Alle Beiträge von Joachim Klink

Joachim Klink
 

Kennen Sie Wertstromdesign? Value stream mapping? Diese DIN A 4-Bildchen in welchen Produktion und Logistik mit einfachsten Symbolen und ein paar Kennzahlen modelliert sind und wo sich immer ein paar Blitze finden um aufzuzeigen wo/was es zu verbessern gibt? Als Mike Rother diese Methode im Jahr 2000 nach Deutschland gebracht hat (ich war damals sein Kollege am Fraunhofer IPA) wurde er in der Automobilindustrie ziemlich belächelt. mehr

 
Joachim Klink
 

Die wirtschaftliche Dynamik in der Automobilbranche ist allgegenwärtig. Auf Kongressen werden die vielen strukturellen oder prozessualen Veränderungen geradezu gebetsmühlenartig vorgetragen. Die Fachbereiche erleben (und erleiden) eine nie gekannte Projektdichte und nicht zuletzt am Hoch und Tief des Bilanzerfolgs der einzelnen OEMs kann man die Dynamik sehr anschaulich analysieren. Es ist wie in der Formel eins, Stillstand ist Rückschritt und nach dem Rennen ist vor dem Rennen (oder so ähnlich;-)
Bei all dem Wandel gibt es jedoch auch einige Konstanten: Neben der Entwicklung von Toyota und der Performance von Porsche gehört der wirtschaftliche Erfolg des Ersatzteilgeschäfts bei OEMs in diese Kategorie. Scheinbar unabhängig von Konsum- und Produktlebenszyklen oder der aktuellen Wettbewerbsposition wird seit Jahren ein beträchtlicher Teil des Unternehmensergebnisses durch das Ersatzteilgeschäft erwirtschaftet. In manchem Fall hat dieses Geschäft dem betreffenden OEM die Bilanz gerettet.
Doch natürlich ist auch das Ersatzteilgeschäft keine frozen zone ohne Veränderung und der Dornröschenschlaf der 90er-Jahre ist lange vorbei. Die finanzielle Bedeutung des Ersatzteilgeschäftes wird schon seit Jahren verstärkt durch die Entwicklung zum „Downstream Business“. Diese Entwicklung kennen wir aus anderen Branchen, z.B. wird mit dem Verkauf von Druckern weniger Geld umgesetzt als mit dem Verkauf von Druckerpatronen und viele Handies sind sogar zum Nulltarif erhältlich wenn man einen 2-Jahresvertrag abschließt. Die Nutzungsphase des Produkts (in dem Falle Auto), das Serviceerlebnis des Besitzers wurde lange Zeit – im Grunde seit die Autos alltagstauglich sind – wenig beachtet, erlebt jedoch eine gewaltige Renaissance. Hier wird nicht nur Geld verdient, hier kann man auch Wettbewerbsdifferenzierung schaffen.
Neben der Qualität der Niederlassungen und Werkstätten ist die Ersatzteillogistik hierbei ein zentraler Erfolgsfaktor. Es geht um einen klassischen Zielkonflikt – die Verfügbarkeit an Teilen zu maximieren und gleichzeitig Bestände möglichst zu minimieren. Dass dieser Zielkonflikt durch aktuelle Branchenentwicklungen wie Zunahme der Variantenvielfalt, Globalisierung, kürzer werdende Produktlebenszyklen (insbesondere im Bereich E/E) nicht einfacher wird braucht sicher nicht betont zu werden – auch das Ersatzteilgeschäft hat sein „Päckchen“ zu tragen und steht vor großen Herausforderungen.
Beispielsweise deutet sich konzeptionell ein Trend zur Dezentralisierung an: Statt eines (weltweiten) Zentrallagers bilden mehrere Hauptläger das Rückgrat der weltweit verteilten Lagerlogistik. Global sourcing und die Tatsache, dass mehr als die Hälfte der Fahrzeug außerhalb von Deutschland (oder sogar der EU) ihren Käufer finden machen diese Entwicklung unabdingbar. In diesem Zuge wird auch gleich die Flexibilisierung der Prozesse verbessert. Statt eines restriktiven Korsetts aus wenigen, extrem auf Effizienz getrimmten, Prozessen wird Vielfalt wieder größer geschrieben. Um die stark schwankende und unvorhersagbare Bedarfssituation besser im Logistiknetzwerk abbilden zu können wird sowohl horizontal (auf gleicher Lagerstufe) als auch vertikal (zwischen Lagerstufen) die Anzahl möglicher Verfahren dramatisch erhöht. Wo früher beim Workaround oder Bypass die Todesstrafe drohte (oder ein Prozess aus systemtechnischen Gründen gar nicht ausgeführt werden konnte) werden heute Regelprozesse gestaltet.
Alle konzeptionellen und prozessualen Veränderungen ziehen natürlich einen Umbau der diesbezüglichen IT-Unterstützung nach sich und auch hier zeichnet sich ein klarer Trend ab: SAP-SPM (Spare Parts Management) entwickelt sich zum de facto Standard. Wie fast immer bei Standardwerkzeugen erleben wir einen parallelen Fortschritt von toolseitigen Möglichkeiten einerseits und zunehmender Erfahrung bei Anwendern und Systemintegratoren, wie man ein Standardwerkzeug erfolgreich einsetzt, andererseits.
Diese Trends stellen naturgemäß große Herausforderungen dar – sie sind ein Stück im Puzzle um die Performance im After Sales Geschäft und damit im zukünftig wichtigsten Prozess in der Automobilindustrie. Hat also wieder einmal der Spruch „Totgesagte leben länger“ Gültigkeit? Erweist sich das uralte und profane Thema Logistik als Evergreen und kritischer Erfolgsfaktor, der – wieder einmal – über Erfolg oder Scheitern eines Automobilunternehmens wesentlich entscheidet? Oder sind vielleicht die Ersatzteile doch nicht so wichtig, weil wir bald die Null Fehler Qualität und ewig haltbare Teile (auch Verschleißteile) erleben? Wie fällt die Renaissance des Ersatzteilgeschäfts aus? mehr

