre? Ein Mensch leistet hier schon Großartiges als Fahrer – aber mit dem digitalen Assistenten an Bord ist noch Potenzial zu heben. Klaus Fröhlich, Entwicklungsvorstand bei BMW, betont in seinem Eingangsvortrag bei der Konferenz, dass es darum geht „dieses Potenzial gemeinsam und herstellerunabhängig zu heben – das ist kein Feld zur Differenzierung“. Der Kauf von NokiaHere durch Daimler, BMW und Audi „war nur der erste Schritt – zu einem europäischen Ansatz die digitale automobile Zukunft aktiv zu gestalten“, so Vorstandsvorsitzender Deutsche Telekom Timotheus Höttges vor den Kongressteilnehmern.

Fröhlich

Digitale Infrastrukturen ergänzen das Autofahren

Hier kommen digitale Infrastrukturen ins Spiel, die das Auto mit Informationen aus zusätzlichen Quellen versorgen, nicht nur aus mehr oder minder aktuellen Verzeichnisdiensten im Internet, sondern auch mit den Information aus der „Crowd“ der Autofahrer, die in meiner Nähe sind. Die möglicherweise schon Erfahrungen gemacht haben, die sie zu meinem Nutzen mit mir teilen können, beispielsweise: „Ich bin einen Kilometer vor Dir und hier ist ein schwerer Unfall.“ Oder: „Hier gibt es Blitzeis.“
Oder mein Auto macht eigene „Erfahrungen“, die es zum Nutzen anderer an digitale Infrastrukturen weitergibt: So könnte eine Onboard-Kamera aktuelle Geschwindigkeitsbeschränkungen scannen, beispielsweise an Tagesbaustellen oder geänderte Verkehrsschilder, und dieses Wissen weitergeben. So entsteht dann eine Art „Social Driving“, das unter dem Strich für alle Beteiligten höheren Komfort bietet und auch volkswirtschaftlichen Mehrwert erzielt.
Infrastruktur bedeutet in Zukunft damit nicht mehr nur Tankstellen, Straßen, Werkstätten, Parkplätze, sondern eben auch performante Netzanbindung und Rechenressourcen, die im Hintergrund ohne große Latenzerscheinungen arbeiten und mir zeitnah relevante Ergebnisse automatisch zukommen lassen. Gerne würde ich jetzt den Zeitsprung ins Jahr 2025 machen, von den Vorteilen der digitalen Entwicklung profitieren und auf einen erfolgreichen, gemeinsamen Weg der Autoindustrie zurückschauen, bei der die deutschen Hersteller eine Pionierrolle eingenommen haben.

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