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Im vernetzten Fahrzeug

Automotive Blog / 4. Januar 2011

Um es vorweg zu nehmen: dies ist keine Beschreibung einer Probefahrt im IP-fähigen Endgerät (aka Connected Car) und auch kein visionäres Szenario eines Berufspendler im Jahre 2020. Dies ist ein Erfahrungsbericht aus grauer Vorzeit vom Leben und Arbeiten in vernetzten Fahrzeugen .

Genauer: aus einem der damals etwas über 1.600 Innungsfunk-Taxen in Berlin vor 25 Jahren. Gemessen an der Gesamtzahl der Kraftfahrzeuge in der damaligen Mauerstadt waren das nicht viele, und natürlich waren sie auch nur in Ausnahmefällen (wie Silvester) gleichzeitig unterwegs, aber darum geht es nicht.  Bemerkenswert finde ich aber, wie komfortabel und angenehm es war, in einer Community zu fahren statt allein. Wie war das?

Wenn ich Fahrgäste in meinem 123er Daimler kutschierte (landläufig bekannt unter Mercedes Benz 200D, diese großen, bequemen, unverwüstlichen Schlachtrösser), stellte ich den Funk ab. Das Gequäkel nervte. Aber so bald ich allein war, war er ein Segen:

Zunächst wurden natürlich auf den Hauptkanälen Aufträge vermittelt, das war ja der Sinn der Sache. So kam man, wenn man an der richtigen Position war, an Fahrgäste. Aber da war noch mehr: Man erfuhr am Rande, wo gerade das Leben tobte: Taxen am Flughafen knapp, Philharmonie zu Ende, am Halteplatz Schlossstraße sind Fahrgäste, aber keine Taxen (im Jargon: “Titania Null und Gäste”), S-Bahn da und da ausgefallen (hoppla: so etwas gab es damals ja noch gar nicht, da fuhren noch zuverlässig die Wagen Baujahr 1927/28), usw.

Zusätzlich konnte man, obwohl Privatgespräche natürlich streng verboten waren, befreundete Kollegen orten, wenn sie nahe genug waren. Anders als das “Frollein” (auch die männlichen Vermittler hießen so), das überall empfangen wurde, konnte man andere Taxen nur ein paar hundert Meter weit hören. Dann konnte man kurz sagen “4830, komm mal auf 5″ und auf den Quatschkanal schalten, um sich zu einem Kaffee zu verabreden oder einfach nur auszutauschen.

Und schließlich gab es auch noch Sicherheitsaspekte: Wenn jemand einen Unfall mit Verletzten beobachtete, durfte er sogar den Vermittlungsfunk unterbrechen (“Frollein dringend: VU mit Kudamm Grolmann”). Es war auch erlaubt, kurze Hinweise auf Fahrzeugdefekte zu übermitteln: “5195, Du bist hinten links blind” (Rückleuchte ist defekt). Glücklicherweise nur einmal erlebt habe ich den Hilferuf eines Kollegen, der überfallen wurde: innerhalb von weniger als einer Minute waren fünf Taxen vor Ort und der Bösewicht lag am Boden.  Er freute sich richtig, als dasLalülala-Fahrzeug endlich kam.

Warum erzähle ich das alles?

Weil André Zarth, Leiter Marketing und Werbung beim ADAC, gesagt hat: “Apps im Auto sind in 10 Jahren so natürlich wie das Gaspedal”. Ich stimme Herrn Zarth voll und ganz zu. Apps werden uns ermöglichen, in Communities zu fahren… sicherer, bequemer, effizienter, lustiger als je zuvor. Wir werden nicht mehr allein unterwegs sein, auch wenn wir niemanden im Auto haben: unsere Freunde, Ratgeber, Helfer, Fans werden uns begleiten, wenn wir sie dabei haben wollen. Und wer dieses Gefühl erst einmal kennen gelernt hat, der wird sich fühlen wie der Taxifahrer vor 25 Jahren, wenn er aus der Droschke in seinen Privatwagen stieg:

Ziemlich einsam.

>> Zum App-Award der Deutschen Telekom: www.appfahren.de

 

Kommentare


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  • Alex @probefahrer Kahl

    Klasse Beitrag! Ich habe den einen oder anderen Taxifahrer im Bekanntenkreis von daher konnte ich einiges wieder erkennen.

    Und auch wenn es kein 123er war, habe ich mal eine Probefahrt mit einem Taxi gemacht http://bit.ly/taxi_prius

    Torsten vom taxi-blog.de wies mich dann hinterher per Kommentar drauf hin, welcher Vergehen ich mich gerade strafbar gemacht hatte, weil der Händler vergas, das gelbe Schild abzuschrauben und ich mit eingeschaltetem Taxameter UND einem Arbeitskollegen als quasi Fahrgast wieder auf den Hof kam ;)

  • Macht Social Network Nutzung im Auto Sinn?

    [...] Gestern kam über Facebook die Frage: Was sollte im Auto an Social Networks Nutzung möglich sein, was würde Sinn und/oder Spaß machen, ohne verkehrsgefährdend zu sein von Dr. Uli Lessmann (bei T-Systems verantwortlich für Marketing im Bereich Automotive und Vernetztes Fahrzeug und bloggt dort auch dazu – zuletzt einen interessanten Artikel zu Taxi – das vernetzte Auto). [...]

  • Jörn Hendrik Ast

    Wow sehr schön lebhaft beschrieben Uli! Da kommen einem doch gleich ein paar dutzend Ideen zu spannenden Apps. Wie viel spannender wäre es im Fahrzeug wohl wenn man seine wie auch immer sortierten Kontakte (Facebook, Skype etc.) parat hätte und quasi per Funk dabei hätte?
    Ich freue mich drauf! ;)

  • Katja

    Toller Beitrag! Und echt spannend! Ich würde sagen, in ein paar Jahren wird das Auto ihre Gestalt vollkommen verändern und zwar so, dass das Fahren nie mehr langweillig ist…

  • Peter

    Ich denke, dass das vernetze Auto in der Zukunft ein völlige Selbstverständlichkeit sein wird, darüber brauch man nicht mehr diskutieren. Auch brauch man nicht darüber diskutieren, dass so eine Vernetzung viele Vorteile, wie die Erhöhung der Sicherheit oder einen verbesserten Verkehrsfluss mit sich bringen werden wird. Wichtig scheint mir aber dabei der kleine Nebensatz im Artikel “wenn wir sie dabei haben wollen”. Solche Systeme müssen in meinen Augen immer so konzipiert werden, dass der Fahrer selber entscheiden kann, wann er “User” eines Systems, das zum Beispiel seine Position ortet um ihn vor Verkehrbehinderung zu warnen, und wann er “kein User” sein möchte, um zum Beispiel lieber “Inkognito” unterwegs zu sein!

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