Cloud-Computing gilt in der ICT-Branche seit Jahren schon als Top-Wachstumsthema, trotz oder gerade wegen der schillernden Vielfalt beim Begriff selbst und der Menge der Teilthemen dort. Wer sich generell zum Thema “Cloud-Computing” auseinandersetzen möchte, dem sei der T-Systems Cloud-Blog unter http://cloudblog.t-systems.de/ empfohlen: Kollegen von mir zeigen dort interessante und unerwartete Aspekte des Cloud-Computings auf.
Ich möchte hier aber ein wenig auf den Einsatz und die aktuelle Bedeutung von Cloud-Computing in der Automobilindustrie eingehen. Dabei meine ich nicht die (dunklen!?) Wolken, die gerade über der Branche aufziehen sondern …
… möchte Ihnen anhand einiger Beispiele und Informationen den Status beschreiben:
In den letzten 12-18 Monaten hat sich ein durchaus konsistentes Bild beim Einsatz von Cloud-Computing in der Automobilindustrie herauskristallisiert. Das Angebot, dynamisch Rechenleistungen aus dem Internet beziehen zu können, ist vor allem bei SAP-Anwendern angekommen. T-Systems ist mittlerweile weltweit Marktführer bei den sogenannten “Dynamic SAP-Services”, einem Angebot, das wir vor einigen Jahren schon erfunden und am Markt platziert haben (Infos hier). Die Millionen “Seats” dort (aktuell mehr als 50% aller SAP-Systeme weltweit) kommen auch aus der Automobilzuliefererindustrie. Und wer schon Zentralanwendungen ausgelagert hat, geht diesen Pfad weiter. Ähnliches gilt für spezielle Bereiche wie das “High Performance Computing”. Mit dynamischer Zuweisung von Rechenkapazität für FEM und CAE lassen sich deutlich Kosten und Rechenzeiten senken. Ein aktuelles Beispiel hierfür ist die durch die Firma UNIVA (http://www.univaud.com) installierte Cloud-Architektur bei der Firma Corus AEG (http://www.corusautomotive.com) (Infos hier).
Ein weiteres Themenfeld, das in der Automobilzuliefererindustrie zunehmend angenommen wird, ist die “Client-Virtualisierung”. Dabei werden PC-Desktop-Umgebungen mit Office-Anwendungen auf Servern bereitgestellt. Der einzelne Anwender braucht dann nur noch ein Terminal (jetzt als “Thin Client” bezeichnet). Firmen wie Citrix, VMWare und Microsoft stellen hier ausgereifte Lösungen zur Verfügung. Ein Schelm ist, wem jetzt Ähnlichkeiten zu den Zentralrechnern der 80er Jahre in den Sinn kommen …
Rechen- und grafikintensive Engineering-Anwendungen (CAD, DF, CAM) werden bis heute praktisch nirgendwo über Cloud-Architekturen betrieben. Der Grund hierfür ist einfach: diese Anwendungen benötigen ständig lokal bereitgestellte große Performance bei Rechenleistung und Visualisierung. Früher war das die Domäne hochpreisiger Workstations, heute nutzt man PCs. Aber immer lokal. Ich sage voraus, dass sich das auch in den nächsten Jahren nicht ändern wird. Bei CAD-Anwendungen macht es auch keinen Sinn, dynamisch Programm-Komponenten über das Netz zu laden. Man wird vielmehr wesentlich häufiger dynamic (im Sinne von real-time) License Management einsetzen und so die extrem teuren Lizenzen besser nutzen. Der Kostendruck in der gesamte Branche erzwingt das. T-Systems ist darauf bereits vorbereitet.
Insgesamt wird Cloud-Computing bei Zulieferern wesentlich mehr eingesetzt als bei den Automotive-OEMs. Auch hierfür gibt es einfache Gründe: zum einen sind die OEMs so groß, dass umfangreiche Wechsel auf Cloud-Architekturen aus Kostengründen und nicht beherrschbarer Komplexität bei der Migration nicht möglich sind. Kleinere Zulieferer sind da natürlich agiler. Außerdem setzen OEMs auch heute noch in erheblichem Umfang Legacy-Anwendungen aus den 90er Jahren ein, die zentralistisch aufgebaut sind (Beispiele sind die PLM- oder die PPS-Systeme) und praktisch kaum migriert werden können. Zulieferer sind auch da flexibler.
Sie können aber sicher sein, dass die gesamte ICT-Branche nichts unversucht lassen wird, gerade die Automotive OEMs hin in Richtung Cloud-Computing zu bewegen. Die diesjährige CeBIT wird es wieder zeigen …
Welche Erfahrungen haben Sie bereits mit Cloud-Computing in der Automobilindustrie gemacht?












Tobias Knobloch
19. Februar 2010 21:36
Hochinteressanter Bericht über die Zukunft im IT Bereich. Die ganze Technologie führt dazu das mobile Endgeräte noch schlanker und mobiler, und gleichzeitig Kosten gesenkt werden können (siehe dynamic License Management).
Man darf gespannt sein wohin die Reise geht, in ein paar Jahren auch für den End User.
Beste Grüße,
Tobias Knobloch