Die Rückverfolgbarkeit von Bauteilen besitzt viele unbestrittene Vorteile und wird daher von vielen OEMs heute gefordert. Rückverfolgbarkeit der Bauteile wird daher von allen Lieferanten geboten. Sind damit schon alle Probleme beseitigt und alles in bester Ordnung?
Unter Traceability (Bauteil-Rückverfolgbarkeit) versteht man die Fähigkeit, den Produktionsprozess eines jeden Teils vorwärts und rückwärts zu verfolgen zwecks frühzeitigen Fehlererkennung und -vermeidung durch Dokumentation aller Prozessschritte, wichtiger Prozess- oder Teilecharakteristika und verbauten Teile. Dies ist insbesondere bei einer hochvolumigen bzw. stark automatisierten Produktion ein schwieriges Unterfangen, denn die Massen an Teilen und Informationen müssen verarbeitet und auch gespeichert werden. Allerdings ist es mit einer Speicherung der Daten nicht getan, denn diese müssen über einen langen Zeitraum verfügbar sein, sowie verwendet und ausgewertet werden können. Als weitere Herausforderung ist die Anbindung der Produktion an ein solches System zu sehen, denn irgendwoher müssen die ganzen Informationen zur Rückverfolgung ja kommen.
Mit einem weiteren System ist es hier nicht so einfach getan, denn man möchte sicherlich eine Standard Lösung, welche man in weiteren Projekten umsetzen kann, denn Insellösungen sollten nicht das strategische Ziel sein. Gleichzeitig ist eine Verbindung zu weiteren Systemen (ERP, MES, PDM, CAQ, …) notwendig, um allen Anforderungen gerecht zu werden. Branchenspezifische Lösungen bzw. die Realisierung der Traceability Anforderungen mittels ERP System sind ebenfalls nicht zu empfehlen, denn zum Einen muss man immer mit Firmen- oder Produktstrukturänderungen rechnen und zum Anderen sind ERP-Systeme nicht mit dem Augenmerk auf technische Rückverfolgbarkeit entwickelt worden, weshalb sie nur bedingt für solche Aufgaben geeignet sind.
Ich bin der Meinung, dass es in der Praxis noch viel Arbeit zu leisten gilt, denn nicht alle sinnvolle Traceability–Anforderungen werden in der Praxis korrekt (wenn überhaupt) umgesetzt. Die Gründe hierfür sind vielfältig, angefangen mit den hohen Kosten für die Einführung und Betrieb eines Systems, über die Probleme mit der Erfassung, Dokumentation und Langzeitarchivierung aller notwendigen Informationen, bis hin zu fehlenden Erfahrungen mit Rückverfolgbarkeit. Die Überprüfung der Rückverfolgbarkeit durch die Anforderer (OEM) ist häufig nicht tief und genau genug, denn deren Kerngeschäft ist nicht die Implementierung von Traceability Lösungen. Außerdem ist hier eine Standardisierung der Systeme notwendig, denn momentan gibt es, neben vielen Individual- und Insellösungen, sehr viele kleine Sub-Systeme mit Tracking & Traceing Funktionalität. Da aber nur eine durchgehende und integrierte Lösung alle Vorteile der Rückverfolgbarkeit ausspielen kann, und man nicht viele Lösungen gleichzeitig betreiben sollte ist hier eine Konzentration notwendig.
Für mich zeigt die Zukunft daher zwei Dinge auf:
- OEMs werden Ihre Anforderungen genauer kontrollieren, denn schließlich bezahlen sie für korrekte Rückverfolgbarkeit.
- Standardsysteme für Bauteil Rückverfolgbarkeit werden bei den Zulieferern zunehmend Einzug halten, und der Markt für Rückverfolgbarkeitslösungen auf Bauteilebene wird konsolidiert.












a) Leser sind herzlich zum Kommentieren eingeladen.
b) Kommentare sollten den Wert des Weblogs erhöhen.
c) Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir Kommentare erst nach Prüfung frei schalten.
d) Kommentare, die nichts mit dem Thema des Beitrags zu tun haben, offensichtlich Urheberrechte verletzen, beleidigenden Inhalt oder persönliche Angriffe enthalten, werden gelöscht.
e) Links können gerne eingebunden werden, sollten aber zum Thema des jeweiligen Blog-Postings gehören. Links zu anderen Webseiten oder Blogs, die nichts mit dem jeweiligen Blog-Posting zu tun haben, werden als Spam angesehen und gelöscht.