 
Joachim Klink
 

Ich will die jüngsten Entwicklungen bzgl. Tibet und der olympischen Spiele nicht kommentieren. Politik hat nun wirklich nichts in einem Automotive Blog verloren. Dennoch macht uns dieser aktuelle Anlass wieder einmal deutlich, wie dicht Licht und Schatten in China beieinander liegen und dass es meistens nur die selbstgewählte Perspektive (oder die der Medien) ist, welche die eine oder die andere Seite der Medaille in den Vordergrund treten lässt. Auch für die automotive Community gilt dies in Bezug auf einige ganz handfeste branchenspezifische Themen. Zunächst einmal kommen einem die unschlagbar scheinende Kombination aus paradiesischen Absatzchancen und Lohnkosten in den Sinn. Fast scheint es, dass China (dies gilt natürlich in ähnlicher Form für alle „emerging markets“) die Strategie bestimmt und man sich als Entscheider disqualifiziert, wenn man nicht im Chor der Enthusiasten das Hohelied anstimmt. mehr

 
Joachim Klink
 

Zugegeben, die CO2-Diskussion ist schon jetzt jenseits der sachlichen Auseinandersetzung. „Alles nicht beweisbar“ ist da noch die harmloseste – leider auch ziemlich törichte Position. Das ist in etwa vergleichbar mit einem Krebspatient der auf eine Operation verzichtet, weil der Arzt sagt „ich kann nicht 100% garantieren, dass sie gesund werden“. mehr

 
Joachim Klink
 

Was haben das „3 Tage Auto“, Zulieferwerke in China und JIS gemeinsam? Inhaltlich gesehen rein gar nichts, im Gegenteil, es sind Konzepte, die sich gegenseitig fast ausschließen. Aber sie haben dennoch eine große Gemeinsamkeit: Sie liegen im Trend – auch bei Premiumherstellern. mehr