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Trendwende bei Automotive PLM…?!

Automotive Blog / 9. Dezember 2010

Seit mehr als einem Jahr schaut die gesamte Automobilbranche wieder einmal auf die Daimler AG. Dort wurde untersucht, ob die PKW- und NfZ-Bereiche vom Einsatz der CATIA-Software auf die CAD/PLM-Lösungen der Siemens AG umsteigen sollen. Jetzt ist diese Entscheidung zu Gunsten von Siemens gefallen, siehe die Pressemitteilung der Siemens AG hier. Ganz überraschend kam diese Entscheidung für Experten nicht, wenngleich sich Dassault Systèmes überrascht und verärgert zeigt (vgl. hier). Was aber ist für die Branche an dieser Entscheidung so wichtig?

Die Daimler AG ist ja nicht der erste Automotive-OEM, der sich für die Lösung der Siemens AG entschieden hat. Der Einsatz der Teamcenter PLM-Lösung bei Volkswagen oder etwa der Umstieg auf das NX CAD-System bei Chrysler wurde nicht annähernd so beachtet und beobachtet. Aus meiner Sicht sind hierfür drei Gründe maßgebend:

1. Die damalige Mercedes-Benz AG hatte Mitte der achtziger Jahre mit der Entscheidung für die flächendeckende Einführung von CATIA als Standard-CAD-System den Startschuss für die digitale Produktentwicklung gegeben und über ihre Zuliefererbeziehungen die gesamte Automotive-Branche in Richtung CATIA orientiert. An diese Vorreiterrolle erinnert man sich auch heute noch.

2. Daimler plant die konsequente Nutzung der gesamten relevanten, aufeinander abgestimmten Produktpalette eines einzigen CAD/PLM-Softwarelieferanten, nämlich Siemens. Einen derartigen Gesamtumbau der IT-Landschaft für CAD und PLM hat es bei einem solch großen Unternehmen noch nicht gegeben.

3. Die Integration der Zulieferer-Netzwerke („Collaboration“) nimmt dramatisch zu und wird in wenigen Jahren eine völlig neue Stufe der Arbeitsteilung begründen. Es sind also Hunderte von Zulieferern betroffen, deren IT-Strategien und –Architekturen massiv beeinflusst werden.

Ist diese Situation nun ein „Erdbeben“ in der Automotive-IT-Landschaft oder gar eine Art von „Götterdämmerung“ für Dassault? Ich meine, nein. Alle CAD- und PLM-Anbieter setzen mittlerweile auf offene Architekturen und Standards gerade in der collaborativen Produktentwicklung. Dies sorgt für ein flexibles Miteinander heterogener IT-Infrastrukturen in einem Maße, wie es noch vor fünf Jahren nicht denkbar war. Auch hat man erkannt, dass die Optimierung der collaborativen Produktentwicklungsprozesse viel wichtiger als die Nutzung der gleichen Standard-Software ist.

Zumindest aber bleibt der harte Wettbewerb in der CAD/PLM-Branche bestehen, davon profitieren Kunden und IT-Dienstleister gleichermaßen. Und wer weiß: vielleicht gibt es deshalb bald in CATIA ein natives JT Open Modul … 

Wie denken Sie darüber?

 

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