Ich hatte diese Woche ein sehr interessantes Gespräch mit einem Kollegen. Thema: Was ist besser: Individualsoftware oder Standardsoftware?
Mein Kollege ist der Auffassung (und wurde hoffentlich von mir eines besseren belehrt), dass Individualsoftware für Unternehmen immer die beste Wahl darstellen. Seine Begründung war ganz einfach: Diese Software ist exakt an meine Bedürfnisse angepasst und designed, während ich mit einer Standardsoftware immer nur so gut bin, wie meine Konkurrenz. Bei der einen Lösung bilde ich meine guten Prozesse exakt ab, während ich bei der anderen Lösung mich immer mit dem Standard zu frieden geben muss.
Ich sehe die Sache etwas differenzierter, denn schließlich ist Individualsoftware meist (erheblich) teuerer als Software von der Stange. Außerdem partizipiert man bei Standardsoftware immer von den allgemeinen Weiterentwicklungen, welche man kostengünstig mit jedem Update mitbekommt. Und es kommt dann grundsätzlich immer noch darauf an, wie man die Software nutzt – sprich es kommt auf die Daten und die wirklich gelebten Prozesse an. Beispiele hierzu:
-
Sie können Outlook benutzen um schell Informationen und Nachrichten auszutauschen (E-Mail, Termine, Kontakte, udgl.) oder aber um Spam-Mails zu beantworten. Das eine ist eine gute Nutzung, die andere ist m.E. unsinnig.
-
Sie können also zwar eine teuere Individualsoftware besitzen, diese aber nicht sinnvoll einsetzen oder erweitern (siehe meine Ausführungen hier).
So verhält es sich auch mit betrieblicher Standardsoftware, z.B. MES. Warum soll man schließlich eine individuelle Schnittstelle neu erfinden, wenn man bspw. die OPC Schnittstelle mit jeder S7 automatisch mitgeliefert bekommt? Schließlich ist es viel wichtiger, was wann wie und warum zwischen Anlage und Fertigungsleitsystem an Informationen ausgetauscht wird. Warum soll man sich eine individuelle Rückverfolgbarkeitslösung stricken, wo es schließlich nur auf die Daten und Inhalte in der Tracking & Traceing Datenbank drauf ankommt?
Ich denke daher das Standardsysteme besser sind, als man gemein hin annehmen mag. Auf jeden Fall sind sie kostengünstiger.
Wozu tendieren Sie: eher Standard- oder Designerware und wie sehen Sie die Kostenfrage?


Werner Fachinger
Am 17. Juni 2007 um 16:50 Uhr
Hallo Herr Fuhrmann,
ich habe mich mit dem Thema Standard versus Individual im Bereich der Rückverfolgbarkeit innerhalb eines Unternehmens aus Kundensicht auseinandersetzen können.
Tja, hier sind nicht wenige Unternehmen unterwegs die Ihnen erläutern (wollen), dass sie alle Prozesse mit ihrer Lösung abbilden.
Aus meiner Sicht ist der Kunde (also das suchende Unternehmen) gut beraten, seine Prozesse zu überdenken und die Einführung der “Rückverfolgbarkeit” als Chance zu nutzen, alte Zöpfe durchzukämmen oder abzuschneiden.
Im Bereich der ERP Einführung sind nicht wenige Unternehmen an ihren „alten“ Zöpfen hängen geblieben. Hier hat sich aber in den letzten Jahren der sog. Standard durchgesetzt. Zwar auch mit individuellen Anpassungen, die aber am Standard der Software ausgerichtet sind.
D.h. wenn ein Kunde releasefähig bleiben will, sollte er nicht nur auf den Kauf, sondern auch auf die Einführung einer Standardlösung achten.
Grüsse Werner Fachinger
Dirk Fuhrmann
Am 18. Juni 2007 um 13:16 Uhr
Sehr geehrter Herr Fachinger,
Sie haben mit vielen Punkten Recht. Das mit den Prozessen und den “alten“ Zöpfen ist allerdings so eine Sache. Leider sind manchmal einige alte Prozesse besser, weshalb man nicht einfach immer alles “alte“ abschneiden sollte.
Meine Empfehlung ist daher sehr viel pragmatischer: Regelmäßig sollten alle Prozesse (Wohlgemerkt Prozesse, nicht Tätigkeiten, Aufgaben, Abteilungen, Bereiche, udgl. !) überprüft werden. Sollte sich dabei etwas nicht Notwendiges finden, so ist der Prozess entsprechend anzupassen. Davon ab entspricht dies Vorgehen dem KVP Gedanken (KVP = Kontinuierlicher VerbesserungsProzess).
Was die Releasefähigkeit angeht, so kann durchaus auch Individualsoftware verwendet werden – entsprechende Weitsicht immer vorausgesetzt. Tendenziell kann man aber konstatieren, dass marktgängige Standardlösungen ein Upgrade einfacher ermöglichen.
Grundsätzlich betrachtet, gibt es aus meiner Sicht nur zwei Dinge die Sinn machen: Individualsoftware (weil sie exakt die eigenen Anforderungen widerspiegelt) oder Standardsoftware (weil man damit sich einem Standard anschließt). Individualisierte Standardsoftware oder standardisierte Individualsoftware ist aus meiner Sich schlicht weg großer Quatsch. Das werden Sie feststellen, wenn Sie einmal versucht haben bei einem stark verbogenen Standardsystem ein Upgrade zu fahren, oder eine Individuallösung derart zu standardisieren, dass Sie an 100 verschiedene Kunden geliefert werden kann.
Viele Grüße, Dirk Fuhrmann
Andreas Emmel
Am 28. Juni 2007 um 13:44 Uhr
Zu diesem Thema möchte ich sagen, dass es sich selbst karrikiert. Indem man versucht den Königsweg zu finden standardisiert man wieder…
Wichtig sind kompetente Berater die einem Unternehmen die passende Software verkaufen. Ob diese nun Standard oder Individualsoftware ist ist irrelevant, solange sie die Bedürfnisse des Kunden abdeckt.
Es haben beide Arten der Software ihre Vor- und Nachteile, jetzt kommt es drauf an bei welcher die Vorteile überwiegen und ob man mit den Nachteilen leben kann.
Bei uns ist der Trend zur Standardsoftware sicher zu sehen, aber einiges muss trotzdem angepasst bzw. selbst programmiert werden, was die schon genannten Nachteile mit sich bringt.
Grüße,
Andreas Emmel