Vor einem Jahr hatte die Consulting-Firma PricewaterhouseCoopers ( http://www.pwc.com ) im Rahmen ihres „Annual CEO Surveys” ( http://www.pwc.com/en_GX/gx/ceo-survey/auto.html ) unter anderem über 50 CEOs der Automobilbranche befragt. Zwei Aspekte wurden damals mit Abstand als wichtigste Themen für 2009 genannt: Konzentration auf existierende Märkte und Zurückhaltung bei der Produktentwicklung. Jetzt, mit einem Jahr Abstand, kann man Bilanz ziehen.
Die Absicherung des Marktangangs jeweils in den großen Weltregionen Europe, Americas und Asias ist aus verschiedenen Gründen eingetreten. Die diversen Insolvenzverfahren nach Chapter 11 in den USA haben in der amerikanischen Automobilindustrie entscheidend dazu beigetragen, dass die dort ansässigen OEMS und World Class Zulieferer sich auf den US-Binnenmarkt konzentrieren mussten. In Europa wiederum und hier maßgeblich in Deutschland hat die Abwrackprämie ja zu einer Vertriebshysterie geführt: alles was neu, klein, preiswert und mit vier Rädern ausgestattet war, wurde 2009 hier auf den Markt geworfen. Die Folge war, dass auch in Europa eine Konzentration auf die jeweiligen Binnenmärkte zu beobachten war. Auch in Asien trat der gleiche Effekt auf, allerdings mit anderer Ursache: dort führten die noch immer vergleichsweise hohen Wachstumsraten dazu, dass man von einer Marktsättigung weit entfernt war (und ist). In der Folge haben sich auch asiatische Automobilfirmen auf ihre Heimatmärkte konzentriert.
Die Zurückhaltung bei der Produktentwicklung lässt sich etwa über den Rückgang der Beauftragungen für Engineering-IT nachweisen. IT-Investitionen sind praktisch in der gesamten Automobilindustrie auf ein Mindestmaß zurück gefahren worden. Mit der Konsequenz, dass sich innovative Produktentwicklungen, die neue IT-Lösungen benötigen, verzögern. Investitionen in Produkt-Virtualisierung, 3D-Absicherung, Fabrikplanung, Collaborative Plattformen, PLM-Lösungen z.B. für Elektronik und Lifecycle-Aspekte, Systems Engineering Lösungen, alles das ist in vielen Fällen 2009 auf ein Mindestmaß zurückgeschraubt oder gleich gestrichen worden.
Und es ist nicht erkennbar, dass sich an der schwierigen Situation in der Automobilindustrie im nächsten Jahr 2010 viel ändern wird: die US-amerikanischen Firmen sind weiterhin von globaler Konkurrenzfähigkeit weit entfernt. Die europäischen Automobilfirmen bereiten sich auf das voraussichtlich desaströse Jahr 1 nach der Abwrackprämie vor. Die asiatischen OEMs werden mehr und mehr mit den Auswirkungen der Urbanisierung dort konfrontiert und optimieren ihre Produkte auf diese Märkte hin.
Es bleibt also spannend. 2010 wird uns mit neuen Herausforderungen konfrontieren. Optimismus ist in allen Industriesegmenten kaum spürbar. Prognosen sind höchst unsicher. Warten wir mal ab, was uns die Automotive-CEOs für das nächste Jahr vorhersagen …


Eurolappen @ Fahrschule Polen
Am 15. Januar 2010 um 17:45 Uhr
Es ist natürlich bedauerlich, dass die Automobilindustrie Unternehmen anderer Wirtschaftszweige mit in den Sog ziehen. So auch Unternehmen der IT Branche
Nichtsdestotrotz tut die Automobilindustrie gut daran auch weiterhin mit angezogener Handbremse zu fahren.
Ständige Modellwechsel mit den damit verbundenen Entwicklungskosten und Produktion auf Halde konnten auf lange Sicht nicht gut gehen.