eMobility lädt auch PLM auf

Automotive Blog / 12. Januar 2011

eMobility ist in aller Munde und mittlerweile zum aktuellen Hype-Thema in der Automobilbranche avanciert. Weniger bekannt ist, dass eMobility gravierende Folgen für die PLM-Funktionalität bei OEMs und Zulieferern hat. Auf den ersten Blick erscheint das unverständlich, aber …

… eMobility ist ja weit mehr als die Entwicklung eines neuen klassischen Fahrzeugmodells. Dadurch müssen auch die CAD- und PLM-Systeme neue Funktionalitäten bereitstellen. Die wichtigsten sind:

  • bereits heute liegt der Anteil der Elektrik-/Elektronik-Entwicklung im Fahrzeugbau bei mehr als 30% der Gesamtentwicklungskosten (bezogen auf das gesamte Wertschöpfungsnetzwerk). Er wird zu Lasten der klassischen Fahrzeugbauthemen weiter wachsen, weil bei eMobility weit mehr Funktionalität über Elektronik abgebildet wird, die Elektrik sich von einer Kabelbaumentwicklung hin zur primären Energieversorgung wandelt und die neuen Connectivity-Themen in die Fahrzeuge integriert werden. Für CAD und PLM heißt das: zu den mechanischen Feldern einschließlich 3D-DMU kommen Elektrik und Elektronik von der Funktionsentwicklung bis zu 3D-Kabelverlegung im Bauraum. Dabei sind im PLM-System vielfältige Abhängigkeiten zu prüfen. Die Automotive-Industrie kann hier einiges von Airbus lernen, dort hat man bei der A380-Entwicklung viel Lehrgeld zahlen müssen.
  • im Engineering-Umfeld kommen völlig neue Zulieferer hinzu, etwa die Telekommunikationsunternehmen und die Energieversorger. Collaborative Produktentwicklung für Automotive ist für diese Firmen neu und muss erst eingeführt werden. Bei T-Systems etwa sind bereits ganze Teams mit den Vorbereitungen hierzu beschäftigt. Die Standards für Datenaustausch und Zusammenarbeit sind noch gar nicht formuliert, die benötigten collaborativen Techniken sowie die Integration in die PLM-Systeme noch nicht verfügbar.
  • eMobility ist nicht nur Fahrzeugentwicklung sondern bezieht ganze Teile einzelner Volkswirtschaften sowie staatliche Aspekte ein (man denke etwa an geographische Voraussetzungen, Anpassungen diverser Gesetze und Verordnungen, politische Rahmenbedingungen). Daraus erwächst eine Vielzahl neuer Anforderungen an die künftigen Fahrzeuge selbst. Zudem sind die Fahrzeuge erst in einem spezifischen technischen Kontext (z.B. Ladestationen) nutzbar. Die PLM-Systeme müssen diese Aspekte abbilden, über zusätzliche Knoten in der Struktur, weitreichendes Anforderungsmanagement und die Integration externer Datenbanken. Hier kommt übrigens Systems Engineering ins Spiel, über das ich in diesem Blog schon mehrfach geschrieben habe. PLM-Produkte beherrschen all dies nicht.

Wie man sieht, kommen auf die Anbieter integrierter CAD-/PLM-Lösungen weitreichende Forderungen nach Weiterentwicklungen ihrer Funktionalität zu. Firmen, die heutige CAD-/PLM-Systeme einsetzen, werden um die Einführung dieser neuen Funktionalität nicht herum kommen. All das kostet Geld, viel Geld. In diesem Sinne ist eMobility für die PLM-Branche ein Wachstumsgarant.

Wie sehen Sie das? Hat Ihr Unternehmen im Engineering schon auf eMobility reagiert? Welche Wünsche haben Sie an PLM-Lösungen im Zeichen von eMobility?

 

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