CAQ vs. MES !?

Am 1. Februar 2007 von Dirk Fuhrmann
 

CAQ Systeme sind toll, denn hier sieht man genau, wie schlecht man doch ist (oder genau genommen: gestern war). Und nach Meinung vieler Produzenten ist CAQ die Lösung auf alle Fragen und Probleme. Sobald irgendetwas herausgefunden ist, kann man schließlich mit den KVPs loslegen, gestützt durch die CAQ Systeme selbst.

Warum nur tue ich mich mit dem CAQ Gedanken immer so schwer – bin ich den so dumm und uneinsichtig? Vielleicht liegt es in meiner Natur, denn ich bin eigentlich überhaupt nicht masochistisch veranlagt. Ich will nicht immer nur das Schlechte von Gestern vor die Nase gehalten bekommen!

Auf der anderen Seite macht es mich stutzig, dass trotz guter CAQ Systeme immer noch haufenweise schlechte Qualität zu finden ist. An der mangelnden Bereitschaft und an fehlendem Einsatz kann es nicht liegen, denn es wird sehr viel Zeit, Geld und Energie darauf verwand, besser zu werden. Oder wie kann man sonst die Millionen schweren Projekte im Bereich Qualität Automotive verstehen?

Ein anderer Grund ist die Erkenntnis, dass Statistiken (der Ursprung vieler CAQ Systeme) immer vergangenheitsorientiert sind. Aussagen über das Hier und Jetzt bzw. Gleich sind aber mit einer historischen Betrachtung gar nicht richtig möglich. Mich erinnert das an Autofahren, wobei man immer nur aus dem Rückfenster schaut, um zu entscheiden, wohin man jetzt lenken und beschleunigen soll. Wenn ich hinter dem Steuer sitze schaue ich lieber nach vorne, und fahre vorausschauend. Stehe ich denn mit so einer Einstellung schon wieder alleine da?

Eigentlich setzen alle Firmen heute (mehr oder weniger erfolgreich) auf CAQ. Und nun setzt ein Hype auf Früherwarnsysteme ein, denn die Daten von gestern sind natürlich nicht so relevant wie die Daten von heute Vormittag. Warum klappt es dann aber immer noch nicht? Die Antwort ist m.E. ganz einfach. Ich versuche sie mal mit drei Fragen zu umreißen:

  1. Warum will man nicht bereits im Entstehungsprozess die Qualität absichern?
  2. Warum sträubt man sich, tausende Teile automatisiert und online kontrollieren?
  3. Warum wert man sich steuernde und kontrollierende online Systeme in der Produktion einzusetzen? (Und ich meine hier kein SAP, kein CAQ und keine SPS Lösung!)

Mein Vorschlag sieht also folgender Maßen aus:

  • Überwinden Sie Ängste und eingefahrene Prozesse, und etablieren sie mit Ihrem Mut moderne Systeme in der Produktion.
  • Online Prozessabsicherung durch Process Interlocking, Process Routing, variantenkonformes Verbauen und Rüstungskontrolle.
  • Einsatz von automatisierten Q-Methoden (z.B. der PAA; siehe: http://www.paa-web.de) mit entspechenden Prozesssteuerungsmechanismen. Bereits vorhandene Systeme (z.B. SPC, OPM, AMS) werden dadurch natürlich nicht überflüssig!
  • Transparente Systeme zwischen Shop Floor und SAP und CAQ und … zur Steuerung und Kontrolle des aktuellen Produktionsgeschehens. (Typischer Weise Anforderungen an ein gutes MES)
  • Reduktion der Komplexität aller eingesetzten Systeme durch ein großes System im Produktionsbereich – auch wenn dies manchmal einen Helden schmerzt. Denn weniger ist manchmal mehr.

Ich bin der festen Überzeugung, dass Qualität zunächst aktiv geschaffen werden muss, bevor man die Wirksamkeit mit Q-Systemen überprüfen kann. Aus diesem Grunde sollten gute MES die betriebliche Systemlandschaft ergänzen. Ich hoffe Sie sind der gleichen Meinung.

 
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