Eine moderne Produktionsstraße besitzt heute eigentlich immer eine SPS also eine Speicher Programmierbare Steuerung. Und dass diese SPSen viele Anschlüsse besitzen, unter anderem einen Netzwerkanschluss, ist inzwischen selbstverständlich. Also steckt man ein Netzwerkkabel in ein MES System, ein Netzwerkkabel in die jeweilige SPS und schon ist alles integriert. Beim Heimischen Fernseher funktioniert das schließlich auch so. Warum kommt eigentlich jeder Produktionsleiter / Qualitäter / MES Projektleiter / SAP Berater auf so einen Unfug?
Jedes mal wieder muss ich diese Wunschträume zerplatzen lassen. Denn erstens kauft man die meisten Anlagen nicht „von der Stange“, denn es sind Sondermaschinen. Zweitens muss die individuelle Kommunikation zwischen Sondermaschine und MES individuell hergestellt werden. Drittens müssen die Anlagen die Informationen des MES verarbeiten können (und umgekehrt).
Die Tatsache allein, dass die jeweilige SPS OPC „kann“, bedeutet leider noch nicht dass hiermit automatisch die Probleme behoben sind. OPC ist nämlich nur ein genormter Mechanismus zur Kommunikation der Anlagen. Was denn mittels OPC warum ausgetauscht wird, ist damit genau so wenig festgelegt, wie die Reaktionen auf die Inhalte.
Außerdem verstehe ich gar nicht, warum so viele überhaupt auf OPC stehen. Manchmal ist es nämlich sehr viel einfacher (und billiger) die drei benötigten Parameter über eine serielle Schnittstelle auszutauschen, und die restliche Kommunikationslogik in einem kleinen und billigen PC mit einer Hochsprache zu programmieren. In der SPS ist dies zwar grundsätzlich auch möglich, aber man programmiert halt eben in Maschinensprache. Da sind Lösungen mit modernen Programmiersprachen sehr viel einfacher zu entwickeln.
Das –in dieser Richtung– unverständlichste Vorhaben ist übrigens, eine SPS (Siemens S5) an eine SPS (Siemens S7, die ist besser und hat eine Netzwerkkabel -Buchse) anzubinden, welche dann die ganze Kommunikation zu SAP abhandeln soll. Ein MES kommt nicht in Frage (obwohl dies die Domäne eines MES ist), denn es wäre ja ein „unnötiges“ zusätzliches System. Außerdem kann SAP ja eigentlich alles, was nötig ist. Und eine SPS ist ja programmierbar.
Kann mir jemand bitte erklären, warum eine derartige Meinung Land auf Land ab vorherrscht? Und warum keiner versteht, dass Stecker rein und alles ist OK bei Anlagen nicht funktioniert? Warum sträuben sich SAP „Helden“ eigentlich immer so gegen ein MES System? Oder bin ich der Einzige, der nicht an SAP-löst-alle-Probleme so richtig glauben will?












Günther
5. März 2007 23:34
Oh, SAP löst schon alle Probleme – man muss eben nur die *richtigen* Probleme haben, auf die sich SAP anwenden läßt.
Fehlen MES evtl. die passenden Schnittstellen?
Dirk Fuhrmann
7. März 2007 19:26
An den Schnittstellen liegt es nicht, die Anlagen können es einfach nicht. Und nur ein Anschluss für ein Netzwerkkabel in der Maschine, lässt die Maschine nicht zum gezielten Daten Austausch bringen. Das ist so, als gebe man einem Deutschen ein Wörterbuch Chinesisch – Kishualheli, nur weil er gesagt hat, er könnte lesen.
Was SAP bzw. “die *richtigen* Probleme” angeht: Ja, das ist immer eine sehr spannende Frage. Und die Frage mit der Anwendbarkeit von SAP stellen sich (meiner Erfahrung nach) die meisten Leute erst gar nicht. Warum auch?
Steuerung und Kontrolle der Produktion ist schon ein *richtiges* Problem eines führenden Systems. Und da in vielen Fertigungsbereichen keine Mitarbeiter mehr notwendig sind (außer um auf Störungen zu reagieren) sollte so ein alles lösendes SAP diese Aufgabe mit den paar Anlagen meistern können. Nicht war? Schließlich haben doch SAP Server auch einen Netzwerkanschluss …
T-Systems Automotive Blog» Blog Archiv » Déjà vu - Schnittstellen
15. März 2007 20:26
[...] Heute hatte ich mal wieder ein Déjà vu zum Thema MES und Schnittstellen (siehe „Stecker rein und gut“). Ein Produkt eines (selbsternannten) Marktführers. „Many hundred prepared standard connectors …“ zu allen möglichen „… control equipment or any other system with OPC Data Access“. Klasse. Liest sich prima. Euphorisch und voller Vorfreude habe ich dann auf den Beispielbutton gedrückt, und sah: [...]
T-Systems Automotive Blog» Blog Archiv » ISO/TC 184 SC5 - DIN NAM 430.5
21. Juni 2007 18:38
[...] Der zweite Unterausschuss beschäftigt sich mit dem Thema Schnittstellen zum Shop Floor und wird von Hr. Patzke (MFP) geführt. Ich will mal hoffen, dass er sich der Plug & Play Thematik widmet, oder zumindest einen Schritt in die richtige Richtung bewirkt. [...]